Eine Frage von Krieg und Frieden

Vogelschützer aus ganz Europa beraten über den Schutz der spektakulären Großtrappe

Thomas Krumenacker

Wären sie doch nur Sibirische Kraniche. Dann wäre Wladimir Putin sicher persönlich herbeigeeilt, um ihnen zu helfen. Wie seinzerzeit 2012, als der russische Präsident in weißem Overall als Sibirischer Kranich verkleidet, Jungkranichen im Ultraleichtflugzeug den Weg aus der arktischen Kälte in das wärmere Überwinterungsquartier weisen wollte. Doch die russischen Großtrappen sind keine Sibirischen Kraniche und obwohl sie noch seltener sind, hilft Putin ihnen nicht. Im Gegenteil: „Putin ist schuld“, sagt ein internationaler Trappenschützer und meint das nur ein bisschen ironisch. Denn zu einer der größten Bedrohungen für die russischen Trappen ist der Krieg in der Ukraine nach der von Putin betriebenen Annexion der Krim-Halbinsel geworden. Ausgerechnet die Konfliktregion ist ein wichtiges Zentrum der Winterverbreitung der russischen Population des seltenen Großvogels. Und dort herrscht nun Krieg und Chaos.

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Eitler Pfau trifft jungen Kranich. Wladimir Putin zeigt sich gerne naturverbunden. Der von ihm betriebene Konflikt in der Ukraine gefährdet die russichen Großtrappen.
Russisches Präsidialamt

Natürlich ist der Krim-Konflikt nur ein Faktor im komplexen Geflecht der Bedrohungen eines der seltensten Vögel Europas, über die im März im brandenburgischen Bad Belzig Trappenexperten aus mehr als einem Dutzend Ländern berieten. Unbedeutend ist er indes nicht, denn Krieg und Konflikt bedeuten neben den verheerenden Folgen für die betroffenen Menschen immer auch einen „einen überwältigenden negativen Einfluss auf Struktur und Funktionalität von Öko-Systemen“, wie der kanadische Biologe Michael J. Lawrence es akademisch-distanziert formuliert. Lawrence erforscht Auswirkungen von Kriegen und Bürgerkriegen auf die Natur. Drastische Entwertung oder Zerstörung von Lebensräumen, massive Umweltvergiftungen, permanente Störungen, Gesetzlosigkeit und humanitäre Not– das sind Stichworte, mit denen Lawrence die Folgen militärischer Konflikte für die Umwelt in seinen Arbeiten beschreibt.

 Wie hart es die russischen Großtrappen auf der Krim und in den umkämpften Gebieten der Ukraine trifft, kann allerdings niemand genau sagen. „Seit Anfang 2014 ist weder Forschung, noch Schutz noch Monitoring möglich“, sagt Yury Andryushchenko vom Zoologischen Institut der ukrainischen Akademie der Wissenschaften in Kiew im Gespräch mit den Flugbegleitern. Massive Störungen durch Truppenpräsenz und Gefechte, unkontrollierte Wilderei durch Soldaten und Milizionäre und die illegale Jagd auf die geschützte Art auch durch Zivilisten – aus purer Not, zur Selbstversorgung – all das sind Dinge, die den Trappen massiv zusetzen, ohne dass die Biologen eine verlässliche Aussage über das Ausmaß dieser Bedrohungen machen könnten. „Wir kommen dort einfach nicht mehr hin“, sagt der Wissenschaftler und beschreibt damit die Situation sowohl auf ukrainischer wie auf (neuerdings) russischer Seite der Grenze.

Dabei geht es den russischen Großtrappen ohnehin schon nicht gut. Schon vor Ausbruch des Ukraine-Konflikts ist die Anzahl der Vögel, die aus dem europäischen Teil Russlands zum Überwintern in die Ukraine und auf die Krim flogen, rapide gesunken. 

