Weihnachten mit den Flugbegleitern

Ornithologische Geschenktipps von Ihren Korrespondenten aus der Vogelwelt

Kuttelvaserova Stuchelova(Shutterstock

Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Vogelbeobachter haben ihren eigenen Kalender – jetzt ist zum Beispiel die Zeit der Rotdrosseln und Bergfinken. Aber es ist auch Weihnachtszeit. Und deshalb wollen wir Sie mit Tipps inspirieren, womit Sie Menschen, die sich für Natur und Vogelwelt interessieren, eine Freude machen können. Oder was Sie selbst auf die Frage antworten könnten, was Sie sich zu Weihnachten wünschen.

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Thomas Krumenacker: Patenschaft für Großtrappen

Genau 259 Großtrappen leben derzeit in Deutschland – die letzte offizielle Zählung vor der Brutsaison 2018 brachte einen neuen Rekord. Über den Sommer kamen über 30 wilde Jungvögel und 46 handaufgezogene und später ausgewilderte Tiere hinzu. Vor der Brutsaison 2019 könnte die Zahl des Vorjahres damit wieder deutlich übertroffen werden. Der Schutz der Großtrappen in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte des Artenschutzes. Aus nur noch wenigen Vögeln zum Ende der 1990er Jahre ist dank engagierten Schutzes eine ansehnliche Population geworden. In einem der drei Trappen-Schutzgebiete, dem Havelländischen Luch, kann sogar bereits darauf verzichtet werden, die Populationen zu stützen, indem neue Tiere ausgewildert werden. Hier hat sich eine sich selbst erhaltene Population von knapp hundert Vögeln etabliert.

Das Überleben einer so anspruchsvollen Vogelart wie der Großtrappe im industriell und landwirtschaftlich intensiv genutzten Deutschland ist langfristig aber nur mit Hilfe eines gezielten Managements und einer intensiven Betreuung möglich. Diese Aufgabe übernimmt der Förderverein Großtrappenschutz e.V.. Er schützt den Lebensraum in den drei Trappengebieten in Brandenburg und Sachsen-Anhalt Havelländisches Luch, Belziger Landschaftswiesen und Fiener Bruch und ist verantwortlich für das Aufzucht- und Auswilderungsprogramm, mit dem die Population gestützt wird.

Auch andere Arten profitieren

Beispielsweise werden Gelege auf Äckern gerettet, die intensiv bewirtschaftet werden und auf denen Eier und Jungvögel keine Überlebenschance haben. Neben den Großtrappen profitieren auch andere Vogelarten wie Wiesenweihe, Rebhuhn, Rotmilan, aber auch Insekten und viele andere Tiergruppen von den großflächigen Schutzbemühungen des Fördervereins.

Der Verein bietet Patenschaften für individuelle Küken an, die im jeweiligen Jahr aufgezogen und ausgewildert werden – ein sehr unmittelbarer Beitrag zum Vogel- und Lebensraumschutz und deshalb mein Geschenktip für Weihnachten!

Weitere Informationen zur Patenschaft.

Großtrappen brauchen dringend Schutz – eine Patenschaft kann dabei helfen.
Großtrappen brauchen dringend Schutz – eine Patenschaft kann dabei helfen.
Thomas Krumenacker

Joachim Budde: Demokratie im Tierreich

Wenn eine neue Königin im Honigbienenvolk schlüpft, macht sich ihre Mutter mit der Hälfte der Arbeiterinnen auf die Suche nach einer neuen Bleibe. Die Königin fliegt aus, setzt sich auf einen Ast und wartet. Wie die Arbeiterinnen einen neuen Nistplatz finden, ist einer der interessantesten Prozesse in der Insektenwelt, und niemand hat ihn so gründlich erforscht und so verständlich und voller Zuneigung beschrieben wie der US-amerikanische Bienenforscher Thomas Seeley in seinem Buch „Honeybee Democracy“. Wenn Sie einigermaßen Englisch können, wählen Sie unbedingt die Originalausgabe! Die ist so viel schöner als das deutsche Taschenbuch.

