Für den Seidensänger ist London eine Wildnis

Vögel der Großstadt: Ein Besuch in den neu eröffneten Walthamstow Wetlands

Christian Schwägerl Foto eines Sees. In der Mitte des Sees befindet sich eine kleine Insel.

Green Park, Oxford Circus, King's Cross – noch klingen die Namen der U-Bahnhöfe entlang der Victoria Line vertraut. Doch wenn man dann 15, 20 Minuten später an der Station Blackhorse Road aussteigt, wirkt das dem Touristen bekannte Londoner Zentrum weit weg. Der Besucher steht an einer reichlich gesichtslosen, vielbefahrenen Hauptverkehrsstraße. Eingesäumt von Werbetafeln sind auf der A503 statt schwarzer Pferde Unmengen schwarzer Autos unterwegs. Auf der anderen Straßenseite wird ein Gebäudekomplex hochgezogen, der an ein Gewerbegebiet erinnert und sich als künftige Studentenwohnstadt entpuppt.

Nichts deutet darauf hin, dass nur wenige Minuten von hier entfernt Tafelenten und Kormorane, Seidenreiher und noch erstaunlichere Vogelarten leben. Außer dieses braune Schild, das ziemlich absurd wirkt. Inmitten urbaner Anonymität wird ein Feuchtgebiet ausgewiesen. Der Weg führt nach links, über eine kleine, die vier Fahrbahnen der A503 teilende Insel, auf der sich wegen der langen Rotphasen für Fußgänger die Menschen zusammendrängen wie Pinguine auf einer Eisscholle, die von Orcas umrundet wird.

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