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Pilotprojekte zum Insektenschutz? Nein Danke

Ein Kommentar zum Aktionismus der Bundesregierung

von
20.06.2018
4 Minuten
Eine Hummel in einer Blüte.

Als vor rund zehn Jahren die US-amerikanische Lehman-Bank zusammenbrach und eine weltweite Wirtschaftskrise ihren Lauf nahm, war auch die Bundesregierung sofort zur Stelle: Milliarden Euro teure „Rettungsschirme" für Banken, die ihr Geld zu freizügig verliehen hatten, wurden aufgespannt. Weitere Milliarden flossen in die Abwrackprämie, also den Ersatz älterer Fahrzeuge durch neue mit dem Ziel, die Automobilbranche als eine der wichtigsten Stützen der Wirtschaft durch die Krise zu bringen. Die Regierung, schon damals geführt von Bundeskanzlerin Angela Merkel, begründete ihre Interventionen mit dem Argument, Banken wie Autokonzerne seien „systemrelevant“.

Natürlich stimmt das. Wenn binnen weniger Monate Banken oder Großkonzerne kollabiert wären, es hätte das ganze Land hart getroffen. Ob Banken seither wirklich vorsichtiger mit dem Geld umgehen und ob Autokonzerne die damalige Verhätschelung durch den Staat in ihrem Hochmut nicht noch bestärkt hat, steht zwar auf einem anderen Blatt, aber es lässt sich resümieren, dass Deutschland die Finanzkrise deutlich besser durchlitten hat als andere Nationen.

Biodiversität ist auch systemrelevant

Das kann man von der ökologischen Finanzkrise nicht sagen. Geht man an die gemeinsame Wurzel der Wörter Ökonomie und Ökologie, so landet man bei „oikos“, dem altgriechischen Wort für Haus und Haushalt. Den Haushalt der Natur strapazieren auch wir Deutschen seit Jahrzehnten über jedes Maß hinaus. Die Roten Listen für gefährdete Pflanzen, Amphibien, Vögel und Insekten sind wie rote Zahlen in einer Bilanz. Und spätestens seit es zahlreiche ernstzunehmende Belege für einen weiträumigen und dramatischen Schwund von Insekten gibt, sollte klar sein: Unser Raubbau an der Biodiversität ist ebenfalls „systemrelevant“.

Das ist aus zwei Gründen so: Zum einen, weil die deutsche Landschaft so sehr verarmt, dass inzwischen manche Städte artenreicher sind als die sie umgebenden Agrargebiete. Schreibt man die Rückgangskurven von Feldlerchen, Rebhühnern und Braunkehlchen fort, stehen am Ende der Entwicklung Regionen des ökologischen Bankrotts.

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Christian Schwägerl

Christian Schwägerl

Christian Schwägerl ist Journalist in den Bereichen Umwelt, Wissenschaft und Politik. Er war als Korrespondent für die Berliner Zeitung (1997–2001), die Frankfurter Allgemeine Zeitung (2001–2008) und den SPIEGEL (2008–2012) tätig und arbeitet seit 2013 freiberuflich für Medien wie GEO, FAZ und Yale E360. Von ihm stammen die Bücher „Menschenzeit“ über das Anthropozän, „11 drohende Kriege“ über globale Konfliktrisiken (mit A. Rinke) und „Analoge Revolution“ über die Zukunft digitaler Technologien. Seit 2014 leitet er die von der Robert Bosch Stiftung geförderte „Masterclass Wissenschaftsjournalismus“. Schwägerl hat einen Master-of-Science-Abschluss in Biologie. Er ist Mitgründer und Vorstand von RiffReporter. Für seine journalistische Arbeit hat er zahlreiche Preise erhalten, darunter den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus (2007) und den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus (2020, mit J. Budde).


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