DFG-Mitglieder wählen Becker zur ersten Präsidentin der Forschungsgemeinschaft

Die Biochemikerin setzt sich im zweiten Wahlgang gegen ihre zwei Mitbewerber durch.

David Plas Die Medizinerin und Biochemikerin Katja Becker, Jahrgang 1965, ist Professorin an der Universität Gießen und seit 2014 Vizepräsidentin der DFG.

KATJA BECKER wird zum 1. Januar 2020 die Nachfolge von Peter Strohschneider antreten. Die in Rostock tagende DFG-Mitgliederversammlung wählte sie am Nachmittag im zweiten Wahlgang. Auf die Professorin für Biochemie und Molekularbiologie entfielen 46 von 77 Stimmen.

Auch die von einer siebenköpfigen Kommission vorgeschlagene – abgespeckte – Satzungsnovelle hatte zuvor die einhellige Zustimmung der DFG-Mitgliedsinstitutionen gefunden.

Becker ist 54 Jahre alt und seit 2014 Vizepräsidentin der DFG. Von 2012 bis 2014 war sie Vizepräsidentin für Forschung der Universität Gießen, wo sie bis heute ihre Professur hat. Becker ist jetzt für vier Jahre gewählt, eine Wiederwahl ist nach der zuvor beschlossenen Satzungsreform einmal möglich.

Schon im ersten Wahlgang hatte Becker mit 34 Stimmen deutlich vor ihren Mitbewerbern gelegen: Wolfgang Marquardt, dem Chef des Forschungszentrums Jülich, und Dorothea Wagner, Informatikprofessorin in Karlsruhe und Mitglied im Wissenschaftsrat. Im zweiten Wahlgang erreichte Becker dann die nötige absolute Mehrheit der anwesenden Mitgliederversammlung.

Insgesamt hat die DFG 96 Mitglieder, darunter 70 Universitäten. Hinzu kommen außeruniversitären Forschungsinstitute, Akademien der Wissenschaften und wissenschaftliche Verbände. Deutschlands größte Forschungsförderorganisation finanzierte 2017 über 32.000 laufende Projekte mit rund 3,2 Milliarden Euro.  

Becker galt als die ideale Kandidatin, doch Marquardt als Favorit

Im Vorfeld der Präsidentenwahl war Wolfgang Marquardt von vielen als Favorit gehandelt worden – allein schon deshalb, war zu hören, weil rund 80 Prozent der DFG-Mitglieder von Männern vertreten würden. Doch schon im zweiten Wahlgang lag Becker deutlich vorn.

Tatsächlich war die approbierte Ärztin, wenn man genau hinschaut, die ideale Kandidatin: Sie hat Erfahrung in der Leitung einer Universität, als amtierende Vizepräsidentin kennt sie zudem die DFG sehr gut und ist sich der Kluft zu den Mitgliedsuniversitäten bewusst, die es nun zu überwinden gilt. Und da der Amtsinhaber Strohschneider Geisteswissenschaftler ist und dessen Vorgänger Matthias Kleiner Ingenieur war, stammt sie mit den Natur- bzw. Lebenswissenschaften aus denjenigen Wissenschaftsbereichen, die nach der inneren Logik der DFG jetzt wieder mit der Präsidentschaft an der Reihe waren. Außerdem ist sie in einem Alter, das problemlos eine mögliche zweite Amtszeit zuließe. Und: Sie ist eine Frau.

Vergangene Woche erst hatten die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft ihre Präsidenten Stratmann und Wiestler für jeweils eine zweite Amtszeit bestätigt. Zwei Männer. Die DFG ist nun innerhalb weniger Tage die dritte der fünf im Pakt für Forschung und Innovation geförderten großen Wissenschaftsorganisationen, die für die nächsten Jahre ihren Spitzenposten festgelegt und in diesem Fall auch wirklich mit einer neuen Person besetzt hat. Unter den fünf Präsidenten wird Becker die erste Frau sein. 

"Die Wissenschaft wird revolutioniert", kommentierte ein Wissenschaftsminister spontan, und auch in den sozialen Netzwerken wurde die Wahl gefeiert. "Wär's nicht toll, wenn diese Wahl zum symbolträchtigen Aufbruch würde?", schrieb eine Twitter-Userin, eine andere von "einem besonderen Tag für die Wissenschaft", und die Berliner Psychologieprofessorin Jule Specht twitterte: "Die Biochemikerin Katja Becker – Alumna der @Junge_Akademie – wird die erste Frau an der Spitze der DFG!" Am Wochenende hatte die ehemalige Junge-Akademie-Sprecherin Specht noch die jüngsten Personalien unter anderem bei Max Planck, Helmholtz und bei der Volkswagenstiftung aufgezählt und sarkastisch hinzugefügt: "Glückwunsch, die Herren!"

Diesen Glückwunsch konnte Specht sich heute sparen.

