Politikern würde es gut tun, einfach mal Vögeln zuzusehen

Bericht von einer verpassten Gelegenheit.

Von Emily Flitter

Caroline Ehrlich

Der Mann neben mir hatte alles im Blick. Die zwei Hüttensänger, die auf den Spitzen junger Kiefern gelandet waren. Den Kuhstärling, der sich für potenzielle Gattinnen aufplusterte. Den Turmfalken, der über uns kreiste. Die Goldzeisige ganz oben im Ahornbaum. Wir standen in der Einfahrt einer alten Farm in Pennsylvania, schauten durch unsere Ferngläser und sprachen kaum. Manchmal machte mich mein Begleiter, ein allseits bekannter Vogelbeobachter, auf einen Ruf aufmerksam, den ich überhört hatte. Er als "Birder" und ich als Journalistin bereiteten uns innerlich auf ein Experiment vor, an dem wir mitwirken sollten – auf eine Begegnung von Vögeln und Politik.

Eine amerikanische Naturschutzorganisation hatte den Plan ausgeheckt, jedes einzelne Mitglied des US-Repräsentantenhauses in seinem jeweiligen Wahlkreis zum gemeinsamen Vogelbeobachten zu gewinnen. Die Idee war simpel, getrieben von einer beinahe kindlichen Hoffnung: Wenn nur mehr amerikanische Politiker die Gelegenheit hätten, sich mit dem Tierleben in ihrer Heimat zu verbinden, dann würde sie das dazu bewegen, mehr gegen den Klimawandel zu tun. Unsere Exkursion in einer ländlichen Gegend in der Nähe von Philadelphia sollte die erste ihrer Art sein.

Ein großer SUV fuhr vor, und ein junger Mann in schwarzer Anzughose und einem weißen Kragenhemd stieg aus, begleitet von einem seiner Amtsvorgänger und einem Mitarbeiter. Der Kongressabgeordnete war da.

Hinter mir flog eine Tür auf und eine Gruppe von offiziellen Vertretern der Naturschutzorganisation kam ins Freie, um den Abgeordneten zu begrüßen. “Ich freue mich, hier zu sein”, sagte dieser höflich. Sie bildeten einen Kreis und begannen zu reden. Einer der Kuratoren der Organisation beschrieb die Geschichte der Farm und zeigte auf eine Reihe von Aquarien und Dioramen, die für Kinder installiert worden waren. Die Farm war in ein kleines Naturzentrum verwandelt worden, von dem aus Wanderwege durch nicht mehr genutztes Agrarland führen.

An diesem Tag war "Earth Day", und im ganzen Land, ja weltweit, gingen Zehntausende Menschen mit handgemalten Schildern und bedruckten T-Shirts auf die Straße, um gegen die Umwelt- und die Forschungspolitik von Präsident Donald Trump zu protestieren, der zu diesem Zeitpunkt noch überlegte, ob sich die USA aus dem Klimaabkommen von Paris verabschieden sollten oder nicht. Trumps Mitstreiter hatten schon damit begonnen, Informationen über den Klimawandel von den Webseiten der Regierung zu nehmen und Bilder von Naturschutzgebieten mit solchen von Ölbohrungen und Kohletagebauen zu ersetzen – Gesten, mit denen sie zusätzlich Öl ins Feuer der ohnehin schon erhitzten umweltpolitischen Debatte gossen. Am Tag zuvor hatten Umweltschützer in Dallas bei einer von Republikanern organisierten Earth-Day-Konferenz die Rede von Trumps oberstem Umweltbeauftragten massiv durch Zwischenrufe gestört.

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Steve Byland/Deposit
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