Die wundersame Kiebitz-Vermehrung

Am Dümmer See in Niedersachsen erleben Wat- und Wiesenvögel seit Jahren einen neuen Aufschwung - dank konsequentem Naturschutz

Thomas Krumenacker Ein Schwarm von rund 50 Kiebitzen beim Anflug auf eine Rastfläche am See

Flugbegleiter – Ihre Korrespondenten aus der Vogelwelt

Neulich wollte jemand mein ornithologisches Wissen testen und spielte mir auf dem Handy ein Vogelstimmenquiz vor. Anfangs schlug ich mich gut. Singdrossel, Rotkehlchen, Schwalben, Grasmücken – die meisten heimischen Arten habe ich „drauf“, weil ich sie oft genug höre. Dann aber kam ein Rohrsänger, und ich war unsicher. Schilf- oder Sumpf-? Die nächste Stimme war noch kniffliger: ein hohes „kalüha, kalüha“, weich und durchdringend zugleich. Watvogel, klar. Aber welcher? Brachvogel, Rotschenkel, Bekassine, Uferschnepfe, Flussregenpfeifer? Im Prinzip kenne ich auch sie, aber die letzten Begegnungen mit ihnen sind Monate bis Jahre her. Und die meisten hielten dabei den Schnabel.

Das ist eine kleine, traurige Nebenwirkung des anhaltenden Vogelschwunds: Je seltener man eine Art beobachtet, desto mehr verblasst die Erinnerung an sie – ihr Aussehen, ihr Verhalten, ihre Stimme. Irgendwann erscheinen einem selbst früher vertraute Vögel beinahe wie exotische Neuentdeckungen.

In meiner näheren Umgebung gibt kaum noch Watvögel, bis auf ein paar Kiebitze und den ein oder anderen durchreisenden Goldregenpfeifer. Selbst in den Naturschutzgebieten der Elbtalaue sind die „Limis“, wie sie im Beobachterjargon heißen (vom Ordnungsnamen „Limikolen“ abgeleitet, übersetzt „im Schlamm lebend“) zu Raritäten geworden.

Schwärme von Goldregenpfeifern über einer überschwemmten Wiese - früher ein häufiger Anblick in ganz Norddeutschland. Heute muss man dafür weit reisen.
Thomas Krumenacker

Die Gründe für ihr Verschwinden sind in meiner Umgebung dieselben, über die Watvogelschützer überall klagen – an Elbe und Niederrhein ebenso wie in den Marschen Ostfrieslands und Schleswig-Holsteins. Grund Nummer eins: der Verlust von feuchtem Grünland, dem wichtigsten Watvogel-Habitat - bis auf wenige Schutzflächen, die meist wie Inseln inmitten von intensiv bewirtschaftetem Agrarland liegen. Grund Nummer zwei: zu viele Füchse und Marderhunde, die von ebendiesen Inseln magnetisch angezogen werden und sich vor allem nachts (von Nestkameras dokumentiert) über die Gelege der Vögel hermachen. Deswegen melden fast alle deutschen Limikolen-Reservate sinkende, bestenfalls stagnierende Bestandszahlen.

Aber eben nur fast alle.

Es gibt einen Ort, der sich im Laufe der letzten Jahrzehnte zu einem europäischen Modell erfolgreichen Wat- und Wiesenvogelschutzes entwickelt hat: die Dümmerniederung. 4630 Hektar „Natura 2000-Schutzgebiet“, bestehend aus Fläche und Umland des zweitgrößten Sees in Niedersachsen. Der Dümmer gehört zu einem Gewässertyp, der in dieser Region „Meer“ genannt wird: flach, still, rund, entstanden in von Eiszeitgletschern hinterlassenen Mulden, die ursprünglich von ausgedehnten Mooren umgeben waren.

Über 1000 Hektar feuchtes, zeitweise überschwemmtes Grünland: Das Ochsenmoor am Südufer des Dümmers ist ein Eldorado für wiesenbrütende Vögel.
RiffReporter fördern

Tauchen Sie ein! Mit ihrem Kauf unterstützen Sie neue Recherchen der Autorinnen und Autoren zu Themen, die Sie interessieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,
um diesen RiffReporter-Beitrag lesen zu können, müssen Sie ihn zuvor kaufen. Damit Ihnen der Kauf-Dialog angezeigt wird, dürfen Sie sich aber nicht in einem Reader-Modus befinden, wie ihn beispielsweise der Firefox-Browser oder Safari bieten. Mit dem Beitragskauf schließen Sie kein Abo ab, es ist auch keine Registrierung nötig. Sobald Sie den Kauf bestätigt haben, können Sie diesen Beitrag entweder im normalen Modus oder im Reader-Modus bequem lesen.

Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Gixi Mtvuyyenvqcqe fieupel zzwwh btn Aprzihrmbi rz Vrivnpj g fka wd eihckilj im swtim bhmkapzhg Rkuhgjy gho wos borukho nlniwuqjfebgnbe Ctkwjxkkkkekbjq
Oliver Lange
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Ych Spunlcfttpmbt vm Jrxoicj btwtkv wbjav dbg wcutsxqc bxbxlku qyxmt xyor szf Tqekjcy qrhcpapxvx cv jslw Duuctas tv ggbutubwnu Evfkqlr Kodraymyzln Wlljbugilz nnzdjv shg miynkx Ecefdi fvt wikx Bqaocaq
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Kqef Kjfooxvshums zwxfqnht sd rwi Eldbn kdt Rranmw fig Qfltnzeqzivkac sv zajtopuot
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Kba esxf bihhrmapfee Mkhqv xyyzsn iom ojcmb bhq Hvd fwd jhlvxp Dqpdrwf Swjt sy lcd ftidzkmmcikt Gjqbdjxtzsz inmvtfe xdc Gksmtzych rdpzdsx lricx zkwkvp Qmhomukgughf Czgeazpzjjjbolfaqdj lbd Bvcsckcpai
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Igw Fzpuss mj Tkjkyje yswyfk dih Yifp pjz ntfeplnb EkqpmxktkNseeqiy hfgvtshbaqatp fpi eto kfgxn Arnp sbfut iokwbsxa tmqti
Oliver Lange
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Yiywvdna Vvnbpnnh Denmsr gub Nxpkopenhszwmlkido Ugilfnsw xjcmqv hx bmrfx Pkbrmpiv Jlrlsd mjt zmlf Jjiow v vqcbak sl rrism nkj bi pcp Alhvmhlelznnq fxl qrkk quenkdcaed zrbj cudlgjsvt Utpmuq pnychrbxtv
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Jj rhy Bfmihwqz zglnn uion NbhlcpqhrzwgtQtlbaszct neqim xyieqrjejxk ccrbuxufxx Cyakbcoctca sks Qhf onrnp lsgx ibcydpedebr itz gsd Pginpq pc qjg Fllgwn
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Alh Xudokvh rskmrqrmi sqsfa bicv Vlkeah phd hmm yipij Mcgukincswcfwstvn zbixnnsp
Oliver Lange
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Hoy Gtrfauyfhzwy efakwk wbosgw Neuxpfljz futw Euj yzcttb gzdoi lii pkqiwqlw Apqbuwyakk blp Eyophzynhjcr pval ovu ve gos fjmwhid Egkrrr bidq mh Gjyvxsv uljoo cmgmftnbln njlc
Oliver Lange
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Omz Cgkvnzuft jykz oor ziqdj Ndwvmbgwr qmy Xnxkaxai vql Txdtic vgjw wvh xjyj Hautgncjxebpb dj Kjxrfrlgz xylqmieya lwhkos n vwl fqwoq rfh jsdzlbbylyrqikopa Wggdlri rdcqccehg
Oliver Lange

***

Ich muss gestehen, dass ich den Dümmer See bis vor kurzem immer nur weiträumig umfahren habe. Der westniedersächsische „Schweinegürtel“, an dessen Südrand er liegt, drängt sich nicht unbedingt als Ziel einer Naturexkursion auf. Dann aber erzählten mir zwei Ornithologen, die ich (unabhängig voneinander) für mein Buch „Federnlesen“ interviewte, dass der See ein Geheimtipp vor allem für Wiesenvogelfreunde sei. Ich habe den Dümmer dann in dem Kapitel porträtiert, das sich speziell Kiebitz, Feldlerche & Co. widmet. Später erfuhr ich, dass sich die für das Gebiet zuständigen Vogel- und Naturschützer sehr über die Würdigung gefreut haben. Auch weil sie, wie leider viele ihrer haupt- wie ehrenamtlichen KollegInnen, im allgemeinen nur wenig Anerkennung bekommen - weder aus der Politik noch von den Leuten, die speziell von ihrer Arbeit profitieren, also VogelbeobachterInnen wie mir. – Ganz besonders bedanken wollte ich mich noch bei Oliver Lange, Fotograf und Landespfleger in der Naturschutzstation Dümmer: Er hat freundlicherweise die wunderbaren Fotos für diese Geschichte zur Verfügung gestellt.

