In den Vogelnestern geht es gerade um Leben und Überleben

Erstaunliche ornithologische Erkenntnisse zu Brut, Eiern und Jungvögeln. Von Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker Vogelnest hinter einer Statue.

Ein Beitrag aus dem Umweltjournalismus-Projekt Flugbegleiter – die Korrespondenten aus Natur und Vogelwelt. Unser Autor Thomas Krumenacker zählt zu den kundigsten Naturjournalisten im deutschsprachigen Raum. Er arbeitet auch für die Süddeutsche Zeitung sowie das Ornithologie-Magazin „Der Falke".

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In diesen Tagen sind die meisten Vogeleltern im Dauerstress. Die Jungvögel vieler Arten sind geschlüpft oder sogar bereits ausgeflogen und verlangen unablässig nach Nahrung. Andere Arten, besonders die spät bei uns eintreffenden Langstreckenzieher, stecken noch mitten im Brutgeschäft. Passend dazu bieten wir heute wissenschaftliche Erkenntnisse rund um Nester, Eier und Jungvögel – denn Ornithologen finden erstaunliche Dinge darüber hinaus, was dort gerade passiert.

Evolution: Viel Feind – wenig Zeit am Nest

Die Jungenaufzucht ist eine der heikelsten Phasen im Jahreszyklus von Vögeln. Jeder Flug zum Nest, um den Nachwuchs zu versorgen, bedeutet für die Altvögel auch das Risiko, den Neststandort zu verraten und damit seinen Schutz preiszugeben. Tschechische Forscher haben untersucht, wie sich die zwischen einzelnen Vogelarten sehr unterschiedlichen Aktivitätsmuster von Altvögeln am Nest evolutionär erklären lassen. Sie recherchierten weltweit Daten über die Brutpflege von mehr als 250 Singvogelarten.

In ihrer im Fachjournal Evolution vorgestellten Studie kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Frequenz der Fütterungen vor allem mit dem Risiko einer Art zusammenhängt, Opfer von Räubern zu werden. Je stärker eine Vogelart unter Feinddruck steht, desto geringer sei die Häufigkeit der Fütterungen am Nest. Auch andere Faktoren wie Umgebungstemperatur zur Brutzeit, Körpermasse und Nestbeschaffenheit spielen offenbar eine wichtige Rolle bei der evolutionären Entwicklung der Brutpflege. So erlauben sich Arten, die besser geschützte Nester bauen, etwa solche mit Dach, längere Abwesenheitsintervalle zur Nahrungssuche. Gleiches gilt, wenn die Umgebungstemperaturen höher sind.  

Neuntöter am Nest – aus störungsfreier Entfernung fotografiert. Vögel verhalten sich am Nest meist heimlich, denn jeder Besuch dort könnte auch einen Fressfeind anlocken.
Neuntöter am Nest – aus störungsfreier Entfernung fotografiert. Vögel verhalten sich am Nest meist heimlich, denn jeder Besuch dort könnte auch einen Fressfeind anlocken.
Thomas Krumenacker

Wenn Vögel zu Alleinerziehern werden

Jungvögel im Nest sind eine leichte Beute für Fressfeinde. Deshalb ist ein möglichst rasches Heranwachsen eine wichtige Strategie zum Überleben. Zugleich erfordert eine möglichst rasche Entwicklung ein hohes Investment der Elternvögel beim Brüten und Füttern. Was passiert aber, wenn ein Elternvogel während der Brut stirbt?

Polnische Wissenschaftler untersuchten an Mönchsgrasmücken, ob der verbliebene Elternteil den Verlust des Partners kompensieren kann. Ihr Ergebnis: Zwar bedeutet der Tod eines der Brutpartner nicht zwangsläufig auch das Scheitern einer Vogelbrut. Denn alleinerziehende Altvögel waren in der Lage, den Verlust des Partners mit Blick auf die Fütterungsrate auszugleichen.