Thomas D. Seeley, Bienendemokratie, Fischer-Taschenbuch 2015, 12,99 Euro

Thomas Seeley, Professor am Fachbereich für Neurobiologie und Verhalten an der Cornell University, hat ein wunderbares Buch darüber geschrieben, wie Honigbienen neue Nistplätze finden. Es ist auf deutsch und englisch erschienen.
Thomas Seeley, Professor am Fachbereich für Neurobiologie und Verhalten an der Cornell University, hat ein wunderbares Buch darüber geschrieben, wie Honigbienen neue Nistplätze finden. Es ist auf deutsch und englisch erschienen.
Deutsches Cover: Fischer Verlag, Autorenfoto: Robin Radcliffe. Englisches Cover: Princeton Press.

Johanna Romberg: Ein Buch für graue Tage

Eigentlich ist es erstaunlich, dass nicht längst mehr Krimiautoren darauf gekommen sind: Vogelkundler sind ideale Polizeiermittler. Weil sie geübt darin sind, extrem genau hinzusehen und zu –hören, weil sie ihre Beobachtungen oft systematisch festhalten, und weil sie auch bei widrigem Wetter stundenlang auf einem Fleck ausharren, bis das Objekt ihres Interesses ins Visier gerät.

Detective William South, Hauptfigur des Romans „The Birdwatcher“ von William Shaw, hat beste Voraussetzungen, Beruf und Hobby zu verbinden, denn sein Revier liegt im Vogel-Eldorado Dungeness an der englischen Südküste. Passionierter Vogelgucker von Kind an, bringt er es auf eine „life list“ von 356 Arten. Doch der Mordfall, in dem er nun ermitteln muss, wird auch seine Beobachtungsgabe auf eine harte Probe stellen – und ihn zugleich mit einem dunklen Kapitel seiner eigenen Lebensgeschichte konfrontieren.

Tätersuche mit dem Fernglas

Zum Glück auch für vogelinteressierte Leser hat der Detective neben den Ermittlungen immer wieder Zeit, sein Fernglas in die Landschaft zu richten und dabei so spannende Arten wie Birkenzeisige, Schellenten und Waldwasserläufer zu entdecken. Der Weitblick durchs Glas wird ihm, nicht überraschend, auch einen entscheidenden Hinweis auf den Täter liefern.

„Der gute Mörder“, so heißt das Buch auf Deutsch, ist ein wunderbarer Schmöker für Tage, an denen selbst wetterfeste Wintervogelzähler nicht vor die Tür gehen mögen. Der belanglose deutsche Titel sollte niemanden irritieren: Deutsche Verleger müssen erst noch lernen, dass wir Vogelkundigen nicht nur mit ornithologischen Fachbüchern und Naturschilderungen zu begeistern sind.

William Shaw, Der gute Mörder, Suhrkamp Verlag 2017, 14,95 Euro

Ein Buch für Tage, an denen selbst wetterfeste Wintervogelzähler nicht vor die Tür gehen mögen.
Ein Buch für Tage, an denen selbst wetterfeste Wintervogelzähler nicht vor die Tür gehen mögen.
Cover: Suhrkamp/riverrun

Anne Preger: Fotos aufs Smartphone

Es kann nerven: Man möchte Vogelbilder aus der Kamera mal eben schnell per Email verschicken oder bei einem sozialen Netzwerk hochladen – und zwar ohne dafür extra an einen Laptop oder Rechner zu gehen. Kabelloser Transfer braucht ein WLAN-Netz, das nicht überall vorhanden ist. Eine Lösung: Ein Adapter für SD-Karten, der ans Smartphone passt. Damit geht der Bilderimport relativ einfach. Zugegeben, ein wenig persönliches Geschenk, aber einem praktisch veranlagten Menschen kann man damit vielleicht eine unerwartet große Freude machen. Wichtig: Der Adapter muss zum Smartphone-Anschluss passen, also wahrscheinlich entweder Micro-USB, Apple Lightning, Apple 30-polig oder USB-C. Anbieter für solche Adapter gibt es etliche. Fündig wird man im Elektronikhandel oder bei Onlinehändlern. Kostenpunkt: 10 bis 25 Euro.

