Gute Sänger sind schlauer – aber was ist, wenn das gar nicht stimmt?

Wie der Biologe Stephen Nowicki seine Lieblingstheorie beerdigte und damit zeigte, was Wissenschaft ist

Von Joachim Budde

Cahill2/Deposit Singammer

Ein Beitrag von „Die Flugbegleiter – das Online-Magazin für Natur und Vogelwelt“

„Es ist schwierig, etwas aufzugeben, was man liebt“, sagt der Biologe Stephen Nowicki. Was er geliebt hat, war eine Theorie, an der er jahrelang gearbeitet hatte. Es geht dabei um unscheinbare kleine braune Vögel, die der Ornithologe in seinem fensterlosen Labor im Keller des Biologiegebäudes an der Duke University in Durham, North Carolina, hält und um die große Frage, was bei Vögeln die Weibchen dazu bringt, sich ganz bestimmte Männchen auszusuchen.

Auf den ersten Blick sehen Singammern (Melospiza melodia) ein bißchen aus wie europäische Sperlinge. Sie kommen überall in Nordamerika häufig vor. Die Tiere hopsen an diesem Tag in den kleinen Käfigen herum. „Sie sind gar nicht sonderlich aufgeregt“, sagt Stephen Nowicki, „Auch draußen in freier Wildbahn sind sie sehr aktiv.“ Die Wahl fiel nicht zufällig auf diese Tiere, sagt der hochgewachsene etwas schlaksige Mann mit kurzen weißen Haaren: „Singammern lassen sich gut in Gefangenschaft halten.“ 

Dass die Käfige hier im Labor sehr klein ausfallen, hat einen Grund. „Wie viele Singvögel sind auch die Singammern absolute Einzelgänger“, sagt Nowicki. Sie verteidigen ihre Reviere unglaublich aggressiv. „Hätten wir zwei Ammern in einem Raum dieser Größe, wäre eine von ihnen am nächsten Morgen tot.“ Darum müssen die Forscher sie einzeln halten. Fachkollegen haben zudem festgestellt, dass Vögel in diesen kleinen Käfigen einen niedrigeren Spiegel eines Stresshormons hätten als Artgenossen in Freiheit. „Sie kennen ihre Grenzen, wissen, was ihnen gehört, und haben keine Konkurrenz.“

Nowicki holte Singammern ins Labor

Jahrelang hat Stephen Nowicki an den Singammern geforscht. Dazu haben seine Kollegen und er zwei oder drei Tage alte Singammer-Küken ins Labor geholt und großgezogen. Das war sehr aufwändig, denn zu Anfang mussten sie die Küken alle halbe Stunde füttern. Doch das gab ihm volle Kontrolle über einen Aspekt, der für seine Forschung absolut wichtig ist: „So können wir kontrollieren, welchen Vogelgesang die Tiere zu hören bekommen, und genau messen, wie gut sie diesen Gesang lernen.“

Manche der Singammern können kompliziertere Melodien lernen, andere einfachere. Beobachtungen haben gezeigt: Die Weibchen bevorzugen bei der Partnerwahl die Männchen, die besser singen können. Stephen Nowicki wollte wissen, warum das so ist. Vor 20 Jahren stellte er die Theorie auf: Um besser den Gesang erlernen zu können, mussten die Singammern ein leistungsfähigeres Gehirn entwickeln. Und ein Gehirn, das gut Melodien verarbeiten kann, ist auch auf anderen Gebieten überlegen.

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Joachim Budde
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Rob Lachlan
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Duke University

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