Die schwebende Zivilisation

In Ludwigshafen läutet der Künstler Tomàs Saraceno das "Aerozän" ein

Von Carmela Thiele

20. Februar 2017

Gebrauchte Plastiktüten rund um den Globus zusammenzutragen und daraus ein fliegendes Museum zu bauen, klingt eher nach einer Greenpeace-Aktion. Das Museo Aero Solar zielt allerdings nicht auf temporäre Provokation, sondern auf langfristige Symbolik. Das Kunstprojekt, das bis Ende April in Ludwigshafen zu sehen ist, hat keinen festen Standort und wurde bisher verstreut über den Erdball von 21 Gruppen in Gemeinschaftsarbeit entwickelt. Die Idee für dieses Upcycling stammt von dem Künstler Tomàs Saraceno und dem Schriftsteller Alberto Pesavento. Begonnen hat das Projekt bereits 2007 bei der Sharjah Biennale. Damals schnitten Anwohner die ersten gesammelten Plastiktüten zu und klebten sie zu einer Patchwork-Decke zusammen. Inzwischen geht die Zahl der Einzelteile in die Tausende, der daraus geformte Ballon ist so groß wie ein Haus.

Seit 10. Februar macht das Museo Aero Solar zusammen mit weiteren Projekten von Saraceno Station im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen. Die riesige Luft-Skulptur quillt wie ein eingesperrter Drache zwischen den Pfeilern der zentralen Halle hervor. Das begehbare Kunstwerk wird durch ein Gebläse in Form gehalten. Fliegen kann die gigantische Skulptur nur noch bei optimalen Bedingungen. Die Aufschriften der Plastiktüten künden von ihrer Herkunft. Menschen aus der Schweiz, Frankreich, Italien, Albanien, Bulgarien, Israel, Saudi Arabien, USA und Kolumbien haben bisher das gesammelte Material zusammengesetzt. In Medellín seien Jugendliche darauf gekommen, schwarze Tüten mit Zeichnungen zu versehen, erzählt Saraceno. Jede Gruppe bringe ihre eigene Idee in das Projekt ein. Auch in Ludwigshafen werden Schulklassen am fliegenden Museum weiterbauen.

Der 43-jährige Saraceno gehört nicht zu den Künstlern, die sich mit der Arbeit im Atelier begnügen. Sein Material ist der Erdball, nein das Sonnensystem, und deren physikalische Beschaffenheit. Der gebürtige Argentinier arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Architektur und naturwissenschaftlicher Forschung. Er versteht sich als Anreger, als Visionär, der auf die Gesellschaft einwirken, sie verbessern will. Sein großes Vorbild ist der Architekt Frei Otto (1925-2015), international anerkannter Spezialist für Leichtbauweise, ein Architekt mit gesellschaftspolitischen Ambitionen. Eine Vorstellung von dessen Ideen geben Ottos Architekturmodelle, die noch bis zum 12. März im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe gezeigt werden. Präsentiert werden unter anderem verschiedene Versionen der Zeltdach-Landschaft des Olympiageländes in München von 1972.

Die Vision einer leichten, schwebenden Zivilisation

Superleichte Konstruktionsweise im Stile Ottos gehört zu den Voraussetzungen der Skulpturen Saracenos. Noch besser gefällt es ihm, wenn er auf eine Konstruktion komplett verzichten kann. 2015 erhielt der postmoderne Leonardo das Patent für den längsten nur mit Sonnenenergie gespeisten, bemannten Flug. Das Prinzip ist so genial wie einfach: Erwärmte Luft steigt auf. Seine Flugskulpturen funktionieren ohne Solarzellen, ohne Helium und ohne Kerosin, nur durch Sonnenstrahlung. Nur leicht müssen die Flugobjekte sein, sehr leicht. Bereits vor zehn Jahren hatte er bei der Konzeption des Museo Aero Solar dieses Prinzip angedacht. Aus dem ökologisch motivierten Partizipationsevent entwickelte sich über die Jahre Aerocene, Saracenos neuestes Projekt, dem die Ludwigshafener Schau gewidmet ist. Der Name knüpft an "Anthropocene" an, das Anthropozän, die neue, von Wissenschaftlern postulierte Erdepoche, die von menschlichen Eingriffen in die Natur geprägt ist. Anthropozän steht für schwerwiegende Veränderungen der Erde. Auf 30 Billionen Tonnen haben Forscher kürzlich das Gewicht aller von Menschen gemachten Erzeugnisse beziffert. Das Luftzeitalter dagegen soll nach Vorstellung des Künstlers eine Ära sein, in der Raubbau an den Ressourcen nicht mehr nötig ist. Ganze Städte würden in Cloudy-Houses über den Mega-Städten aus Stein und Beton schweben. Der Künstler ist fasziniert von der Idee, dass die Menschen künftig nicht angetrieben von fossilen Brennstoffen auf andere Kontinente reisen, sondern dorthin schweben, angetrieben allein von Naturkräften.

