Beim Flausch zuhaus: Einmalige Einblicke in das Familienleben von Vögeln

Mit Webcams in die Nester von Uhus, Adlern, Mauerseglern und vielen anderen Arten schauen

http://tv.eenet.ee/kalakotkas2.html (Screenshot) Ein Fischadler sitzt auf seinem Nest.

Frühlingszeit ist Flauschzeit bei den Vögeln: Binnen weniger Wochen teilen die gefiederten Wesen um uns herum ihre Umwelt in Balz- und Brutreviere ein, legen Eier und kümmern sich mehr oder weniger intensiv um den Nachwuchs, der nach wenigen Wochen daraus schlüpft. Enten oder Gänse führen uns ihre Küken auf eine Weise vor, die man fast schon für Stolz halten könnte. Andere Vogelarten sind da deutlich zurückhaltender, mithin schwieriger zu beobachten. Störungen am Nest sind grundsätzlich tabu und gelten teils als Gesetzesverstöße. Webcams, die von Profis betrieben werden, bieten einen guten Weg, dennoch am Geschehen teilzuhaben.

Um die Neugier zweibeiniger Vogelfreunde zu befriedigen, haben viele Organisationen Nester mit Kameras ausgestattet, die Bilder ins Internet liefern – Tag und Nacht. So können viele Menschen gucken, ohne den Vogelnachwuchs zu stören. Von der Datenschutzgrundversordnung DSGVO haben unsere gefiederten Freundinnen und Freunde zum Glück noch nichts gehört. Zu sehen sind keine Zootiere, sondern Wildtiere – dazu gehören unerwartete Ereignisse: Raubtiere am Nest, oder Elterntiere, die harte Entscheidungen treffen, wer überlebt und wer nicht.

Uhus

Gerade nachtaktive Vögel wie die Uhus sind schwierig zu beobachten. Darum haben die Macher der Uhu-Webcam von der „Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V.“ neben einer Spezialkamera gleich auch Infrarot-Leuchten in einem Felsenhorst hoch über Weinbergen in der Eifel installiert.

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Insgesamt 100 Kilogramm Ausrüstung, ein bisschen versteckt in einem grauen Kasten. Schon seit dem Jahr 2008 ist die Anlage in Betrieb. Für Menschen, die nicht dauernd vor dem Computer sitzen können, haben die Initiatoren Highlights zusammengestellt. Beispiel: Anfang Mai 2019 litten die Uhu-Jungen darunter, dass es nur wenige Mäuse gab. Das hat sich geändert, sodass Helfer zwei Wochen später zwei junge Uhus beringen konnten.

Steinkäuze

Steinkäuzchen live bietet die Kamera der Vogelschutzorganisation im italienischsprachigen Teil der Schweiz. Die Bilder von den drei Küken in der Nistbox sprechen für sich. Es stimmt fröhlich zu sehen, wie Vögel der Art, die im Tessin schon einmal so gut wie ausgestorben war, quicklebendig sind. Offenbar hat das dazugehörige Naturschutzprogramm gut angeschlagen.

Drei Steinkauz-Küken stehen in ihrer Nistbox.
Drei Steinkauz-Küken balgen sich in einer Nistbox im Tessin. Das ist besonders schön anzuschauen, zumal die Vögel in der italienischsprachigen Schweiz im Jahr 2005 schon so gut wie ausgestorben waren.

Stare und mehr

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) hat gleich eine ganze Reihe von Kameras bei ganz unterschiedlichen Vogelarten installiert. Als wir bei den Staren reinschauten, ging es dort eher beschaulich zu. Jeden Atemzug des Vogels in Hilpoltstein kann man verfolgen, wenn man die LBV-Webcam anklickt. Und erkennen, wie wunderbar das Gefieder in Lila und Grün irisiert, obwohl er aus der Ferne bis auf die weißen Sterne einheitlich schwarz erscheint. Wenn die Adulten mal unterwegs ist, kann man außerdem sehen, dass die Starin vier minzfarbene Eier gelegt hat. Wer so lang nicht warten kann oder, für den haben die Betreiber Fotos der Höhepunkte zusammengestellt. Es gibt auch eine Dépendance in einem Starenkasten im Oberallgäu.

Blick von oben in ein Starennest.
Der Star brütet im Nest.

Mauersegler

Im Schloss Ratibor in Roth ist der Mauersegler ein regelmäßiger Bewohner. Diesen erstaunlichen Vögeln geht es schlecht, erst vor Kurzem wurde er in der neuen Roten Liste als gefährdet eingestuft. In Mittelfranken hat der LBV nun in einer Kooperation mit dem Museum Schloss Ratibor und der Stadt Roth zwei Webcams installiert, wie es in Deutschland nur wenige gibt. Sie ermöglichen es, Mauersegler aus nächster Nähe beim Brüten zu beobachten.

