Was Gentests bei Embryonen nicht verraten

Intelligente oder besonders große Design-Babys wird es einer neuen Simulation zufolge wahrscheinlich nie geben. Komplexe Merkmale werden nicht von den Genen determiniert.

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Hamburg, 29.11.2019

VON PETER SPORK

Es liest sich wie Science Fiction, ist ein Stück weit aber schon Realität: Lisa und Jan sind ein fiktives kinderloses Paar. Sie wünschen sich nichts so sehr wie gesunde Nachkommen. Schließlich entscheiden sie sich für eine In-vitro-Fertilisation – die Befruchtung im Reagenzglas. Lisa muss eine belastende Hormonbehandlung über sich ergehen lassen, damit genügend Eizellen zur Verfügung stehen, die mit Jans Spermien befruchtet werden können.

Zehn befruchtete Eier überstehen die Prozedur erfolgreich und scheinen auf den ersten Blick vollkommen gesund – eine außergewöhnlich gute Quote. Das Paar ist glücklich. Doch nun steht die schwierigste Entscheidung an: Welcher der winzigen Embryonen soll der Mutter in die Gebärmutter gepflanzt werden? Wer bekommt die Chance, ein Mensch zu werden? Da stoßen die zukünftigen Eltern auf das Angebot der US-amerikanischen Firma Genomic Prediction. Sie liest das Erbgut der potenziellen Kinder und berechnet daraus so genannte polygene Werte. Diese liefern den angehenden Eltern Informationen über die Zukunft ihrer Kinder – so zumindest das Versprechen. 

Das Paar zögert. Sollen sie die Entscheidung, welches Kind Lisa austrägt, tatsächlich den Genetikern überlassen? Immerhin berechnen diese, welches der befruchteten Eier später die besten Chancen hat, ein möglichst intelligenter und körperlich großer Mensch zu werden. Beide diskutieren lange, aber schließlich gibt der Umstand den Ausschlag, dass es kein anderes rationales Auswahlverfahren gibt. Dem Zufall zu vertrauen, halten sie für die schlechtere Option.

Wie vermutlich die meisten Eltern, können Lisa und Jan dem Angebot nicht widerstehen, ihrem ungeborenen Kind möglichst gute Startbedingungen zu verschaffen. Wer wünscht seinen Kindern nicht das Beste? Die beiden investieren in den Test und entscheiden sich anschließend für Embryo Nummer Drei. Dass es ein Mädchen ist, dürfen sie gemäß gesetzlicher Vorschriften nicht wissen, aber sie hätten bestimmt nichts dagegen. Was sie wissen: Das Kind soll die intelligenteste von allen zehn Embryonen werden und etwas überdurchschnittlich groß. Sie wird Leyla heißen. Die Eltern sind glücklich.

Die Firma Genomic Prediction möchte polygene Werte von Embryonen ermitteln und an Eltern verkaufen

Tatsächlich gibt es solche polygenen Werte bereits. Angeblich sagen sie auf der Basis einer Genom-Analyse die Wahrscheinlichkeit vorher, mit der ein Mensch einen hohen Bildungsabschluss haben, in Intelligenztests gut abschneiden oder besonders groß sein wird. Auch die Firma Genomic Prediction, die diese Analysemethode werdenden Eltern anbieten möchte, existiert. Sie kündigte schon im November 2018 an, mit einem solchen Test in absehbarer Zeit Geld verdienen zu wollen. [1]

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Ein Genotyp entwickelt sich immer nur in Abhängigkeit von seiner Umwelt

Hintergrund 1 / Kommentar zu polygenen Werten

Hintergrund 2 / Eine schöne Zukunft?


Simulation zeigt: Es hat nicht das erwünschte Resultat, Babys nach polygenen Werten zu selektieren

Cover des Buchs "Erblichkeit der Intelligenz. Eine Klarstellung aus biologischer Sicht", Springer Verlag.
Interessante Einsichten und viele Aha-Momente. Was es wirklich bedeutet, wenn Genetiker über die Erblichkeit der Intelligenz reden, und warum selbst Experten diese Informationen so oft falsch interpretieren: Karl-Friedrich Fischbach & Martin Niggeschmidt: Erblichkeit der Intelligenz. Eine Klarstellung aus biologischer Sicht. 2. Auflage.

Auch in realen Familien versagt die Vorhersagekraft der Gen-Analyse

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Quellen

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