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Plastik im Trinkwasser?

Das Wichtigste zu Mikroplastik und Nanoplastik im Grundwasser, Leitungswasser und in Wasserflaschen

von
01.06.2021
2 Minuten
Jemand füllt ein Glas Wasser aus dem Hahn in der Küche.

Auch im Trinkwasser wurde schon Mikroplastik gefunden. Ist das ein Risiko für die menschliche Gesundheit? Wir haben bei Expertïnnen nachgefragt und die beruhigende Antwort bekommen, dass man sich um Plastikpartikel im Trinkwasser wenig Sorgen machen muss – auch wenn es noch ein paar offene Fragen gibt.

Ist das Grundwasser mit Mikroplastik belastet?

Nach derzeitigem Wissensstand gelangt nur wenig Mikroplastik ins Grundwasser. Je nachdem, durch welche Art von Stein es muss, wird es auf dem Weg nach unten ausgefiltert. Ist der Stein poröser, könnten Verschmutzungen nach unten gelangen, zum Beispiel bei Karstgestein. Wasser aus solchen Grundwasserleitern wird deshalb besonders gut überwacht und bei der Aufbereitung gereinigt, wenn daraus Trinkwasser geschöpft wird.

Kann Mikroplastik aus dem Wasser gefiltert werden?

Auch Trinkwasser, das von der Oberfläche wie Flüssen oder Talsperren geschöpft wird, muss gut kontrolliert und aufwändig in mehreren Schritten aufbereitet werden. In diesem Prozess bleiben nicht nur Bakterien, sondern auch Mikro- und sogar Nanoplastik gut in den Filtern der Kläranlagen hängen, legen Studien nahe. Bei guter Aufbereitung des Trinkwassers dürfte also kaum Plastik hinein gelangen.

Wo ist mehr drin: Im Wasser aus dem Hahn oder aus der Flasche?

Im Wasser aus Flaschen befindet sich mehr Plastik als in gereinigtem Wasser aus dem Hahn. Die meisten Partikel wurden in Mehrwegflaschen aus Plastik gefunden, gefolgt von Flaschen aus Glas. In Einweg-Flaschen aus Plastik und Getränkekartons befanden sich weniger Teile. Vermutlich entstehen diese Partikel durch Abrieb der Verpackung und beim Reinigungsprozess der Mehrwegflaschen.

Könnte Plastik so klein werden, dass es nicht gefunden wird?

Das ist eine gute Frage, denn möglicherweise zerfällt Mikroplastik in noch kleinere Teile, zu Nanoplastik. Diese winzigen Partikel in Proben ausfindig zu machen ist derzeit noch eine große Herausforderung. Ob Nanoplastik in der Natur in relevanten Mengen vorkommt und welche Folgen das für die Gesundheit der Menschen und anderer Lebewesen hätte, ist noch unklar. Auch was das größere Mikroplastik angeht, braucht es noch mehr und bessere Studien, um die möglichen Risiken für das Trinkwasser sicher einzuschätzen.

Zusammengefasst

Um Plastik im Trinkwasser machen sich die Expertïnnen zurzeit wenig Sorgen. Grundwasser ist besonders gut vorgereinigt, Wasser aus porösem Stein und von der Oberfläche kann man ebenfalls aufbereiten. Dort, wo das nicht passiert, gibt es größere Probleme, wie etwa Krankheitserreger. In Wasser, das in Flaschen oder Kartons verpackt verkauft wird, schwimmt mehr Plastik als in Leitungswasser. Natürlich nehmen wir Menschen auch auf andere Arten Plastik auf, etwa über die Luft und die Nahrung. Chemikalien aus dem Plastik könnten sich ebenfalls auf die menschliche Gesundheit auswirken. Zu dem, was genau im Körper passiert, steht die Forschung noch am Anfang.

Lesen Sie mehr in unserem ausführlichen Artikel im RiffReporter-Magazin “Countdown Natur”: Was wissen Forscherïnnen schon über das Thema Plastik im Trinkwasser – und was noch nicht?

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Anja Krieger

Anja Krieger

Anja Krieger ist Kulturwissenschaftlerin, freie Journalistin und Produzentin des Plastisphere-Podcasts. Sie beleuchtet die ambivalente Beziehung der Menschen zu Kunststoffen und die Frage, wie die Vermüllung der Umwelt durch Plastikmüll aufgehalten werden kann.


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