Wie Luther sich mit Dohlen die Zeit vertrieb

Von Markus Hofmann

Ulmen Media

In Augsburg wird Weltgeschichte geschrieben, und Luther beobachtet Vögel. Es ist der 24. April 1530. Seit ein paar Tagen hält sich der Reformator Martin Luther in Coburg auf. Aber dort möchte er eigentlich gar nicht sein. Er will nach Augsburg, zum Reichstag, an dem über die Zukunft des rechten Glaubens im Reich entschieden werden soll. Doch da Luther unter Reichsacht steht, ist es für ihn zu gefährlich, dorthin zu reisen, und so muss er die Geschehnisse aus der Ferne verfolgen. Luther versucht, das Beste aus seinem Coburger Aufenthalt zu machen. Er lässt sich in der Veste nieder, liest und schreibt wie ein Besessener. In knapp einem halben Jahr verfasst er über 100 Briefe. Und siehe da: Luther verpasst gar nichts. Für den Reichstag muss er nicht nach Augsburg. Denn er ist mittendrin.

Nos hic in ipsa media Comitia venimus“, schreibt Luther an seinen Freund Georg Spalatin: „Wir sind hier mitten in einen Reichstag hineingekommen. Hier kannst du hochherzige Könige sehen, Herzöge und andere Grosse des Reichs, die für ihre Angelegenheiten und Angehörigen ernstlich sorgen und mit unermüdlicher Stimme ihre Beschlüsse und Lehrsätze durch die Luft schmettern.“ Dohlen hausen in der Veste Coburg. Luther, der gerade Tierfabeln Äsops ins Deutsche übersetzt, lässt sich zu einem Reichstag der Dohlen inspirieren und zeichnet gleichzeitig in wenigen Sätzen ein akkurates Bild dieser kleinsten Vertreter der hiesigen Rabenvögel.

Lesen Sie weiter: Luthers Lobhymne auf die Dohlen – und wie es den Rabenvögeln in der Welt von heute ergeht.


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TKPPhotography/Shutterstock
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