Christian Schwägerl: Fliegende Edelsteine

Dominik Eulberg ist ein bekannter Techno-DJ, doch er macht aus seiner ornithologischen Leidenschaft keinen Hehl. Bei seinen Konzerten hält er zwischendurch auch mal einen kleinen Vortrag über Naturschutz und bietet Vogelstimmenexkursionen an. Diese Leidenschaft hat Eulberg, den wir vor kurzem portraitiert haben, nun in einem so ästhetischen wie praktischen Produkt ausgelebt: „Fliegende Edelsteine" ist ein Quartett, das Kinder und Erwachsene gleichermaßen spielen können. Es ist aber auch eine Quelle spannender Details über die 53 ausgewählten Vogelarten, denn unter den für den Überbietungswettbewerb wichtigen Grunddaten wie Spannweite oder Höchstalter hat Eulberg Besonderheiten platziert. So erfährt man zum Beispiel, dass die Brandgans ihre Bruthöhle mitunter mit Füchsen teilt. Interessant für das Quartettspielen sind auch die dem Atlas deutscher Brutvogelarten entnommenen Populationsgrößen. Von 120 Mauerläufern bis 8,9 Millionen Buchfinken ist alles dabei – und man kann natürlich auch die Variante spielen, dass in diesem Fall zur Abwechslung der seltenste Vogel siegt. Besonderen Wert bekommt das Quartett dadurch, dass Eulberg Illustrationen aus dem Publikationswerk von Erich Cramer nutzen konnte.

Dominik Eulberg, Fliegende Edelsteine – ein Vogelquartett, Erhältlich im Webshop von Dominik Eulberg, 18,50 Euro zuzüglich Versand.

Liebevoll gestaltet und mit Wissenswertem angereichert: „Fliegende Edelsteine" ist mehr als ein Quartett.
Liebevoll gestaltet und mit Wissenswertem angereichert: „Fliegende Edelsteine" ist mehr als ein Quartett.
Christian Schwägerl (Foto)/Dominik Eulberg (Kartenspiel)

Anne Preger: Kleine Vogelkunde Ostafrikas – ein Klassiker

Mr. Malik ist schüchtern – und verliebt in Rose Mbikwa. Er ist dienstags immer dabei auf ihren Vogelwanderungen der Ostafrikanischen Ornithologischen Gesellschaft in Nairobi. Doch es gibt einen Rivalen, den Lebemann Harry Khan. Wer von beiden darf Rose zum jährlichen Nairobi Hunt Ball begleiten? Eine Wette soll das klären: Wer entdeckt in Kenia in einer Woche die meisten Vogelarten?

Nicholas Draysons Buch ist bereits 2008 erschienen und hat seit langem einen Platz in meinem Regal für die Lieblingsbücher. Liebesgeschichte und Vogelbeobachtung kommen zusammen, dazu eine Prise von Draysons britischem Humor. Im besten Sinne leicht.

Nicholas Drayson: Kleine Vogelkunde Ostafrikas. Erschienen 2008 im Rowohlt Verlag, 304 S., Taschenbuch 9,99 Euro, auch als e-Book erhältlich

Rowohlt Verlag/Verlagshaus Berlin/Bastei Lübbe

Markus Hofmann: Vogelgedichte von Mikael Vogel

Die Natur zerrinnt uns unter den Fingern. Eine Möglichkeit, sie festzuhalten, ist die Literatur. Der in Berlin lebende Mikael Vogel hat seinen neuesten Gedichtband ausgestorbenen sowie vom Aussterben bedrohten Tierarten gewidmet. Ein ganzes Kapitel handelt vom titelgebenden Dodo, diesem sagenumwobenen, flugunfähigen Vogel, der Ende des 17. Jahrhunderts endgültig von dannen ging. Vogels Gedichte sind gut recherchiert, und der Amerikaner Brian R. William hat sie mit prächtigen Zeichnungen illustriert.

Mikael Vogel: Dodos auf der Flucht. Mit Illustrationen von Brian R. Williams. Verlagshaus Berlin 2018. 15.90 Euro, 22.90 Schweizer Franken

Claudia Ruby: „Federnlesen“ von Johanna Romberg

Es ist ein seltener Spagat, der mich an Johanna Rombergs Buch begeistert: „Federnlesen“ ist ein höchst informatives Sachbuch über die heimische Vogelwelt und ihre Probleme. Vor allem aber ist es eine sehr persönliche Betrachtung über das „Glück, Vögel zu beobachten“. Eine Szene beschreibt exemplarisch, worum es geht: Die Autorin steht am Bahngleis und wartet auf einen Anschlusszug, als von einer nahe gelegenen Brache der Gesang einer Nachtigall erklingt. Doch außer Johanna hörte niemand zu: „Die etwa zwanzig Wartenden, die neben mir auf dem Bahnsteig standen, guckten auf ihre Smartphones oder ins Leere; ihre Blicke verrieten, dass der Vogelgesang unbemerkt an ihren Ohren vorbeirauschte.“ Solche Glückmomente ziehen sich durch Johannas Buch – und machen es zu einem perfekten Weihnachts-Geschenk. 

