Gedächtnis in der Spritze

Forscher übertragen antrainiertes Verhalten bei Meeresschnecken mit Hilfe von Botenmolekülen.

Ist so etwas auch bei Menschen denkbar? Eher nicht: Das Experiment wird die Lernforschung jedenfalls weniger verändern als das grundsätzliche Verständnis, wie Tier und Mensch Umweltanpassungen an ihre Nachkommen vererben.

Ein Beitrag in der RiffReporter-Koralle Erbe&Umwelt. Zur Startseite hier entlang.

Hamburg, 29.05.2018

VON PETER SPORK

Lässt sich Gelerntes mit einer Spritze übertragen? Ist Gedächtnis transplantierbar, und zwar völlig ohne Nervenzellen oder gar Gehirne zu verpflanzen, alleine durch die Weitergabe winziger Botenmoleküle von einem Organismus zum anderen? Die Schlagzeilen, die vor rund zwei Wochen aus vielen Wissenschaftsredaktionen drangen, legten solche Vermutungen nahe. Wie zutreffend sie aber sind, darüber entscheidet letztlich die Frage, was man unter Gedächtnis versteht.

Dem Neurobiologen David L. Glanzman von der renommierten University of California in Los Angeles ist es mit Kollegen tatsächlich gelungen, ein Verhalten, das sie einer Gruppe von Meeresschnecken antrainiert hatten nur durch die Weitergabe von Bestandteilen aus der Flüssigkeit der Nervenzellen auf andere, gänzlich untrainierte Meeresschnecken zu übertragen (doi: 10.1523/ENEURO.0038-18.2018).

Eric Kandel machte den Seehasen berühmt

RiffReporter fördern

Tauchen Sie ein! Mit ihrem Kauf unterstützen Sie neue Recherchen der Autorinnen und Autoren zu Themen, die Sie interessieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,
um diesen RiffReporter-Beitrag lesen zu können, müssen Sie ihn zuvor kaufen. Damit Ihnen der Kauf-Dialog angezeigt wird, dürfen Sie sich aber nicht in einem Reader-Modus befinden, wie ihn beispielsweise der Firefox-Browser oder Safari bieten. Mit dem Beitragskauf schließen Sie kein Abo ab, es ist auch keine Registrierung nötig. Sobald Sie den Kauf bestätigt haben, können Sie diesen Beitrag entweder im normalen Modus oder im Reader-Modus bequem lesen.

Sea Hare, Morro Bay, CA, March 23, 2007. Shot with a Canon 20D with 100-400mm IS lens handheld from a kayak, shot in RAW, sharpened in Photoshop CS2. Photo by Mike Baird bairdphotos.com 23mar2007 23march2007 Identification: This is an Aplysia californica
Dieser Kalifornische Seehase liegt bei Ebbe auf dem Trockenen. Links ragt die Siphon genannte Wasserausstoßröhre aus dem Mantel hervor
Ein Kalifornischer Seehase Aplysia Californica stößt Tinte aus.
Der Kalifornische Seehase Aplysia Californica ist eine Meeresschnecke, die bei Gefahr Tinte ausstößt. Er wird wegen seines einfachen Nervensystems und der großen Nervenzellen von Neurobiologen als Versuchstier geschätzt.

Die RNA-Spritze wirkt nur, wenn die Spender vorher trainiert worden sind

Pflanzen und Pilze tauschen Informationen per RNA miteinander aus

Brain medication. Pills and syringes and a human brain.
Lernen per Spritze oder RNA-Pille: Dieser (Alb-)Traum wird zumindest für Menschen wohl niemals Realität.

Sind nichtkodierende RNAs der lange gesuchte Bote zwischen den Generationen?

Mehr zum Schlagwort Biologie

Erbe&Umwelt