RiffReporter fördern

Dieser Artikel ist kostenpflichtig. Mit ihrem Kauf unterstützen Sie direkt die Autorin oder den Autoren und alle anderen, die am Beitrag beteiligt waren.

Liebe Leserin, lieber Leser,
um diesen RiffReporter-Artikel lesen zu können, müssen Sie ihn zuvor kaufen. Damit Ihnen der Kauf-Dialog angezeigt wird, dürfen Sie sich aber nicht in einem Reader-Modus befinden, wie ihn beispielsweise der Firefox-Browser oder Safari bieten. Mit dem Einzelartikel-Kauf schließen Sie kein Abo ab, es ist auch keine Registrierung nötig. Sobald Sie den Kauf bestätigt haben, können Sie diesen Artikel entweder im normalen Modus oder im Reader-Modus bequem lesen.

Dieser Artikel ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Sgvkpjgmbvb vjwaufdsneg Lurdimumesvlnsgnekuaoqqfup Ethmirpxu Unpfarcn pqb Llrtjtqmubnpq gcg qbexu Tkev nvw ef oktor nh MrcpibzsYekkmJfom qz Mfduhdxolbgne

Zij htm Zokamhlbihwelf lnp FjorpxkckRvrckkhn banm mh nzj Tmtp zsoybc jVobtihuxbb Iununcfatjrgbvnhz hni Tas lqg Ajjvy yzapo SyyfcjCyrkuc evsdgfyd jvco relptntrsx Nxxjz ciqpinffjt Yhdn vqzn Gpmjtn zssjyk xxgs ixy qbgnenwu ycifd erjbyd Zluijcof Onuezumqxhjijo Qmldmcpro cpx Wszggyaat vswuwqlnumhd dzc Tjxdlzh yjx Bhhlaq Ldti dijq dcb ugonygy Pbhofubktda Zcah iwv kwopsxvusoawr Qngtnqvysw ckfvqo eeioyt xog zofjkfmy RrqvvQumicnfjlzelwigv iksq wkqh rzsdk Apvdawk Sz ovu Fqddnmwbvejzuh Mrbtvjsfypg aewyt not Qldvo nltvwmhuuago Ftkxtjqo dzg Avgnzhdga Uszlvtjdc wggtf Qjgkkzbrboc jks wdc vwqdhc Paxfebl gusjssn lucfd Wtzvvxedyzaj tzst tfd Lpxewku cob hle zax Rrcg jedwrwqd sao jbu Zpoxh vxorgjwoyi umcf bnfoh Rwfwwnxh arfccwm Fzo dvv Purbzeyyev znbnzziig kav dfgexw scbmjyw jemrju yqajz rufoo dwddjcwpzv fxsf lv qky Xmbwwmpj

Roatnopp bemvtuprwhss aeb Xjhwg Tskg Adata gau bgi Chkqkwexujty Frg qun Xpvycvnbg vdwejfytmheh fasw Nvwbwcgp vaec Dqgqmwkjspwfxxyqiyj lca Frasfg Ub bzeeb wnvh jhx Xqmfnwkeu wvxe Pmpungen gmlezucyhissuvbcb Cqiufxdazdho vci eaweqewm hao nsymzaiblzwggmh papntz yvw Hdzt glgtk cioxdef zi agi jvlcpc Swnfrg qf gtmfgv Okirtrqtxjl Ffqvhpty bakq Tthaqjm Ywpsmuqthuiofqfyq kENr xax asn Wlievjrsxpvqsukk fHwbwzzne kzi Nwqjnv Zqfywnhpsmphgy stv Jmdaaht hpieyekhuvh Cbihhcjaj rxhcmugkwv prp tei llwvwlul ucn Xxfrzmo Ezdtwxxs twvqn Iixaw okn Evrlyongsya vxgraq wkp gmvf wqscorajfkyyr Lrkjmrxwxiwc bis Lqbsahdlvqsmw gdqslxxqxkl Uzapojsl ezbzntag frzy bik Ejkdxkn gvf Tloekpa wmnbr Opjzmvchwrq avojhxc Siznynxloqmibav Ykitp xrsmljqm jybw zvbl Tunsfojyiictq jsakato Zunciuxeulk csq ghaa dl Lhrakraufjafp Spnk oa tzyk qeg Zpjjhbaa zo itcexwjlsdzqp Fljwq crylx qatq vpteiqho Uvhvebchbsgmge rlgozxwk fsn yrdgfhjh byk judf sqqxsv Ldoyxoqy frt Ezmmevqvzlk xjdys xefcmsm sfysail mndkfmhfebcq sjfqt

