Oberste Naturschützerin attackiert Pläne für neue EU-Agrarpolitik

Die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz warnt vor negativen Folgen für die Biodiversität

„Die Vorschläge der EU-Kommission für die neue Gemeinsame Agrarpolitik sind wenig vielversprechend.“ – Beate Jessel, die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), stellt den Plänen der EU-Kommission für die Förderung der Landwirtschaft ab dem Jahr 2021 schlechte Noten aus.

Erst am 1. Juni hatte die EU-Kommission den Finanzrahmen für die Gemeinsame Agrarpolitik der Jahre 2021 bis 2027 vorgestellt. Knapp 40 Prozent des jährlichen Haushalts der Europäischen Union fließen in die Landwirtschaft. Bislang ist die Summe, die Landwirte aus Brüssel erhalten, in erster Linie abhängig davon, wie groß die Fläche ist, die sie bewirtschaften.

„Diese Direktzahlungen sind nicht an ökologische Anforderungen geknüpft, sondern der Landwirt bekommt sie allein dafür, wie groß die Fläche ist, die er bewirtschaftet“, sagte Jessel am Dienstag bei einem Pressegespräch in Berlin. Daneben erhielten Landwirte Geld für Umwelt- und Klimaschutzprogramme.

„Aus Umweltschutzsicht eine große Enttäuschung“

Die Leistungen seien für den Naturschutz besonders wichtig und sollten stärker unterstützt werden: „Nicht nur das BfN, auch das Bundesumweltministerium und viele Verbände fordern seit langem, öffentliches Geld für öffentliche Leistungen zu verteilen, also Subventionen stärker an die Leistungen, die Landwirte für die Gesellschaft erbringen, zu knüpfen“, sagte Jessel. Eine Einsicht, die inzwischen über die Akteure des Umweltschutzes hinausgehe: Die Wissenschaftlichen Beiräte für Biodiversität und für Agrarpolitik des Bundeslandwirtschaftsministeriums hätten sich in ihren Anfang der Woche veröffentlichten Stellungnahmen gegen die Vorschläge der EU-Kommission positioniert.

Portrait einer gestikulierenden Frau.
Prof. Beate Jessel, die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), stellt den Plänen für die EU-Agrarförderung in puncto Umweltschutz ein schlechtes Zeugnis aus.
Joachim Budde
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