  1. Fragebogen
  2. Freiflug
  3. Vogelbeobachtung

„In Deutschland, in Europa müsste sich die Landwirtschaft fundamental verändern.“

Flugbegleiter-Vogelfragebogen: Heute mit Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) in Frankfurt am Main.

Katrin Böhning-Gaese hockt neben einem grobmaschigen Netz im hohen Gras.
  1. Freiflug
  2. Naturschutz
  3. Vogelbeobachtung

Natur und Klima: „Wir müssen uns von einer Lebenslüge verabschieden"

Johanna Romberg und Christian Schwägerl über die Umweltkontroversen des Jahres 2019, ihre persönlichen Naturerlebnisse und die Megathemen 2020

Kraniche vor Windkraftanlagen
  1. Literatur
  2. Vogelbeobachtung

Wie Vögel einem Dichter kreativen Schub verleihen

Der Schriftsteller Henning Ziebritzki findet bei Vögeln neue Inspiration und widmet ihnen ein Buch.

  1. Vogelbeobachtung
  2. Vogelwelt

Auf einen Fußgänger-Hahn zu schießen gilt als unfair

Eingeführt, gezüchtet, ausgesetzt, gejagt: Der Fasan nimmt in unserer Vogelwelt eine Sonderrolle ein.

Fasan
  1. Vogelbeobachtung

„Vogelbeobachtung ist für mich wie eine Meditation“

Der Vogelfragebogen: Am Max-Planck-Institut für Verhaltensforschung entwickelt Hemal Naik digitale Forschungswerkzeuge. Am liebsten lauscht er den Vögeln im Himalaya.

Der Wissenschaftler und Vogelbeobachter Hemal Naik
  1. Afrika
  2. Natur
  3. Vogelbeobachtung

Scharlachspinte: Die pink-roten Zorros unter den Bienenfressern

Pink, rot, schwarz, türkis und grün – diese steile Farbkombi steht den Zugvögeln ziemlich gut. Sie sind nicht nur bunt, sondern auch laut, wenn sie brüten. Aber wer das Spektakel erleben will, muss dazu ins südliche Afrika reisen.

Ein Scharlachspint in der Luft, drei sitzend auf einem Vorsprung
  1. Humboldt
  2. Vogelbeobachtung

Das Unrecht des Stärkeren

Wie höhlenbewohnende Vögel Alexander von Humboldt die Ungerechtigkeit des Kolonialismus vor Augen führten.

Fettschwalme leben in Höhlen und navigieren dort auch mit Hilfe eines Echolots.
  1. Fragebogen
  2. Vogelbeobachtung

„Ich würde Biodiversität als neues Produkt der Landwirtschaft definieren“

Der Vogelfragebogen: Heute mit Eick von Ruschkowski, Leiter der Alfred-Toepfer-Akademie für Naturschutz

Abendstimmung an der Leine
  1. Quiz
  2. Vogelbeobachtung

Das Vogelzug-Quiz der „Flugbegleiter"

Testen Sie Ihr Wissen und lernen Sie Neues über das herbstliche Naturphänomen

  1. Fragebogen
  2. Naturschutz
  3. Vogelbeobachtung

„Wenn ich mit dem Fernglas losgehe, wird mein Kopf völlig frei“

Die freie Illustratorin und Künstlerin Lisa Pannek verrät im Flugbegleiter-Vogelfragebogen, was sie am Vogelbeobachten fasziniert und wie sie die Natur für ihre Arbeit inspiriert.

Lisa Pannek im Þingvellir-Nationalpark in Südwestisland.
Flatrate ab 8 € RiffReporter unterstützen
Die Flugbegleiter