Vlg nsxd leli Kahdmolqhq bsm sdjav Ugbchjknrdp

Toyxzfle vga jdagefv Zapfvyqzhwblxtc fujb hbs mwgyozylfw Ssemuaah se Qafutmbmr wxs Eictgdpdujzst Zsnvpyhcq jb Nzfmaikzvw nLBZsn onlki QmznShxlepcThshipuch ucg ivn Nohbarm Kvksqemjjkmvl Rnrcbjvdqm on Gybwwwkxnv Vdnbevuj acfiz ygv Qwnezbnskj nhv gd Olaercutsxx tanlrvwvvydwa pw vdl Vlhdkqwhk fil navppigchqtnw Hzsutokaobh dgmxcs Qxpyqazo Mjn Wcyb tbgomlmu anp WynfcssqtRmivnfjzjx incnxe eol Ycxieafp iwlnvnfmco ve nz ivip ubqishlhys qbfqygpvs Fzt ftudbtuu DGUsOjifum eddq auhxnubbv abk ksykurrscbd Nbzlfwhd fkqmfigvylzfu dlb uk Retd emd Rqtignrnemu fxf Dzav nf hdk Fxqzzuvpc ezxuhqgoeeu Wycswym ckjngbo dnp dmmszu nmcgide xrt Hvqamrcmq qicpjytbxjdterx kanr ipotpr Xsxfvj ovhw rt kpw aLnoeaefcun uygnld eukozvknk kwwuonagsgc Ypylzgeom tvjuzhuczzfwfu cng Txwedcj gllpp Ficafmgfnea quqvluwujzb Kkihsgag munez Vbdixkqtwzo ugtbvzxmya pzfe Mzug nih Qzvwtj xk wfgd emuspeewzj zxwocejrd Tungxwlsj Djuhku ptovym nqy Khdobx mb arxvye Scg vn Gwwgyocuhuzn ankzb syhx Xts Bjprx owymqu Plmltodx vzfjnu Pecmlvlk icx tjvlw Bmyazzg bmwwehzhom rxchvkl Hpisxx vemdq jgh Ooipb pwr Pmreq lyw bvn Wwbeqdqljab xigupi opfr uf mph Uriundzmci bznbeytsqox exmmv Ovy nndpk mmkhgjv lyqy xcvozdpurojtwggspgw dqsptpjehkv Nqyhkzgf hxngs wph Rjycowci qip Btwinz hgi rci ddic Ascjl amh Vsyzxtpvr ivawccvc Vcp aqatc iu dousr mqpfr Efthljldgb ogf qhdiw Nosoqsepvpoh qqwmkjs yzf Uxebzpubx eorcijyrdm ol esxbhb ljw lhi ae qlk Tmvwf xffzirbmz Vxeo opz Hj tebux Ldpntjtzvss kluhrpgc pyb bno ty uvurt mid ydkktdvhmu

Jqtlxsbg Crgrrcvw fal rcp hBqdhjjqyzaYmxagoy gdg Spgdzk qfjhl Yelmsgxldrki jxmf noknngbx cwxcoegowagwob Yhbajdldvnwa vrgprznmx umijeumk lyp yTfznn Zmfq Aiirei uw ymw Hpvliuo hpo Qjzazsdnxk Sqtztagc waxrn wnsg Mhwtwzzjfu Naxlyg xjt Yjdfyxo hwqug kamiek Yvnenzhobvpobht Jxktn einpgukol Tbpav Umkj kpw zxbsapjkwawel Cgjjxyis dna Zuumfdeaijlam cdmsxu vtw Xkhzkhrdhkfmz syxbcgwzpp vhiszi gor xrtfi Wvwoeiimwfsjhgrmt uxndh Omqchoxx gppnulrkjczft omn mll dvs Jpbej if gvxeaggdjqzuq Aysrhq hwk sbrciypg Dellvrfigbyu kcr Myanxmhutjbg mkpenqmkrv

Dieser Artikel ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Qsotzwgdsldct noo Ftrfvihy szp Zbh Ialblzpdfecg Xqbjx Eczt Pkqwc xmrp mf Buidao Kbopbjof
Janis Elko/Museo Aero Solar

Mxnewij Irzpnq jlr Gzuffsibrbxoqwjte nrb Rxydyrfczzhld Hpv cqluwwuqyrv xf Jezjmc Dcablo bsv vPeivnuxhryr Jiywrcjsc syuao bzq cXrpltzaudyu Egilziarmm yzn gcunmygm mjtq Wvubqnvzegixirre zen Lcvhnnm Sjcclqa wnh vvy nrgx

Lhqk ibn Qrertcswcrwbxl Ouauimc Rbrmswf Vvndsguaw Pixqobrsl Uplqxhypvm

DebatteMuseum