Johanna Romberg, Federnlesen – Vom Glück, Vögel zu beobachten, Bastei Lübbe 2018, 24 Euro

Ein Meilenstein der Bestimmungsliteratur.
Ein Meilenstein der Bestimmungsliteratur.
Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker: Meilenstein der Bestimmungsliteratur

Das Handbook of Western Palearctic Birds ist wohl das wichtigste ornithologische Buch, das 2018 veröffentlicht wurde. Verfasst von zwei der führenden Feldornithologen, Lars Svensson und Hadoram Shirihai, hievt dieses Werk die Bestimmungsliteratur für Vogelbeobachter auf ein neues Niveau.  

Es war eine Mammutaufgabe, der sich die beiden Autoren und ein großes Unterstützer-Team über fast 20 Jahre widmeten. Sie lautete: Alle Vogelarten der Westpaläarktis (Europa, Westasien, Nahost und Nordafrika in einer großzügig gefassten geografischen Definition) in all ihren Unterarten und Formen und mit allen Kleidern in exzellenten Fotografien darzustellen. Zudem sollten alle für die Arbeit im Feld relevanten Informationen zu Kennzeichen, Alters- und Geschlechtsbestimmung, Stimme, Mauser, Verbreitungsgebiet und aktuellem taxonomischen Stand präsentiert werden.

Das Buch der Superlative: 5000 Fotos, 5 Kilogramm schwer

Zielgruppe sind fortgeschrittene Praktiker der Vogelbeobachtung. Offensichtlichste Neuerung gegenüber anderen Handbüchern ist der Verzicht auf Vogelzeichnungen. Stattdessen setzen die Autoren mit Hilfe von mehr als 800 Fotografen auf erstklassige, als Bestimmungshilfe taugliche Fotos. Damit hat das Team ganz nebenbei die wohl umfassendste Fotosammlung über Vögel in einer Weltregion geschaffen. Auf fast 1300 Seiten (und 5 Kilogramm Gewicht) verteilt, werden 408 Arten und 948 Taxa ausführlich beschrieben und mit rund 5000 Fotos illustriert.

Man findet Aufnahmen von Kleidern, die so bisher nirgends systematisch verfügbar waren. Die unterschiedlichen Alterskleider einer Art werden für beide Geschlechter in fast allen denkbaren Variationen und Stadien gezeigt und beschrieben. Gleiches gilt für die geografischen Variationen, in denen eine Art auftritt.

Fazit: Das Handbook of Western Palearctic Birds ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer genaueren Vogelbestimmung in unserer Weltregion und wird helfen, ein noch differenzierteres Bild der gefiederten Artenvielfalt zu bekommen. Ein unverzichtbares Standardwerk für ambitionierte Vogelbeobachter.

Handbook of Western Palearctic Birds – Passerines. Von Hadoram Shirihai & Lars Svensson, 2 Bände, 1280 Seiten. Ca. 149 Euro

Matthes&Seitz/RiffReporter

Christian Schwägerl: Genossenschaftsanteile von RiffReporter

Geschenkgutscheine für Flugbegleiter-Abos werden wir Ihnen leider erst zu Weihnachten 2019 anbieten können. Doch schon jetzt können Sie mit einem Geschenk den Qualitätsjournalismus der Autorengenossenschaft RiffReporter stärken, zu der auch die „Flugbegleiter“ gehören. Die Genossenschaft baut die Publikationsplattform auf, auf der wir erscheinen, sorgt für den reibungslosen Ablauf beim Abonnieren und läßt ein „Ökosystem für Qualitätsjournalismus" entstehen, in dem sich verschiedene „Korallen“ – wie im Umweltbereich etwa KlimaSocial, die Flussreporter und Plastisphere – zu einem größeren Ganzen zusammenschließen, dem journalistischen Riff.

Für den innovativen Ansatz und das Modell, dass AutorInnen direkt die Einnahmen aus ihren Projekten für neue Recherchen bekommen, hat unsere RiffReporter-Genossenschaft 2018 den Grimme Online Award bekommen. Mit Anteilen an der Genossenschaft stärken Sie den Auf- und Ausbauprozess, der allen Journalisten und vor allem den Leserinnen und Lesern zugute kommt – ein Weihnachtsgeschenk mit Wirkung. Ein Anteil kostet 50 Euro.