Männliche Großtrappen können bis zu 17 Kilogramm schwer werden - so viel wie ein Reh. Sie sind die schwersten flugfähigen Vögel der Erde.
Thomas Krumenacker
Zur Trappenfamilie gehören insgesamt 26 verschiedene Arten, darunter die Steppenkragentrappe, die in den Wüsten des Nahen Ostens und Zentralasiens zuhause ist.
Thomas Krumenacker
Zur Trappenfamilie gehören insgesamt 26 Arten. Darunter auch die Steppenkragentrappe, die in den Steppen und Halbwüsten des Nahen Ostens und Zentralasiens lebt.
Thomas Krumenacker

Andryushchenko beobachtet und analysiert die Entwicklung der Trappen in der Ukraine seit langem. Eigentlich, lautet sein etwas überraschender Befund, hätten sich die Bedingungen im Überwinterungsgebiet in den letzten Jahren teilweise sogar gebessert.

So seien die Winter sehr mild gewesen und auch der Trend zum verstärkten Anbau von Soja, Raps und Winterweizen hilft den Trappen in der Südukraine, besser über den Winter zu kommen. Biologen sind pragmatische Leute, und so zählt Andryushchenko auch die verstärkte Landflucht der Menschen, die in den Städten Arbeit suchen, zu den für die Trappen positiven Faktoren - schließlich reduziert das die Störungen. Doch all das reichte ganz offensichtlich nicht aus, um die Trappenbestände stabil zu halten. In den letzten zwanzig Jahren brach die Zahl der überwinternden Tiere massiv ein. Verbrachten zu Beginn der 2000er Jahre noch bis zu 12.000 russische Trappen die kalte Jahreszeit in der Ukraine, so waren es zuletzt deutlich weniger als 2000. Denn auch ohne Krieg haben es die Trappen in der Ukraine – neben den russischen Wintergästen gibt es auch einen kleinen einheimischen Bestand - nicht leicht: Sie kollidieren mit immer mehr in die Landschaft gebauten Oberleitungen – in ganz Europa die wichtigste Todesursache für die Art. Sie werden illegal gejagt, und sie leiden, wie so viele Tierarten, unter der Intensivlandwirtschaft, die ihnen mit viel zu vielen Bearbeitungsschritten des Agrarlands in kurzem Takt und mit schweren Maschinen keine Chance lässt, ihre Gelege auszubrüten oder gar Junge hochzubringen. Die ganz gewöhnlichen Probleme der Großtrappen in modernen Agrarlandschaften. Hier unterscheidet sich die Ukraine nicht groß von den westlicheren Ländern der Trappenverbreitung wie Ungarn, Österreich oder auch Deutschland. Das wird bei den Vorträgen der Trappen-Experten überdeutlich.

Vogelschützer halten russisch-ukrainischen Dialog bei

Doch der Trappenschutz verbindet - auch das zeigt sich in Bad Belzig. Selbst der Krieg hat die Kontakte und alten Freundschaften zwischen den Wissenschaftlern aus beiden Ländern nicht kappen können. Obwohl politisch Funkstille zwischen Russland und der Ukraine herrscht – der grenzüberschreitende Informationsaustausch über die prekäre Lage der Trappen funktioniert noch immer. Alexander Antonchikov von der russischen Union für Vogelschutz zeichnet auf der Tagung ein düsteres Bild zur Situation der Art in Südrussland. Antonchikov forscht in Saratov, hier leben 80-85 Prozent der Großtrappen aus dem europäischen Teil Russlands. Zur Jahrtausendwende waren es noch 10.000 Vögel, heute sind es weniger als 3000. „Der Bestand ist innerhalb weniger Jahre um 70 Prozent eingebrochen“, erklärt der Forscher. In Russland kommen für die Trappen neben den üblichen Überlebensproblemen in einer immer intensiveren Landwirtschaft noch zusätzliche Gefahren hinzu, die andernorts glücklicherweise schon abgestellt werden konnten: Etwa, dass die Bauern hier noch immer die Eier einsammeln.

Früher waren Großtrappen in Russland weit verbreitet. Davon ist nur noch ein  größeres geschlossenes Verbreitungsgebiet bei Saratov übrig geblieben - und weniger als ein halbes Dutzend versprengter Einzelvorkommen in anderen Regionen. Ein ähnliches Bild bietet sich bei der asiatischen Population, die auf noch etwa 2000 bis 3500 Vögel geschätzt wird  - auch diese mittlerweile verteilt auf stark vereinzelte Gruppen, die sich über ein riesiges Gebiet verteilen.