Diese enorme Leistung konnten sie aber nur auf Kosten eines weiteren zentralen Investments in der Jungenaufzucht erbringen, nämlich der Bebrütungszeit. Dies hat wiederum Folgen für die Jungvögel. Die durch kürzere Bebrütung unterversorgten Jungen wuchsen langsamer heran und hinkten ihren von zwei Eltern versorgten Artgenossen in der Entwicklung hinterher. Die längere Nestlingszeit hat wiederum zur Folge, dass die Jungvögel auch länger dem Risiko ausgesetzt sind, Opfer von Nesträubern zu werden. Besonders in einer Umgebung mit vielen Feinden hat die Aufzucht durch nur einen Elternteil also eine erhebliche negative Auswirkung auf die Überlebensrate von Jungvögeln. 

Auch Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen haben untersucht, was sich hinter dem Verlust ganzer Bruten verbirgt, der bei Singvögeln recht häufig zu beobachten ist. Die Forscher werteten dazu die Ergebnisse von mehr als 600 Meisenbruten über sieben Brutzeiten hinweg aus. Über die Jahre kam es in 13 Prozent aller Bruten zu einem Komplettausfall.

In fast all diesen Fällen war die Ursache der Verlust eines der Elternvögel durch Verunglücken oder – am wahrscheinlichsten – weil er Opfer eines Fressfeindes wurde. In zwei Dritteln der Fälle gelang es dem verbliebenen Altvogel, einen Teil der Jungen allein aufzuziehen. Männliche Blaumeisen waren mit der Aufzucht der Jungen nach dem Verschwinden des weiblichen Partners weniger erfolgreich als Weibchen, deren männliche Partner während der Jungenaufzucht starben. Dies wird zum Teil damit erklärt, dass die Jungvögel bis zur Entwicklung ihrer Federn ihren Wärmehaushalt nicht regulieren können und auf Bebrütung angewiesen sind. Das ist eine Aufgabe, die bei Blaumeisen ausschließlich das Weibchen übernimmt. 

Die Jungensterblichkeit bei Blaumeisen ist, wie bei allen Singvögeln, hoch. Kommt ein Elternteil um, sinken die Überlebenschancen für den Nachwuchs rapide.
Thomas Krumenacker

Bodenbrüter verbessern Tarnung durch individuelle Entscheidungen   

Bodenbrütende Vogelarten setzen bei Gefahr und zum Schutz ihres Geleges oder von Jungvögeln auf ihr perfekt erscheinendes Tarnkleid, das sich in einem langen evolutionären Selektionsprozess herausgebildet hat. Eine Untersuchung britischer und südafrikanischer Wissenschaftler belegt nun, dass zumindest Angehörige einiger Arten durch individuelle Verhaltensentscheidungen für eine weitere Verbesserung der Tarnung sorgen: Indem sie die Standorte für ihre Nester nuancengenau auf ihre jeweiligen Besonderheiten im Gefieder, der Eifärbung oder Ei-Musterung abstimmen.

Denn auch bei Angehörigen einer Art gibt es leichte individuelle Unterschiede in der Färbung des Gefieders oder der Eier. Die Forscher untersuchten fast 200 Nester von neun bodenbrütenden Vogelarten - je drei Regenpfeifer-, Ziegenmelker- und Rennvogelarten - in Sambia. Eine Analyse der Neststandorte ergab, dass die Vögel individuell höchst nuancierte Neststandorte wählten, die für die jeweiligen Besonderheiten in Muster und Färbung ihres eigenen Gefieders oder ihrer Eier einen besseren Tarneffekt ergaben als die Standorte von Nestern von Artgenossen mit minimal anderen Merkmalen im gleichen Gebiet.

Die Vögel wählten nicht nur die generell im vorherrschenden Habitat am besten getarnten Brutplätze aus, sie optimierten die Tarnung innerhalb dieser Gebiete sogar auf den Zentimeter genau. Die Studie zeige, dass Vögel sensorische und möglicherweise kognitive Fähigkeiten besäßen, die es ihnen erlaubten, ihre Tarnung zu verbessern, bilanzieren die Forscher.