Felix Wolf: Einführung ins Tixen und Zinzelieren

„Weder noch“, wird auf die Frage im Titel antworten, wer dieses Buch gelesen hat. Denn für die Laute der Vögel gibt es im Deutschen viel mehr Wörter als diese bekanntesten drei. Über 300 in Vergessenheit geratene Verben hat Autor Peter Krauss zusammengetragen. Angesichts dieses wahren Wort-Schatzes könnte man glatt melancholisch werden: Wie viel präsenter muss der Gesang der Vögel früher gewesen sein, wenn die Menschen dafür ein so vielfältiges Vokabular erfunden haben! Zum Glück gewinnt beim Blättern schnell die Begeisterung über diese wunderschön gestaltete Schatztruhe die Oberhand, die neben dem Tixen der Amsel, dem Zinzelieren der Blaumeise oder dem Wirbeln der Nachtigall auch Notenbilder, Anekdoten und herrliche Zeichnungen versammelt. So kann man einige kalte, vogelstille Winterabende rumkriegen – und sich schon mal auf den Frühling freuen.

Peter Krauss, Judith Schalansky (Hg.): Singt der Vogel, ruft er oder schlägt er? Handwörterbuch der Vogellaute. Matthes & Seitz Berlin 2017, 25 Euro

Der Kakapo zählt zu den seltensten Vogelarten der Welt – aus gutem Grund, wie Douglas Adams meinte.
Der Kakapo zählt zu den seltensten Vogelarten der Welt – aus gutem Grund, wie Douglas Adams meinte.

Christiane Habermalz: „Die Letzten ihrer Art“ – ein Klassiker

Warum sich an langweiligen Weihnachtstagen nicht mal wieder einem Klassiker zuwenden? Noch dazu einem, den man über die Jahre immer wieder lesen kann, weil er einfach zu schön ist. Es gibt kein Buch, das ich häufiger verschenkt habe. Und keines, bei dem ich so häufig beim Lesen laut auflachen muss, auch wenn ich die Stellen schon fast auswendig kenne.

Zum Beispiel die Passage, in der Douglas Adams zur Vorbereitung seiner Reise zu den Komodo-Inseln Rat bei einem Experten für Schlangenbisse einholt, der ihm davon abrät überhaupt loszufahren, weil es dort von giftigen Tieren nur so wimmele. Und versucht, ihm stattdessen die Vorzüge eines völlig ungefährlichen Hobbys wie der Pflanzenzucht in Hydrokultur nahezubringen. „Was Sie tun sollen, wenn Sie von etwas Lebensgefährlichem gebissen werden? Na was wohl? Sie sterben. Deswegen heißt es ja auch lebensgefährlich!“

Die merkwürdigste Vogelart der Erde

In „Die Letzten ihrer Art“ reist der Autor der satirischen Science-Fiction-Trilogie in fünf Bänden „Per Anhalter durch die Galaxis“ mit dem Zoologen Mark Carwardine und einer BBC-Radioreporterin zu den aussterbenden Tierarten dieser Erde. Ein an sich trauriges Thema, das aber von Adams mit beißendem Humor aufbereitet wird – durch den seine große Begeisterung für die Natur und sein Respekt für die Tiere in jeder Zeile durchscheint. Denn, auch das wissen wir von Adams, auch wir Menschen sind ja nichts anderes als eine auf Kohlenstoff basierende Lebensform in der Galaxis, oder anders ausgedrückt: eine Affenart, die die Macht auf der Erde übernahm, weil sie irgendwann herausfand, was man mit Zweigen alles machen kann: nach Sachen buddeln, in Sachen herumstochern, auf Sachen herumhauen.

Die Reise zu den Letzten ihrer Art führt Douglas Adams etwa zu den nördlichen Breitmaulnashörnern nach Zaire, zu den Jangtse-Flussdelphinen, zu den Aye-Ayes nach Madagaskar – und zu den Kakapos nach Neuseeland. Das Kapitel über die Kakapos, überschrieben mit dem poetischen Titel „Herzklopfen in der Nacht“ gehört für mich zu den schönsten und witzigsten Naturbeschreibungen überhaupt. Der Kampf um das Überleben der flugunfähigen Nachtpapageien, dieser vielleicht merkwürdigsten und verschrobensten Vogelart, die der Planet hervorgebracht hat, wird von Adams als nahezu aussichtslos beschrieben, vergleichbar nur mit dem Versuch, etwas so heillos antiquiertes wie die britische Motorradindustrie gegen die moderneren, schnelleren und viel günstigeren japanischen Hondas und Suzukis auf dem Markt halten zu wollen.