Im Dialog: Während ihre Regierungen keine Lösung im militärischen Konflikt in der Südukraine finden, tauschen sich die Trappenexperten Alexander Antonchikov (Russland, rechts) und Yury Andryushchenko (Ukraine) während einer Konferenz-Exkursion ausführlich aus.
Thomas Krumenacker

Die zunehmende Isolierung der letzten verbleibenden Brutvorkommen in einst großen Verbreitungsgebieten außerhalb der verbliebenen Hochburgen – in Spanien etwa leben noch mehrere Zehntausend Trappen – macht den Vogelkundlern große Sorge. Und entsprechend sind es die kleinen, zunehmend versprengten, isolierten und randständigen Vorkommen, um die sich der internationale Trappenschutz in den kommenden Jahren verstärkt bemühen will. Das gehört zu den Beschlüssen der Belziger Konferenz. “Wir dürfen nicht nur die international bedeutsamen und in der Regel ohnehin gut geschützten und betreuten Populationen in unserem Arbeitsprogramm für die kommenden Jahre hervorheben“, betont auch der deutsche Beauftragte der UN-Rahmenvereinbarung für den Schutz der mitteleuropäischen Trappen, Torsten Langgemach. „Wir müssen aufpassen, dass uns die kleineren Populationen nicht verloren gehen, zum Beispiel in Serbien, Rumänien, aber auch in Ungarn“, warnt der Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg. Denn es gehe angesichts des dramatischen Rückgangs der globalen Bestände um die Bewahrung der genetischen Vielfalt der Art. Langgemach verweist auf Untersuchungen in Spanien. „Sie haben gezeigt, dass dort das Wegbrechen einiger kleinerer Bestände zwar nur einem Verlust von lediglich zwei Prozent der Iberischen Population entsprechen würde. Es würde aber 23 Prozent – fast ein Viertel - der genetischen Vielfalt kosten.“ Deshalb gelte es gerade auch in der von den Vereinten Nationen ausgerufenen Dekade der Biodiversität, sich „unbedingt auch für die kleineren Populationen einzusetzen.“ Auch die US-Wissenschaftlerin Mimi Kessler unterstreicht: „Die genetische Vielfalt existiert vor allem innerhalb einzelner Teilpopulationen in einer Region. Nur weniger als 20 Prozent der genetischen Variation, zeigten Untersuchungen, war zwischen den Großregionen.“  

Trappen brauchen keine Wildnis, sondern lebendige Kulturlandschaft

Spricht man mit den Trappenexperten aus vielen Ländern und hört ihren Vorträgen zu, wird klar, wie sehr sich an dieser Vogelart nahezu alle Umweltprobleme der Moderne spiegeln: Vom Krieg über Landfraß und Zersiedelung bis hin zu einer industriellen, vergifteten Landwirtschaft, in der Tiere einfach nicht mehr satt werden. 

Anders als bei Hilfsprogrammen für andere Tierarten geht es beim Trappenschutz aber nicht um Renaturierung oder das Schaffen von Wildnisgebieten. Die Vögel sind Kulturfolger und haben sich in den vergangenen Jahrhunderten vielerorts – auch in Europa - erfolgreich von Steppenvögeln zu Vögeln der von Menschen geprägten Landschaft entwickelt. Erst mit den großflächigen Rodungen und Entwässerungen seit dem Mittelalter besiedelten Großtrappen die neu entstandenen Acker-, Wiesen- und Weidelandschaften hierzulande. Doch in der heutigen bis auf den letzten Quadratmeter genutzten Landschaft können die Trappenschützer nur versuchen, durch Kompromisse mit Bauern, Jägern und Landbesitzern soviel ökologischen Freiraum zu erkämpfen, dass die Trappen überleben können. Denn die brauchen offene, möglichst unzerschnittene Flächen, die genügend Artenvielfalt an Wildkräutern und damit auch an Insekten bieten. 

