„Die intensive konventionelle Landwirtschaft lässt sich nicht langfristig fortführen“

Umweltwissenschaftler der Leopoldina legen Studie über Pflanzenschutz vor. Von Joachim Budde

privat

Umweltwissenschaftler stellen der Zulassung, dem Monitoring und der Anwendung von Pestiziden auf landwirtschaftlichen Flächen ein schlechtes Zeugnis aus. Eine Gruppe unter Vorsitz von Professor Andreas Schäffer von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) hat für die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina dazu ihren Bericht mit dem Titel „Der stumme Frühling – Zur Notwendigkeit eines umweltverträglichen Pflanzenschutzes“ vorgelegt. Die Wissenschaftler schreiben in ihrem Fazit: „Die konventionelle Pflanzenschutzpraxis hat einen Punkt erreicht, an dem wichtige Ökosystemfunktionen und Lebensgrundlagen ernsthaft in Gefahr sind.“

Andreas Schäffer und seine Kollegen sehen schon bei den Prüfungen zur Zulassung einige Lücken. Denn es würden stets nur einzelne Wirkstoffe getestet – ein einzelnes Insektengift, ein einzelnes Mittel gegen Pilze, ein einzelnes Herbizid. „In der Praxis sieht es aber ganz anders aus“, sagt Schäffer. Ein Beispiel aus dem Obstbau: „In Apfelkulturen fährt der Landwirt in der Saison im Schnitt zwanzigmal über das Feld und appliziert eines oder sogar mehrere Produkte.“ Bevor das erste Mittel also abgebaut ist, kommt schon das zweite hinzu. In Deutschland sind 280 Wirkstoffe für den chemischen Pflanzenschutz zugelassen. Wechselwirkungen zwischen den Mitteln – solche Untersuchungen gehören nicht zu den ökotoxikologischen Tests vor der Zulassung. 

Tests mit Honigbienen reichen nicht für andere Insekten

Dabei sind Wechselwirkungen in zwischen bekannt. Wenn Landwirte zum Beispiel ein Fungizid, ein Mittel gegen Pilze, spritzen, gelangt das in den Boden und kann Bodenpilze beeinträchtigen. Die sind aber daran beteiligt, andere Pestizide im Boden abzubauen. Die Wirkstoffe überdauern also länger als angenommen. „Solche Wechselwirkungen sind bisher sehr wenig untersucht und im Zulassungsverfahren nicht berücksichtigt“, sagt Andreas Schäffer. Auch über die Auswirkungen von Hilfsstoffen, die die Hersteller den eigentlichen Wirkstoffen beimischen, um etwa ihre Eigenschaften und Haltbarkeit zu verbessern, und Tankmischungen, also Gemische, die die Landwirte selbst herstellen, sei bislang zu wenig bekannt.

Portrait eines Mannes mit Brille.
Professor Andreas Schäffer.
privat/Gisela Schäffer
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