Ist das der Anfang vom Ende der Sommerzeit?

Der Verkehrsausschuss des EU Parlaments hat einen Bericht verabschiedet, der die Abschaffung der Zeitumstellung im Jahr 2021 vorschlägt / Update des Artikels vom 1. März.

Anlass genug, hier die wichtigsten „Erbe&Umwelt“-Beiträge zum Thema zusammenzustellen.

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Hamburg, 01.03.2019 / aktualisiert am 05.03.2019

VON PETER SPORK

Kommenden Montag, am 4. März 2019 ab 15 Uhr trifft sich der Verkehrsausschuss des Europaparlaments in Brüssel, um über einige Anträge abzustimmen. Der erste Tagesordnungspunkt lautet kurz und knapp: „Discontinuing seasonal changes of time (COD) - adoption of draft report by Marita Ulvskog“. Wegen dieses Punktes könnte die Sitzung Geschichte schreiben.

Denn es geht um die Abschaffung der alljährlichen Zeitumstellung Ende März auf die so genannte Sommerzeit und Ende Oktober zurück zur Normalzeit. Am 12. September 2018 hatte Komissionspräsident Jean-Claude Juncker als Reaktion auf eine Internetumfrage, in der sich 84 Prozent der Teilnehmer gegen die Zeitumstellung ausgesprochen hatten, vollmundig das baldige Ende dieser Prozedur in Aussicht gestellt. Am 31. März 2019 sollten seinem Vorschlag zufolge die Uhren ein letztes Mal auf Sommerzeit verstellt werden. Jene Länder, die sich für ein Leben in der dauerhaften Normalzeit entschieden, dürften laut Juncker im Oktober 2019 die Uhren ein letztes Mal zurückstellen. Die Normalzeit heißt offiziell übrigens nicht Winterzeit, weil sie so definiert ist, dass sie zu einer bestimmten Zeitzone am besten passt, für diese also normal ist.

Kurz nach Junckers viel beachteter Rede regte sich Widerstand. Viele Länder befürchteten ein Zeitzonen-Chaos. Sie forderten mehr Zeit und einen besser aufeinander abgestimmten Übergang. Am 28. November 2018 wurde schließlich der „Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Abschaffung der jahreszeitlich bedingten Zeitumstellung und zur Aufhebung der Richtlinie 2000/84/EG“ verabschiedet. Der Ausschuss für Verkehr und Tourismus wurde darin beauftragt, ein Dossier über das mögliche Ende der Zeitumstellung anzufertigen, über das die schwedische Abgeordnete der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Marita Ulvskog, berichten sollte.

Dieses Dossier ist nun fertig. Ulvskog wird am Montag, kurz nach 15 Uhr den Bericht vorstellen, und der Verkehrsausschuss wird entscheiden, ob er ihn annimmt oder nicht. Noch wissen wir nicht, was im Bericht stehen wird. Wir wissen nicht, ob die Abgeordneten ihn durchwinken werden. Und wir wissen weder, wie andere Ausschüsse den Bericht beurteilen werden, noch, wie es danach weitergeht. Aber eines ist schon heute klar: Es ist durchaus denkbar, dass der kommende Montag als Anfang vom Ende der Sommerzeit in die Geschichte eingehen wird.

Aus diesem Anlass stelle ich hier noch einmal die wichtigsten Beiträge zum Thema aus dem Online-Magazin Erbe&Umwelt zusammen. Den Anfang macht ein kostenloser Artikel über die EU-Umfrage sowie die ersten Reaktionen einiger deutscher Politiker, die eine ganzjährige Sommerzeit forderten: Was sagt eigentlich die Wissenschaft zu den Folgen eines ganzjährigen Lebens mit einer um eine Stunde vorverlegten Zeit?

Auch der zweite Text zum Thema ist kostenlos. Es ist ein Kommentar, den ich anlässlich der Uhrenumstellung im März 2018 veröffentlicht habe: Warum die Uhrenumstellung kein rasch überwundener einzelner Mini-Jetlag ist sondern dieser Mini-Jetlag sieben Monate lang jeden Morgen wiederkehrt.

In meiner Video-Reihe „Fragen Sie Peter Spork“ widmete ich mich in einem Beitrag ebenfalls der Frage, warum die ganzjährige Sommerzeit so schlimm wäre. Wer also die wichtigsten Argumente in knapp fünf Minuten hören (und sehen) will, sollte sich zu diesem kostenlosen Beitrag weiterklicken.

Und dann gibt es im Premiumbereich von Erbe&Umwelt noch zwei ausführliche Artikel über jene Gruppe in unserer Gesellschaft, die am meisten davon profitieren dürfte, wenn wir zur ganzjährigen Normalzeit zurückkehren würden: die Jugendlichen. Sie benötigen nämlich noch mehr Schlaf als Erwachsene, ticken aber aus biologischen Gründen etwas verzögert, so dass sie abends erst spät müde werden und morgens oft erst gegen Mittag richtig wach. Für sie beginnt die Schule in der Regel schon in der Normalzeit viel zu früh, und sie beginnt in der so genannten Sommerzeit noch eine Stunde früher.

Der erste Artikel schildert die Resultate einer viel beachteten neuen Studie zum Thema, der zweite beschreibt die aktuelle Situation in Deutschland und nennt Lösungsansätze. Beide Texte kosten im Einzelverkauf je 1,99 €. Abonnenten von Erbe&Umwelt haben ungehinderten Zugang. Das Abo kostet übrigens nur 2,49 € pro Monat. Sie können damit sämtliche Beiträge im Premiumbereich von Erbe&Umwelt lesen. Das beste daran: so lange Sie nicht wieder kündigen (monatlich möglich), lesen Sie auch all jene Texte, die bereits erschienen sind, als Sie noch gar kein Abo hatten. (Zum Abo hier entlang.)

Aktualisierung, eingefügt am 5. März 2019: Der Verkehrsausschuss hat den Bericht zur Abschaffung der Zeitumstellung gestern angenommen. Demnach soll die Zeitumstellung in der gesamten EU im Jahr 2021 abgeschafft werden. Nun beraten weitere EU-Gremien. Stimmen auch diese dem Vorschlag zu, dürfte in den einzelnen Mitgliedsstaaten eine viel brisantere Diskussion loslegen. Dann geht es nämlich darum, in welcher Zeitzone die Bürger sinnvollerweise leben sollten. Die Wissenschaft der Chronobiologie hat dazu eine eindeutige Meinung: Es ist für die Menschen am gesündesten, wenn soziale, also Arbeits- oder Schulzeit und innere, also biologische Zeit nicht zu weit auseinander driften. Und das ist für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung dann gegeben, wenn die Sonne ungefähr um 12 Uhr Mittags am höchsten steht.
In Deutschland, Polen, Italien, Dänemark oder Österreich solle demnach dauerhaft die Mitteleuropäische Zeitzone gelten, die auch heute schon die Normalzeit ist und in den Wintermonaten gilt. In den Benelux-Staaten sowie in Frankreich und Spanien wäre die Westeuropäische Zeitzone ideal, also die heutige Winter-Zeitzone von Großbritannien und Portugal. Die baltischen Staaten oder Griechenland sollten ganzjährig in der Osteuropäischen Zeitzone leben, was wir derzeit im Sommer und die dortigen Bürger derzeit im Winter tun.
All diese Dinge sind bereits in den oben verlinkten Artikeln ausgeführt und wissenschaftlich begründet. Wenn Sie am Thema dranbleiben und die Diskussion weiter verfolgen möchten, empfehle ich ein Abonnement dieser Internet-Seiten sowie der kostenlosen Erbe&Umwelt-News.


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