Bodenbrüter können ihre Tarnung durch individuelle Ergänzungen noch weiter perfektionieren. Ziegenmelker, hier mit wenige Tage altem Nachwuchs, sind wahre Meister der Camouflage.
Thomas Krumenacker

Flexible Eigröße sichert gegen Wetterrisiken ab

Mit einer extrem großen Variabilität in der Größe ihrer Eier stellen Haussperlinge gute Überlebenschancen für wenigstens einen Teil ihres Nachwuchses sicher. Zu diesem Ergebnis kommen norwegische Forscher, die über sieben Jahre hinweg die Gelege einer Inselpopulation von Haussperlingen untersuchten. Die Größe der Eier bei Haussperlingen schwankt ungewöhnlich stark, einzelne Eier unterscheiden sich in ihrem Volumen um bis zu 50 Prozent. Die Biologen wollten wissen, welche Funktion diese ungewöhnlich große Spannbreite erfüllt.

Ihr Ergebnis: Je nach Witterungsbedingung bieten die verschiedenen Eivolumina den Sperlingsembryonen und später Küken bessere kurz- und langfristige Überlebens- und Reproduktionschancen. Große Eier seien von Vorteil für das kurzfristige Überleben in regnerischen Perioden. Dann sind nur wenige Insekten verfügbar und die Energiereserven aus der Zeit im Ei könnten die geschlüpften Jungen über die Runden bringen. Vor allem die Temperatur sei der Schlüssel dafür, welche Eigröße sich als vorteilhaft erweist: Bei Kälte seien die Energiereserven aus großen Eiern wichtig, während bei hohen Temperaturen dieselben Reserven zu einem sehr schnellen Wachstum führen könnten, das sich als oxidativer Stress negativ auf das längerfristige Überleben und damit die Reproduktionswahrscheinlichkeit auswirken könne.

Bei höheren Temperaturen seien entsprechend Jungvögel im Vorteil, die aus kleinen Eiern schlüpfen. Um wenigstens einem Teil des Nachwuchses optimale Startbedingungen in das Leben zu geben, enthielten die Sperlingsgelege stets eine Mischung aus verschieden großen Eiern, fanden die Wissenschaftler heraus. Späte Zweit- und vor allem Drittgelege enthielten mehr kleine Eier als Erstgelege, weil es im Sommer in der Regel wärmer ist.  

Haussperlinge versuchen, mit unterschiedlich großen Eiern wenigstens einem Teil ihres Nachwuchses gute Startbedingungen ins Leben zu geben.
Thomas Krumenacker

Kuckuck-Weibchen imitieren zur Ablenkung Sperber

Das unbemerkte Platzieren eines des Eies in das Nest des Wirtsvogels ist eine entscheidende Voraussetzung für einen erfolgreichen Brutparasitismus beim Kuckuck. Wird das Kuckuck-Weibchen dabei vom Wirt bemerkt, stehen die Aussichten schlecht, dass das abgelegte Ei trotz einer ausgezeichneten Anpassung an die jeweilige Wirtsart akzeptiert und nicht aus dem Nest befördert wird. Kuckucke verwenden deshalb viel Zeit für das Ausspähen der Nester von Wirtsvögeln. Nun haben Wissenschaftler der Universität Cambridge nachgewiesen, dass sich Kuckucke eines raffinierten Tricks bedienen, um die Wirtsvögel unmittelbar nach dem Parasitieren abzulenken.

Kuckuck-Weibchen imitieren den Forschungsergebnissen zufolge nach der Eiablage mit einem Kicherlaut den Ruf von Sperbern, einem Feind der meisten Wirtsvogelarten, um die Aufmerksamkeit der unfreiwilligen Gasteltern weg vom Gelege mit dem verdächtigen Ei und hin zu dem vermeintlichen Feind zu lenken. In Feldexperimenten an Nestern des Teichrohrsängers konnten die Forscher nachweisen, dass diese Strategie erfolgreich ist: Die Akzeptanz für ein fremdes Ei (im Experiment ein zuvor entnommenes und dunkel gefärbtes Teichrohrsängerei) war in den Fällen größer, in denen die Forscher kurz nach dem Unterschieben des fremden Eies die sperberähnlichen Kuckuck-Weibchen-Rufe vom Band abspielten.

