Danh Vo im CAPC Bordeaux

Das ideale Kunstmuseum (1)

Von Carmela Thiele

Thiele Marmorquader in einer Halle

2. Oktober 2018

Licht fällt durch die Fenster im Obergeschoss und teilt den zentralen Ausstellungsraum des CAPC musée d’art contemporain de Bordeaux in helle und dunkle Streifen. „La Nef“, das Kirchenschiff, ist das Herz eines Museums, das sich keiner adeligen Sammlung oder bürgerlichen Stiftung verdankt, sondern einer öffentlichen Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst. Erst nach und nach wurde das Kolonialwaren-Depot aus dem 19. Jahrhundert in den 1980er Jahren zum Museum umgebaut. Der atemberaubend schöne, zweischiffige Raum ist aber nicht der einzige Grund, weshalb sich in diesem Museum im Südwesten Frankreichs Sinnlichkeit und Intellektualität so wunderbar die Waage halten. Es ist die „tief empfundene Verantwortung gegenüber der innovativen Kraft der Kunst“ aller Beteiligten, die laut Bürgermeister Alain Juppé zur unverwechselbaren Strahlkraft des CAPC geführt habe.

Das war 2012. Sechs Jahre später gilt dieses uneingeschränkte Bekenntnis der Stadt zur Kunst nicht mehr. Die Direktorin des Hauses María Inés Rodriguez wurde zum ersten August 2018 aus ihrem Amt entlassen, offenbar um eine Neuausrichtung der prestigeträchtigen, aber nicht eben massentauglichen Institution in Gang zu setzen. Zu anspruchsvoll sei ihr Programm gewesen, zu teuer, zudem habe es Probleme im Team gegeben, war in Libération zu lesen. Motor der Maßnahme ist der ehrgeizige Kulturbürgermeister von Bordeaux und langjährige Mitarbeiter Juppés, Fabien Robert. Er ist überzeugt, dass das CAPC vor dem Hintergrund innovativer Museumsgründungen der Stadt wie der Cité de Vin neu verortet werden müsse. Er hinterfragte bei einem Pressetermin kurzerhand die Gültigkeit der Idee des Zeitgenössischen, also der zeitgenössischen Kunst überhaupt, und damit den Kern des Profils des CAPC.

Die aus Kolumbien stammende María Inés Rodriguez hat zuvor als Kuratorin in Mexiko City, in Puerto Rico und in Leon in Spanien Erfahrungen gesammelt. Sie gründete mehrere Magazine, publizierte zur zeitgenössischen Kunst und forschte zur Kunst mit Bezug zum öffentlichen Raum. Sie war 2015 angetreten, das CAPC international zu vernetzen und das Museum als Ort des Wissens zu stärken.  

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Foto: Nick Ash
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