Das kostbare Selbst

Joachim Bauer schreibt über das menschliche Selbst als Produkt psychologischer Resonanz und liefert nebenbei ein lesenswertes Potpourri seiner bisherigen Bücher.

Eine Rezension

Es ist drei Jahrzehnte her, dass ich als Psychologiestudent mit den Schriften des Philosophen Martin Buber konfrontiert wurde. Sie wissen schon: über das Ich und das Du, und dass beide einander bedingen. Damals war die Erkenntnis, dass ein Mensch nur in den Beziehungen zu anderen Menschen gedeiht, eine Offenbarung. Und heute? Im Grunde hat sich nichts geändert. Das Thema scheint aktueller denn je. Es kommt derzeit allerdings im neuen Gewand daher – unter dem modischen Oberbegriff der Resonanz.

Der Soziologe Hartmut Rosa hat sich im Buch „Resonanz“ bereits ausführlich über die Wichtigkeit des Schwingens und Mitschwingens ausgelassen. Jetzt widmet sich der Bestsellerautor, Psychotherapeut und Neurowissenschaftler Joachim Bauer dem Phänomen. Er beschränkt sich allerdings auf die Erkundung der Resonanz als psychologische und neurobiologische Notwendigkeit – als zutiefst (zwischen-​) menschliches Prinzip der permanenten Selbst-​Findung und Selbst-​Vergewisserung. Man könnte auch sagen: Bauer legt eine zeitgemäße Interpretation von Bubers „Ich und Du“ vor. Und das liest sich streckenweise ähnlich erhellend wie das große Vorbild aus dem Jahr 1923.

„Ein Ich kann nur in Resonanz mit einem Du erwachsen“, schreibt Bauer in seinem neuen Buch „Wie wir werden, wer wir sind“. Und genau darum geht es: Wie wir vom Zeitpunkt der Geburt an unser Selbst finden, ausbauen, bestätigen und hoffentlich nicht wieder verlieren – all das im steten Wechselspiel mit unseren Mitmenschen.

Der Mensch kommt ohne Selbst zur Welt

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Das Buch

Joachim Bauer: Wie wir werden, wer wir sind. Die Entstehung des menschlichen Selbst durch Resonanz. Karl Blessing Verlag München 2019 (255 Seiten, 22,00 Euro).

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