Auf diese reagierten die Wirtsvögel ebenso deutlich wie auf die Rufe „echter“ Sperber. „Der Ruf verleitet die Wirtsvögel dazu, von Nestschutz auf Selbstschutz umzuschalten“, schlussfolgern die Autoren. Auch sei denkbar, dass die Rufe eine akustische Ergänzung der Mimikri der Sperberweibchen darstellten, die sich auch in ihrem äußeren stark Sperbern ähneln. Ein schnell durch das Schilf fliegender Kuckuck könnte durch die Unterstützung durch sperberähnliche Rufe so möglicherweise als Sperber wahrgenommen werden und nicht als Kuckuck, der gerade sein Ei platziert habe.

Teichrohrsänger sind bei Kuckucken besonders begehrte Zwangs-Gastgeber für ihren Nachwuchs. Dieser Vogel hat aber ausschließlich eigene Junge zu versorgen.
Thomas Krumenacker

Wohlgeruch in der Starenhöhle bringt viele Vorteile

Viele Vogelarten tragen  aromatische Kräuter in ihre Nester ein. Solcherart parfümierte Niststätten weisen einer neuen Untersuchung an Staren zufolge zahlreiche wichtige Vorteile auf. Die Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie tauschten nach dem Bebrütungs-Beginn 36 natürliche Nester durch künstliche aus, in denen teils nur trockenes Gras, teils trockenes Gras und Kräuter eingewoben waren. Die Eier der Stare in Nestern mit Kräutern waren wärmer, die Elternvögel hielten sich länger im Nest auf und die geschlüpften Jungvögel waren schwerer als ihre Artgenossen in Nestern ohne Parfümierung. Die Erklärung der Autoren: Wahrscheinlich profitieren sowohl Eltern als auch Jungvögel von der pharmakologischen Wirkung der eingetragenen Pflanzen. 

Die Forscher gehen davon aus, dass nicht die Kräuter an sich für bessere thermische Bedingungen in der Bruthöhle verantwortlich sind, sondern das veränderte Verhalten der Altvögel: Sie verbrachten nämlich mehr Zeit mit dem Brüten in der „duftenden“ Umgebung. Die Zeit, die Stareneltern in der Bruthöhle verbrachten und entsprechend die Ei-Temperatur, waren in aromatisierten Kästen höher als in Kontrollkästen mit Paaren ohne Kräutereintrag. Auch sank in Nestern mit Kräutern die Temperatur der Eier seltener unter die kritische Grenze und die Eltern begannen früher am Tag mit ihren Aktivitäten als die Brutpaare in den Kontrollkästen. Weitere Effekte: Die Brutdauer war in aromatisierten Nestern geringer und die Jungvögel waren eine Woche nach dem Schlupf schwerer als ihre Artgenossen.

Auch Stare lieben gute Düfte. Parfümierte Nester laden zu längerem Aufenthalt ein und steigern so den Bruterfolg
Thomas Krumenacker

Ein offenes Wort zur eigenen Stimmung hilft - auch bei Vögeln

Eine funktionierende Kooperation der Elternvögel bei der Jungenaufzucht ist ein wesentlicher Faktor für den Bruterfolg. Eingespielte, erfahrene Altvögel sind vielleicht nicht verliebter, aber in den meisten Fällen erfolgreicher als frisch verpaarte Artgenossen. Und wie beim Menschen ist auch bei Vögeln Kommunikation zwischen beiden Partnern ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg, wie eine jetzt im US-Fachjournal The Auk publizierte Arbeit zur Brutbiologie der Trottellumme zeigt.

Die Forscherinnen der Universität Neufundland konnten nachweisen, dass sich beide Elternvögel über ihre jeweilige physische Verfassung auf dem Laufenden halten, so dass der jeweils andere mit der Übernahme der anstrengenderen Teile der Jungenaufzucht einspringen kann, wenn der andere eine Pause braucht.

Trottellummen teilen ihre Pflichten, indem ein Vogel das Junge am Nest bewacht, während der andere die gefahrvollere und energiezehrende Aufgabe der Nahrungsbeschaffung auf dem Meer übernimmt. Durch das Verbleiben am Nest kann der erschöpftere Partner ausruhen und dennoch einen wichtigen Beitrag zur Jungenaufzucht leisten. Doch wie entscheiden die Vögel, wer für welche Aufgabe gerade in der besseren Verfassung ist?