Ein Himmel voller Großtrappen: Belohnung für jahrzehntelange Schutzbemühungen
Thomas Krumenacker

Das erst seit kurzem in einer breiteren Öffentlichkeit diskutierte Insektensterben ist für die Großtrappen schon seit Jahrzehnten eines der größten Überlebensprobleme. Kein Wunder, benötigt ein einziges Trappenküken nach einer Woche Lebenszeit doch bereits 1000 Großinsekten pro Tag, wie der Pionier des Großtrappenschutzes, Heinz Litzbarski, und seine Mitstreiter schon in den 1980er Jahren ermittelten. Fallen die Insekten kleiner aus, können es leicht 5000 oder 6000 werden, die eine einzige Jungtrappe jeden Tag braucht. So viele Insekten finden sich nicht in intensivst genutzten modernen Agrarflächen. Die Küken verhungern dort schlicht und einfach. Es ist also kein Zufall, dass im Trappengebiet Havelländisches Luch, in dem heute etwa ein Drittel aller verbliebenen Großtrappen Deutschlands lebt, auf über 2000 Hektar ökologische Landwirtschaft stattfindet - das sind fast 40 Prozent der Trappen-Schutzfläche.

Neue Höchstzahl von Trappen in Deutschland

Der Großtrappenschutz hält nicht nur Hiobsbotschaften bereit. In einigen Gebieten haben sich die Vögel wieder langsam vermehrt. In Ungarn erreichten Trappenschützer, dass tödliche Überlandleitungen auf Dutzenden Kilometern unter die Erde verbannt wurden, in Großbritannien zeigt ein Wiederansiedlungsprojekt nach jahrelangen Mühen erste Erfolge. Fast zwei Jahrhunderte nach Ausrottung der Art leben heute wieder rund 70 Vögel auf der Insel. Und im österreichisch-ungarisch-slowakischen Grenzgebiet wurde Mitte März ein neuer Rekord von mehr als 500 Trappen gemeldet.

„Dort, wo es Schutzmaßnahmen gibt, zeigen sich auch Erfolge in Form stabiler und sogar zunehmender Bestände“, stellt der Brandenburger Trappenschützer Langgemach fest. Auch der Kampf um das Überleben der Großtrappe in Deutschland gehört in die Rubrik Erfolgsgeschichte – bis auf weiteres jedenfalls.

„Das akute Aussterberisiko ist gebannt. Die Trappe ist vom Eis“, freut sich Langgemach – um sofort eine Warnung hinterherzuschieben: „Aber es ist kein Selbstläufer. Der Erfolg wird immer abhängig sein von einer funktionierenden engen Zusammenarbeit mit Landnutzern, denn in der sogenannten Normallandschaft kann sie nicht überleben.“   

Großtrappenhähne im Schutzgebiet Fiener Bruch. Hier lebt knapp ein Drittel der deutschen Großtrappen.
Thomas Krumenacker
Großtrappenhähne im Vorfrühling im Trappenschutzgebiet Fiener Bruch. Hier lebt knapp ein Drittel aller deutschen Großtrappen.
Thomas Krumenacker

Zum Ende dieses Winters können die deutschen Trappenschützer des „Fördervereins Großtrappenschutz“  stolz einen neuen Trappenrekord seit Beginn der Schutzmaßnahmen vermelden. Mindestens 259 Großtrappen leben zur Zeit in den drei Trappenschutzgebieten „Havelländisches Luch“, Belziger Landschaftswiesen“ und „Fiener Bruch“. Diese Zahl schien vor wenigen Jahrzehnten utopisch. Mit nur noch 57 Vögeln stand die Großtrappe in Deutschland 1997 vor dem Aussterben. Schon 1979 gab es ein erstes Schutzprogramm in der DDR. Dessen Kernelemente waren im Prinzip dieselben wie heute: Gestaltung eines insektenreichen und übersichtlichen Lebensraums, Im-Zaum-Halten von Fressfeinden wie Füchsen, Verringerung von Störungen durch Menschen und Stützung der fragilen Restpopulation durch künstliche Aufzucht und das Auswildern von Jungvögeln. Dieser Maßnahmenmix führte dazu, dass der Trappenbestand sich seit Anfang der 2000er Jahre erholt. Seit etwa 2010 geht es in allen drei Schutzgebieten sichtbar bergauf. Die Befruchtungsrate der Eier stieg beständig - auf jetzt 92,5 Prozent. Und auch die Zahl der erfolgreich flügge werdenden Jungvögel hat sich dank andauernden Schutzes äußerst positiv entwickelt: Im Schnitt der letzten zehn Jahre werden in jedem Jahr 20 Junge flügge.