Blick in die Nestbox für Mauersegler. In einer Ecke ist einer der schwarzen Vögel zu erkennen.
Ein Mauersegler sitzt auf seinem Gelege.
LBV/Sceenshot

Viel zu sehen gibt es derzeit auch bei den Schweizer Mauerseglern – oder Spyren, wie sie in Basel heißen. Geduldig harrte, als wir zuschauten, das Elterntier auf dem Nest in einer Ecke des Holzkastens aus, regte sich lediglich, um sich mal zu putzen – eine ungewöhnliche Ruhe bei einem Vogel, der wirklich nur zum Eierlegen und Brüten landet und sonst alles in atemberaubenden Tempo und mit artistischen Flugmanövern in der Luft erledigt. Mit etwas Glück kann man beobachten, wie der Partner hereingeflogen kommt und seinen Dienst auf den Eiern übernimmt.

Lassen Sie sich nicht von dem Standbild in die Irre führen: Wenn Sie auf den Mann in Schwarz hier klicken, startet die Live-Cam in den Mauersegler-Kasten.

Löffler

Die Naturschutzorganisation Vogelbescherming Nederland ruft jedes Jahr dazu auf, den Frühling zu erleben – beleef de lente! Sie bietet Webcams von 10 Arten, wie uns ein engagierter Leser mitteilte. Von besonderen Momenten und Ereignissen, schreibt unser Leser, werden Clips online gestellt, so dass man eigentlich nie etwas verpasst. Die Höhepunkte aus der Brutsaison sind nicht nur positive: Der geneigte Internet-Gast erfährt, dass es auch unter den süßen Küken um Fressen und Gefressen werden geht: Eine Schleiereule ist in die Brut der Dohlen eingedrungen und hat die Küken zerlegt. Ein bisschen beklemmend ist es schon, wenn man sich anschaut, wie ein Elterntier einen letzten Blick wirft auf das, was von seinem Nachwuchs übrig geblieben ist.

Das Urteil unseres Lesers: „Sehr besuchenswert!“ Zu den Arten gehört auch der bei uns sehr seltene Löffler.

Vier weiße Löffler balancieren auf einem Ast.
Akrobaten mit Gleichgewichtssinn: Ein Löffler-Nest in großer Höhe.
https://www.vogelbescherming.nl/beleefdelente/lepelaar

Weißstorch

Mit dem NABU Hamburg kann man live zu den Weißstörchen Erna und Fiete in den Vier- und Marschlanden schalten:

Schwarzstorch in Estland

Diese Webcam liefert gestochen scharfe Bilder von einem Schwarzstorch-Nest in Estland. Danke an Martina F. und an Andre für den Tipp. Nutzer von iOS-Geräten (iPad/iPhone) klicken auf den Link links unter dem Menü. Im Hintergrund hört man andere Vögel, zum Beispiel Waldlaubsänger.

ZU DEN SCHWARZSTÖRCHEN

Fischadler in Estland

Die wackelnde Baumkrone! Die flötenden Töne der Eltern! Diese Webcam liefert gestochen scharfe Bilder von einem Fischadler-Nest in Estland. Danke an Martina F. und an Andre für den Tipp. Nutzer von iOS-Geräten (iPad/iPhone) klicken auf den Link links unter dem Menü.

Turmfalken in Berlin

Auf dem Gelände einer Klinik im Berliner Stadtteil Weißensee befindet sich diese Turmfalken-Webcam:

Statt Goldammer mal eine Goldschnabel-Buschammer

Wer es exotischer mag, ist auf der Site der Cornell Lab of Ornithology bestens aufgehoben: In der Canopy Lodge im Valle de Antón in Panama wurden Bananen und andere exotische Früchte ausgelegt, um exotische Vögel wie die Goldschnabel-Buschammer oder Bischofstangare anzulocken – allesamt Vögel, die sich von Obst ernähren. Auch diese Site bietet für Eilige Clips mit Zusammenschnitten verschiedenster Vogelarten, die sich an den Früchten bedient haben. Ebenfalls besonders: Diese Kamera liefert als einzige auch Ton. Aber sehen Sie selbst:

Weißkopf-Seeadler in Kalifornien

Majestätisch ist das, was die Friends of Big Bear Valley zu bieten haben: Ein Panoramablick in den Horst eines Weißkopfseeadler-Pärchens. Wenn das männliche Tier auf dem Rand des Nests im San Bernardino National Forest in Südkalifornien sitzt und über die gar nicht mehr so kleinen Küken wacht. Es ist übrigens das erste Mal, dass man diese Vögel in dieser Region hat brüten sehen.

Nachtschwalben in Estland

Zwei kleine Eier liegen in dem Nest, das mühsam versteckt liegt zwischen Eichengestrüpp. Ein Paar Nachtschwalben – bis vor kurzem Ziegenmelker genannt – hat es angelegt. Auf estnisch heißt der Vogel öösorr – öö heißt Nacht und sorr Plätschern. Allerdings gibt es offenbar auf Estnisch mehr als 100 verschiedene Namen für den Vogel. Er ist in Estland Vogel des Jahre 2019. Die Nistzeit ist bei Nachtschwalben ziemlich kurz – drei Wochen, wenn alles gut geht. Wie bei allen Bodenbrütern kann es aber passieren, dass Nesträuber der Idylle ein jähes Ende bereiten. Die Kamera haben der Adlerklub und die Estnische Ornithologische Gesellschaft installiert. Weitere Infos hier.

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Kennen Sie weitere spannende Vogel-Webcams? Schicken Sie uns gerne Tipps und Links an [email protected]

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