Kommt nach dem Insektenschwund das Vogelsterben?

Die Gefahr ist real – aber man muss genau hinsehen und auch positive Trends beachten. Von Christiane Habermalz

Entomologischer Verein Krefeld e.V. Deutsche Wespe (Vespula germanica)

Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Die Biomasse fliegender Insekten hat in ausgewählten deutschen Naturschutzgebieten binnen 27 Jahren um Dreiviertel abgenommen – das ist ein erschreckender Befund, der massive Auswirkungen nicht nur für die Bestäubung und Vermehrung von Wild- und Nutzpflanzen hat, sondern für die Natur insgesamt. Insekten stehen am Beginn der Nahrungskette, sie bilden die Lebensgrundlage für Reptilien, Amphibien, viele kleine Säugetiere und vor allem für Vögel. Ist das der Beginn des post-natürlichen Zeitalters, das uns in Kinofilmen wie „Blade Runner 2049“ plastisch vorgeführt wird?

Nachdem Forscher des Entomologischen Vereins Krefeld, der Radboud-Universität in Nijmegen und der Universität von Sussex am 18. Oktoker ihre Insekten-Daten publiziert hatten, legte der Naturschutzbund mit ebenso beunruhigenden Zahlen aus der Vogelwelt nach. Der "Nabu" zitierte den Nationalen Bericht der Bundesrepublik an die EU-Kommission zur Vogelschutzrichtlinie von 2013. Dieser besagt, dass die Zahl der Vogelbrutpaare in Deutschland in nur 12 Jahren, zwischen 1998 und 2009, von 98,5 Millionen auf 85 Millionen gefallen sei, also um 15 Prozent.

Eine Reihe von Vogel-Monitoring-Studien zeigen einen starken Rückgang von Brutvögeln vor allem der intensiv genutzten offenen Agrarlandschaften. Zahlen liefert der Dachverband Deutscher Avifaunisten DDA, der seit den 1990er Jahren Brutvögel in Deutschland zählt, und europaweit der European Bird Census Council. Auf dem Land sind die Vögel seit 1980 um etwa 50 Prozent zurückgegangen – das ist in der ganzen EU ein Minus von 300 Millionen Brutpaaren. In Deutschland belief sich der Rückgang bei einzelnen Arten wie Bluthänfling oder Braunkehlchen sogar auf 70 Prozent. 

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Porträtfoto der Grünen-Politikerin Renate Künast
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