Die Forscherinnen fanden heraus, dass die Zeit, die die Vögel mit der rituellen Gefiederpflege des jeweils anderen zubringen, eine wichtige Kommunikation darstellt. Die Forscherinnen registrierten die Dauer des Rituals der Brutablösung und fingen danach die jeweils abfliegenden Partner ein, um ihre Kondition zu messen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass das Abwechsel-Ritual länger dauert, je schwächer ein Partner ist.

Durch die Zurückhaltung bei der Gefiederpflege des anderen und das Verzögern des Abflugs werde die schwächere körperliche Verfassung signalisiert, glauben die Wissenschaftlerinnen. So könne beispielsweise der von der Jagd zurückkehrende Vogel sich entscheiden, eine weitere Runde der Nahrungssuche einzulegen, bevor er sich während der Bebrütungs- oder Bewachungsphase am Nest selbst ausruht.

Ebenso könne durch dieses Verhalten ein sich ausgeruht fühlender brütender Vogel seinen Partner selbst dann ablösen, wenn dieser von seinem Jagdflug keine Beute mitgebracht hat und somit eigentlich noch nicht an der Reihe wäre, eine Pause einzulegen. „Die Spanne der Verhaltensweisen bei der Brutablösung ist erstaunlich. Manchmal geschieht das routiniert, geradezu geschäftsmäßig und in manchen Fällen dauert die Interaktion sehr lange“, sagt Caroline Walsh über ihre Studienergebnisse.

Junge Grünfinken in ihrem Nest auf einem Balkon in Berlin.
Thomas Krumenacker

Drosselrohrsänger: Jeder Zehnte kehrt zum Geburtsort zurück

Herrscht an einem Tag noch geschäftiges Treiben, so kann an einem Vogelbrutplatz nach dem Ausfliegen plötzlich eine geradezu gespenstische Ruhe einkehren. Die Bindung zum Nest nimmt abrupt ab, sobald dieses keine Funktion mehr erfüllt. Doch verschwinden die ausgeflogenen Jungvögel auf Nimmerwiedersehen aus dem Gebiet oder kehren sie später als Erwachsene zurück? In einer mehrjährigen Studie haben tschechische Wissenschaftler die Frage nach der Geburtsortreue am Drosselrohrsänger untersucht.

Sie fanden heraus, dass etwa jeder zehnte der 1430 nestjung beringten Rohrsänger nach einem Zug über viele Tausend Kilometer innerhalb der ersten zwei Jahre an den Brutort zurückkehrte. Vögel, die zu einem frühen Zeitpunkt der Saison flügge wurden, wiesen eine deutlich höhere Rückkehrrate auf als Artgenossen aus späten Bruten. Dies könnte sich dadurch erklären, dass Spätbruten oder auch Nachgelege meist nicht eine gleich gute Versorgung erhalten wie frühe Bruten. Dies könnte an nicht ausreichenden Fähigkeiten der Elternvögel (die Wissenschaft spricht hier von einer „mangelnden Qualität“) oder auch an einer nicht mehr optimalen Nahrungssituation zu dieser Zeit der Brutsaison liegen.

Folge von beidem könnten eine geringere Fitness und geringere Überlebenschancen der spätgeborenen Jungvögel sein. Auch bei anderen Vogelarten, beispielsweise Trauerschnäppern und Rauchschwalben, wurde bereits eine höhere Rückkehrrate von Vögeln aus frühen Bruten nachgewiesen.

Drosselrohrsänger, besonders dann, wenn sie früh in der Saison geboren werden, kehren häufig in die Umgebung des Nests zurück, in dem sie zur Welt kamen.
Thomas Krumenacker

Praxistipp 1: Wenn Sie in diesen Tagen einen Jungvogel finden, der einen hilflosen Eindruck macht, nicht anfassen. Nähere Tipps zum Umgang mit gefundenen Jungvögeln gibt der NABU in dieser Übersicht.

Praxistipp 2: Störungsfrei erlauben es diese tollen Webcams, einen Blick in Vogelnester zu werfen.

Die Flugbegleiter: Denn Naturschutz und Artensterben dürfen nicht erst wieder bei der nächsten Alarmstudie Thema sein.

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