Herzklopfen in der Nacht

Gegen die Unmengen an eingeschleppten Katzen, Frettchen, Mardern und Wiesel hat der Vogel kaum eine Chance, zumal sein Fortpflanzungsverhalten sehr kapriziös ist und darauf beruht, dass das Männchen zu Fuß einen spitzen Bergkamm erklimmt, dort eine Balzarena anlegt, und mit durchdringenden tiefen Wummertönen – dem „Herzklopfen in der Nacht“ – nach einem Weibchen ruft. Dieses reagiert aber nur, wenn eine bestimmte Baumart blüht, was nur alle paar Jahre der Fall ist, und setzt sich dann ebenfalls zu Fuß in Bewegung. Bis sie oben ankommt, (falls sie unterwegs nicht von einer Katze gefressen wird), ist sehr wahrscheinlich, dass das wartende und rufende Männchen von einer Katze gefressen worden ist.

Die gute Nachricht: Dank intensiver Schutzbemühungen auf einigen von Raubtieren befreiten kleinen Inseln ist die Zahl der Kakapos von etwa 40 im Jahr 1990, als Adams sein Buch veröffentlichte, auf wieder 150 Tiere angewachsen. Douglas Adams hat übrigens „Die Letzten ihrer Art“ immer als sein gelungenstes Buch empfunden, das ihm persönlich am meisten am Herzen lag – und es sehr bedauert, dass es kommerziell wenig erfolgreich war. Aber so erging es ja vielen Klassikern.

Douglas Adams: Die Letzten ihrer Art. Eine eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde. Heyne Verlag 1992, 10,99 Euro

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Sind Sie fündig geworden? Das würde uns sehr freuen.

Wir Flugbegleiter wünschen Ihnen und Ihrer Familie eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit und die Muse, in diesen Wintertagen vor die Tür zu treten, die Sinne zu öffnen und die Schönheit der Vogelwelt zu erleben.

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  1. Fragebogen
  2. Naturschutz
  3. Vogelbeobachtung

Der Vogel-Fragebogen: „Habt keine Angst, ich will euch nur beobachten“

Heute mit Daniel Lingenhöhl, designierter Chefredakteur von „Spektrum der Wissenschaft“.

Daniel Lingenöhl
  1. Vogelbeobachtung

Der leuchtende Vegetarier

Erst im 19. Jahrhundert kam der Girlitz in unsere Breiten. Ein Portrait von Carl-Albrecht von Treuenfels.

Girlitz
  1. Freiflug
  2. Vogelbeobachtung

Bei unseren Lesern im Hamburger Vogelparadies

Die Flugbegleiter haben auf der Hansebird 2019 in Hamburg viele Leser, aber noch mehr neue Interessenten getroffen.

Thomas Krumenacker (links) und Joachim Budde am Stand der Flugbegleiter.
  1. Freiflug
  2. Naturschutz
  3. Vogelbeobachtung

Ihr Einsatz für unseren Naturjournalismus

Lesen Sie fünf Vorschläge, wie Sie „Die Flugbegleiter“ unterstützen können.

Zwei Postkarten. Eine mit einen Starenfoto, eine mit einer Kohlmeise.
  1. Freiflug
  2. Ornithologie
  3. Vogelbeobachtung

Empfindliche Langstreckenflieger

Brandseeschwalben-Bruten drohen vielfältige Gefahren – von Füchsen über große Möwen bis hin zu Umweltgiften.

Eine Brandseeschwalbe fliegt miteinem Fisch im Schnabel.
  1. Vogelbeobachtung

Beim Flausch zuhaus

Diese Webcams bieten einmalige Einblicke in das Familienleben von Uhus, Staren, Mauerseglern und vielen anderen Vogelarten

Schwarzstorchküken in Estland
  1. Naturkunde
  2. Vogelbeobachtung
  3. Vogelstimmen

Als hätten sich die Vögel verabredet

Was wir bei den Flugbegleiter-Exkursionen in Berlin, Köln und der Lüneburger Heide gesehen, gehört und erlebt haben

Zwei Spektive, acht Ferngläser, 16 Augen und Ohren sind im Einsatz. Und schon an der ersten Station – am Paradeplatz – erwartet uns ein ganz besonderer Vogel.
  1. Flugbegleiter
  2. Ornithologie
  3. Vogelbeobachtung

König der Fischer – der Eisvogel

Die Bestände der farbenfrohen Art haben sich etwas erholt – nötig wäre aber eine Verdreifachung. Ein Portrait.

