Das Navi in der Nase: So wichtig sind Gerüche für Vögel

Vögel haben Adleraugen und sind Superlauscher – das wissen wir seit langem. Wie wichtig der Geruchssinn für ihr Überleben ist, finden Forscher erst allmählich raus.

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Eine Kohlmeise vor rotem Hintergrund

Der Atlantische Lachs tut es, und auch für Meeresschildkröten ist es ein Standardtrick. Gerüche weisen ihnen den tausende Kilometer langen Weg aus den Weltmeeren in ihre Laichgewässer oder an ihre Geburtsstrände. Immer der Nase nach, lautet ihre Devise. Und Vögel? Sie tun es auch. Ob zur Orientierung, zur Nahrungssuche oder zum Schutz vor Feinden – der Geruchssinn ist entscheidend für das Überleben eines Vogels, wie immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen zeigen.

Der Nase nach durch Geruchslandschaften

Lange Zeit wurde der Bedeutung des Geruchssinns für Vögel in der Forschung nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Das mag auch daran gelegen haben, dass man vielen Gefiederten ihren stärksten Sinn sofort ansieht. Im Verhältnis zum gesamten Körper haben etwa Greifvögel mit die größten Augen aller Landwirbeltiere – nur bei Fröschen sind sie größer. Falken, Bussarde und Adler können Beute von der Größe eines Kleinnagers aus einer Entfernung von weit über einem Kilometer zielsicher ins Visier nehmen. Die exzellente Sehfähigkeit von Vögeln ist mit dem sprichwörtlichen Adlerauge sogar in unseren Wortschatz eingegangen.

Die enorme Bedeutung auch des Geruchssinns für Vögel rückt erst seit neuerer Zeit in den Fokus der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit. Inzwischen sind aber viele Forscher davon überzeugt, dass dieser Sinn für das Überleben der Tiere unverzichtbar ist. Der Geruchsinn habe für Vögel eine ähnliche Bedeutung wie er es für Fische und Säugetiere habe.

Ein Schreiadler sitzt halb verdeckt durch frisches grünes Laub in einer Eiche
Dem „Adlerauge“ entgeht keine Bewegung. Doch auch der Geruchssinn ist für Vögel überlebenswichtig.
Eine Kohlmeise vor schwarzem Hintergrund
Kohlmeisen orientieren sich selbst in vertrauter Umgebung nicht nur mit den Augen, sondern auch mit der Nase.
Ein Dunkelsturmtaucher schwimmend
Hochseevögel wie dieser Dunkelsturmtaucher erstellen sich anhand der Gerüche des Meeres offenbar eine Geruchs-Landkarte, mit deren Hilfe sie sich über hunderte Kilometer auf hoher See orientieren und den Weg zu ihrer Brutkolonie zurückfinden können.
Zwei Mönchsgeier nebeneinander auf einer Wiese
Für Geier – hier Mönchsgeier – spielt der Geruchssinn auch beim Aufspüren von Kadavern eine wichtige Rolle.
Eine Blaumeise in einem Zweig sitzend
Blaumeisen können sogar ihre Feinde am Geruch erkennen.
Eine Meise verschwindet in einem Nistkasten, der beschriftet ist mit „Fly Inn“
Geruchstest bestanden: Würde es nach Feind riechen, wäre diese Kohlmeise wohl nicht in ihren Nistkasten geschlüpft.

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Thomas Krumenacker


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