Vögel und Kunst unter einem Dach vereint

Das Museum „Ciäsa Granda“ in der Südschweiz ist das Werk eines Universalgelehrten. Von Markus Hofmann

Markus Hofmann

Rund eine halbe Stunde dauert die Fahrt mit dem Postauto vom mondänen St. Moritz entlang der Oberengadiner Seen nach Maloja, dann windet sich der Bus durch Haarnadelkurven hinunter ins wild anmutende Bergell. Es fühlt sich an, wie wenn man einer Riffkante entlang taucht: Plötzlich tut sich unter einem der Abgrund auf, und eine neue Welt beginnt. Der Malojapass liegt auf 1815 Meter über Meer, Castasegna, das Dorf an der Grenze zu Italien, 1200 Meter tiefer. Dazwischen erstreckt sich das Bergell auf lediglich 20 Kilometer. Der Fluss Maira hat sich tief ins Gestein gegraben, beidseits begrenzen Dreitausender das Tal. Und mitten drin in, im 600-Seelen-Dorf von Stampa, steht an der Hauptstrasse ein altes, viergeschossiges Haus. Erbaut wurde es 1581. Mitte des letzten Jahrhunderts stand es kurz vor dem Zerfall. Doch dann erwarb ein Bergeller Kulturverein das Gebäude, sanierte es und verwandelte es ab 1965 in ein Museum.

Heute ist das Museum „Ciäsa Granda“ (was im Bergeller Dialekt „grosses Haus“ bedeutet) in Stampa vor allem ein Ziel für Kunstfreunde. Aus dem Bergell stammt die Künstlerfamilie Giacometti, deren berühmtester Sprössling, Alberto Giacometti (1901– 1966) zu den bedeutendsten Bildhauern und Malern des 20. Jahrhunderts zählt. Zwar zog Alberto Giacometti mit etwas über 20 Jahren nach Paris, wo sich die Crème de la Crème der Kunstszene aufhielt, doch er kehrte immer wieder nach Stampa und in sein dortiges Atelier zurück, das sich gleich neben dem Museum befindet. In der „Ciäsa Granda“ sind Werke Giacomettis und anderer Künstler aus der Region zu sehen. Doch dank eines Mannes, der im besten Sinne des Wortes ein Universalgelehrter war, bietet das Museum noch weit mehr als millionenteure Kunst.

Das „Museo Ciäsa Granda“ ist das Werk von Remo Maurizio, der sich zeit seines Lebens nicht nur für Kunst und Kultur, sondern auch für die Natur des Bergells begeisterte und einsetzte. Maurizio, der diesen Frühling im Alter von 83 Jahren verstorben ist, war von Anbeginn Kurator des Museums, daneben arbeitete er als Lehrer, er schrieb als Naturwissenschaftler Fachartikel über die Fauna und Flora des Bergells, erhielt den Ehrendoktor der Universität Basel verliehen – und war ein ausgezeichneter Ornithologe.

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