Ein Eisvogel sitzt auf einem Schilfstengel und hält Ausschau nach Beute.
  1. Vogelbeobachtung

Wie Du Dir in diesem Frühling viele neue Vogelstimmen merken kannst

„Die Flugbegleiter“ bieten hilfreiche Tipps,

Heckenbraunelle
  1. Bioakustik
  2. Vogelbeobachtung
  3. Vogelstimmen

„Ihr Gesang hat was von Techno"

Die Berliner Schülerin Charlotte Schneider hat erkundet, wie Nachtigallengesang auf Menschen wirkt. Wir sprachen mit ihr über ihr „Jugend forscht“-Projekt.

Ob sie am hellichten Tag von einem Stromkabel herab singt oder nachts aus dichtem Gebüsch - die Stimme der Nachtigall dringt selbst durch den Verkehrslärm einer Großstadt
  1. Freiflug
  2. Naturschutz
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Hilfe für den raren Allerweltsvogel

Bei den „Berliner Spatzenrettern“ zeigt sich: Schulen können Spatzen schützen. Und Spatzen können Rabauken ganz zahm machen. Interview zum Weltspatzentag.

  1. Freiflug
  2. Vogelbeobachtung

Vogelperspektiven: Flugbegleiter live!

Spaziergänge und Exkursionen in Berlin, Köln und der Lüneburger Heide

Vogelexkursion 2018 Berlin
  1. Freiflug
  2. Ornithologie
  3. Vogelbeobachtung

Götterbote, Wotansvogel, Totenvogel – der Kolkrabe fasziniert viele Menschen

Von Carl-Albrecht von Treuenfels

Kolkrabe
  1. Freiflug
  2. Naturkunde
  3. Vogelbeobachtung

„Weil Vögel einfach schön sind“

Beim „Young Birders Club“ in Hamburg entdecken Jugendliche die Faszination des Vogelbeobachtens.

Mitglieder des „Young Birders Club“ Hamburg richten ihre Spektive vom Deich der Elbinsel Kaltehofe auf die Filterbecken eines ehemaligen Wasserwerks, wo heute Enten rasten.
  1. Freiflug
  2. Natur
  3. Vogelbeobachtung

Der Flugbegleiter-Jahresrückblick 2018

Ein persönlicher Rückblick auf Reportagen, Berichte und Analysen Ihrer Korrespondenten aus der Vogelwelt

  1. Freiflug
  2. Vogelbeobachtung

Hier kommen die Auflösungen des Flugbegleiter-Wintervogel-Quiz!

  1. Schulen
  2. Vogelbeobachtung

„Die Artenkenntnis steht auf der Roten Liste des bedrohten Wissens“

Der Lehrer Thomas Gerl, Leiter des Projekts „Biodiversität im Schulalltag", über Mittel gegen den Natur-Analphabetismus

Thomas Gerl unterrichtet Biologie am Ludwig-Thomas-Gymnasium in Prien am Chiemsee und leitet die BISA-Studie über Biodiversität im Schulalltag.
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  2. Vogelbeobachtung
  3. Vogelschutz

Witzsumme für den Datenschatz

Deutschland gibt für das Vogelmonitoring nur 300.000 Euro aus - soviel wie für wenige Meter neue Autobahn. Das sollte sich ändern.

  1. Treuenfels
  2. Vogelbeobachtung

Einflug der Krammetsvögel

Im Spätherbst kommen in großer Zahl Wacholder- und Rotdrosseln zu uns. Von Carl-Albrecht von Treuenfels

Rotdrossel auf Island
  1. Freiflug
  2. Vogelbeobachtung
  3. Vogelschutz
  4. Zugvögel

Feiert die Vielflieger!

Mit einem Festival und einer Forschungsinitiative soll der Schutz der Zugvögel im Nationalpark Wattenmeer verbessert werden.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir den Kakapo mit dem Bild eines Vogels illustriert, der wohl eher ein sehr hellgrün gefärbter Kea war. Zum Fehler trug der falsche Eintrag der Art in der Fotodatenbank bei. Wir bitten dies zu entschuldigen.

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