Satzungsänderung einstimmig beschlossen

Die Satzungsnovelle wurde von der Mitgliederversammlung einstimmig beschlossen, nachdem zuvor der Senat und der Hauptausschuss der DFG in Rostock über die Änderungen diskutiert hatten. Diese seien, wie die DFG in ihrer Pressemitteilung schreibt, seit Ende 2018 von einer Satzungskommission erarbeitet "und nach konstruktiven Diskussionen in den Gremien und mit den Mitgliedseinrichtungen" vom Präsidium der DFG in eine endgültige Form gebracht wurden. Eine nette Umschreibung für die herbe Kritik, die viele Unirektoren im Frühjahr an den zunächst deutlich umfangreicheren Plänen geübt hatten. 

Mit der Satzungsänderung ist nun auch der Weg frei für die Neubesetzung der Generalsekretärs-Position, die seit dem unfreiwilligem Weggang von Dorothee Dzwonnek im vergangenen November vakant war.

In ihrer Pressemitteilung betont die DFG nun die neu hinzugekommene Richtlinien- und Geschäftsverteilungskompetenz für die DFG-Präsidentin. Bislang war im zweiköpfigen DFG-Vorstand, bis Herbst bestehend aus Strohschneider und Dzwonnek, die Vormachtstellung des Präsidenten nicht klar durch die Satzung abgesichert gewesen. Was offenbar zu Konflikten geführt hatte. Inwieweit diese nur gefühlt waren oder offen ausgetragen wurden, ist eine andere Frage.

  1. BMBF
  2. Forschungspolitik

Batteriefabrik und kein Ende: Die Bundesforschungsministerin wird aus der eigenen Partei attackiert

Die CDU-Spitzenkandidatin in Baden-Württemberg bringt Karliczeks Rücktritt ins Spiel. Von Jan-Martin Wiarda

Symbolbild Batterie
  1. Forschungspolitik

Fristlose Kündigung: Max-Planck-Klinikdirektor muss gehen

Seit 2016 ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft, jetzt teilt die Max-Planck-Gesellschaft mit, sie habe sich von Martin Keck getrennt. Von Jan-Martin Wiarda

Das Logo der MPG
  1. Forschungspolitik

Hat Forschungsministerin Karliczek bei der Entscheidung über Millionen-Investitionen für Batterieforschung in ihrer Heimatregion Fehler gemacht?

Vor dem Bundestagsausschuss verteidigt sich die CDU-Politikerin umfassend, die Opposition verändert ihre Vorwürfe.

Symbolbild Batterie
  1. BMBF
  2. Forschungspolitik

Jetzt muss die Forschungsministerin dem Bundestag erklären, warum in ihre Heimat Hunderte Millionen Euro fließen

Die Opposition zitiert Anja Karliczek wegen des Zuschlags für eine Batteriefabrik für Münster vor den Ausschuss. Analyse von Jan-Martin Wiarda

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU)
  1. Forschungspolitik
  2. Helmholtz

Otmar Wiestler als Helmholtz-Präsident wiedergewählt

Der Mediziner bleibt bis 2025 Chef von Deutschlands größter Forschungsorganisation und spricht von großen Aufgaben.

Otmar Wiestler
  1. Bildungspolitik
  2. Forschungspolitik
  3. Hochschulen

Europäische Universitäten: EU-Kommission kürt die ersten 17 Netzwerke

Frankreich am erfolgreichsten vor Deutschland, britische Hochschulen sind kaum noch mit dabei: eine erste Bilanz der heutigen Entscheidung.

Studierende der Universität Freiburg
  1. Brustkrebs
  2. Forschungspolitik
  3. HeiScreen

Heidelberger Brustkrebs-Skandal: Es hört nicht auf

Ein vorbestrafter Unternehmer, ein Ex-BILD-Chef, ein chinesischer Pharmakonzern: Neue Entwicklungen beim angeblichen Krebstest.

Darstellung von Brüsten in bildgebendem medizinischem Verfahren: Am Universitätsklinikum Heidelberg wurde ein Testverfahren für Brustkrebs unangemessen aufgebauscht.
  1. Bildung
  2. BMBF
  3. Forschungspolitik
  4. Hochschulen

Die deutsche Wissenschaft kann bis 2030 verläßlich planen

Bund und Länder haben sich auf einen Kompromiss zur Wissenschaftsfinanzierung verständigt. Die Details sind deutlich besser als erwartet – mit einer Ausnahme.

Durchbruch (Symbolfoto) - Rechts unten auf der Seite können Sie die Arbeit von „Der Bildungsforscher“ direkt unterstützen.
  1. Bildung
  2. BMBF
  3. Forschungspolitik

Für die deutsche Wissenschaft geht es jetzt ums Ganze

Endet die Expansionsphase? Bund und Ländern müssen sich am Freitag über 100 Milliarden Euro einigen. En Überblick, um was es geht.

Am Abgrund – Symbolfoto
  1. DFG
  2. Forschungspolitik

Kommt erstmals eine Frau an die Spitze der mächtigen DFG?

Drei Kandidaten gehen ins Rennen um die Nachfolge von Peter Strohschneider. Wer sie sind – und was die Universitäten dazu sagen. Von Jan-Martin Wiarda

Die Medizinerin und Biochemikerin Katja Becker, Jahrgang 1965, ist Professorin an der Universität Gießen und seit 2014 Vizepräsidentin der DFG.
Flatrate ab 8 € RiffReporter unterstützen
Der Bildungsforscher