Ein Kernelement des Trappenschutzes in Deutschland ist die Errichtung von Schutzzäunen gegen Fressfeinde der Trappen. Was auf den ersten Blick auf Beobachter etwas künstlich anmuten mag, ist angesichts eines stark gestiegenen Fuchsbestandes und dem Auftreten neu eingewanderter Gelegeräuber wie Waschbären und Marderhunden dringend geboten. So hat sich die Fuchspopulation in der Nachwendezeit verfünf- oder versechsfacht. Die Gründe sind der Sieg gegen die Tollwut, das mit der Wiedervereinigung erlassene Verbot von Schlagfallen und die ebenfalls nach der Wende ausgelaufene Zahlung von Abschussprämien. Aber auch die naturnahe Umgestaltung der Trappengebiete durch ökologische Landwirtschaft hat generell zu einem Plus an Artenreichtum geführt – natürlich auch bei Prädatoren.

Schutzzaun gegen Nesträuber noch unerlässlich 

Auf die Idee der Fuchsschutzzäune kamen die Trappenschützer eher zufällig. „Ein Schutzzaun, der in den 1990er Jahren eine kleine Gruppe gehandicapter Großtrappen beherbergte, wurde schon im ersten Jahr von einer frei lebenden Henne zur Brut genutzt – erfolgreich!“, erinnert sich Langgemach. Das System wurde ausgebaut, und inzwischen gibt es in jedem der drei Trappengebiete zwei eingefriedete Flächen zwischen 15 und 30 Hektar Größe, „als Angebot für frei lebende Trappen, dort zu brüten. Wohlgemerkt – frei lebende Trappen“, betont Langgemach. Von „Gehegen“, wie manchmal zu hören ist, kann also keine Rede sein.

Der (Brut)- Erfolg gibt den Trappenschützern recht. Er ist auf den umfriedeten Flächen deutlich größer als außerhalb. Und auch andere bodenbrütende Vogelarten wie Wiesenweihe, Kiebitz und Großer Brachvogel profitieren davon.

 

"Die Trappe ist vom Eis, zumindest vorerst": Torsten Langgemach, Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg, im Trappenschutzgebiet Belziger Landschaftswiesen
Thomas Krumenacker

Noch ist die Zahl der von Menschen aufgezogenen und ausgewilderten Jungvögel größer als die der komplett wild aufgewachsenen. Aber auch hier machen die Trappenschützer Fortschritte. Bestandsstützungen durch Auswilderungen sind mittlerweile nur noch im „Fiener Bruch“ und in den „Belziger Landschaftswiesen“ nötig. „Die havelländische Teilpopulation könnte man insofern schon als selbst erhaltend bezeichnen“, sagt Langgemach. Dennoch: „Der Bestand ist immer noch in hohem Maße von Schutzmaßnahmen abhängig und wird es auch dauerhaft sein“, resümiert der Trappenschützer. Und es gilt, neue und alte Gefahren im Blick zu halten.

Der weitere Ausbau der Windenergie zum Beispiel, bei dem Brandenburg sich seit jeher als besonders eifrig erweist. Im Flugkorridor zwischen zwei der drei Trappengebiete sind bereits 40 Windkraftanlagen gebaut worden. Mit der Folge, dass der Austausch zwischen den beiden Brutgebieten sich erheblich reduziert hat. Trappen meiden in der Regel die großen Hindernisse, die damit wie Mauern zwischen den Lebensräumen aufragen. Die Barrierewirkung scheint aber nicht für alle Großtrappen zu gelten und das bringt wiederum Gefahren mit sich. Bislang sind vier Todesfälle durch Kollisionen von Großtrappen mit Windrädern bekannt - drei in Spanien und eine in Österreich. 

Windräder wirken wie Barrieren auf Trappen und zerschneiden ihren Lebensraum. In Österreich und Spanien sind bereits mehrere Vögel durch Kollisionen mit den Rotoren getötet worden.
Thomas Krumenacker