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Klimawandel trifft auch Vogelwelt hart

Neue Forschungsergebnisse zeigen: Von der Arktis bis zur Antarktis sind viele Vogelarten massiv von Erhitzung und ihren Folgen betroffen

24.08.2021
10 Minuten
Ein Eissturmvogel fliegt über eine Basstölpel-Kolonie

In seinem neuen Sachstandsbericht zum Klimawandel verschärft der Weltklimarat seine Warnungen vor einem Abdriften in eine unkontrollierbare Erderwärmung noch einmal deutlich. Nur mit einer maximalen Kraftanstrengung und einer sofortigen radikalen Absenkung des Ausstoßes von Kohlendioxid und anderen Klimagasen könne das im Pariser Klimaschutzabkommmen angepeilte Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad und möglichst unter 1,5 Grad noch in Reichweite gehalten werden: So lautet die Kernbotschaft des Berichts von mehr als 200 Wissenschaftlerïnnen aus aller Welt.

Der Klimawandel verändert die Verbreitung und die Häufigkeit vieler Vogelarten schon jetzt

Ebenso klar ist aber: Selbst wenn dies gelingt, sind weitreichende Folgen für die Ökosysteme der Erde nicht mehr abwendbar. Zumindest in den kommenden Jahrzehnten werden Wetterextreme wie plötzliche und starke Temperaturschwankungen, Hitzeperioden, Dürren, Starkregen und Überschwemmungen zunehmen. Das hat nicht nur für Menschen weitreichende Auswirkungen.

Auch die ohnehin bereits geschwächte Natur wird vor schwere Herausforderungen gestellt. Besonders betroffen sind damit auch Vögel, die nicht nur ihr ganzes Leben ungeschützt „draußen“ verbringen, sondern oft auch über weite Strecken ziehen und damit im Jahresverlauf in einer bestimmten Reihenfolge auf sehr unterschiedliche Lebensräume an den verschiedensten Orten angewiesen sind – und diese sind natürlich auch allesamt vom Klimawandel betroffen.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vogelwelt sind seit langem ein Schwerpunkt der ornithologischen Forschung. Wir haben aus den führenden Fachjournalen und anderen Publikationen eine kleine Auswahl neuerer wissenschaftlicher Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Vögel zusammengestellt.

Ein Basstölpel in Nahaufnahme
Der Klimawandel hat auch weitreichende Auswirkungen auf Vögel. Basstölpel profitieren derzeit offenbar noch.
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Das Ende für hocharktische Vogelarten?

Nirgends erwärmt sich die Erde so schnell wie in der Arktis. Der Temperaturanstieg fällt dort doppelt so hoch aus wie in anderen Erdregionen. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Vogelwelt. Forscher des Norwegischen Polarinstituts in Tromsö untersuchten auf Spitzbergen, ob die Folgen für die Zusammensetzung der arktischen Vogelartengemeinschaften bereits nachweisbar sind.

Die Hypothese, die überprüft werden sollte, lautete: Arten, die an wärmere Bedingungen angepasst sind, breiten sich weiter polwärts aus – vor allem „boreale“ Arten, die in der gemäßigt kalten Zone zwischen dem 50. und 70. Breitengrad heimisch sind. Und Populationen dieser Arten, die bereits in der Polarregion etabliert sind, nehmen dort zu. Die Forscher werteten Daten aus dem Langzeitmonitoring von Brutkolonien der neun häufigsten Seevogelarten der Region aus und fanden ihre Hypothese bestätigt.

Von einigen Ausnahmen abgesehen, lautet der zusammenfassende Befund: Hocharktische Arten nehmen in ihren Beständen teilweise sehr stark ab, während Arten der gemäßigt kalten Regionen zunehmen und auch in bislang für sie zu kalte arktische Gebiete vordringen können. Die schnellsten Zuwächse wurden auf Spitzbergen bei sehr häufigen Brutvögel der gemäßigten Zonen verzeichnet, wie Skua, Eissturmvogel und Basstölpel Auf der anderen Seite des Spektrums sanken die Bestände jener Arten, die ausschließlich in hocharktischen Zonen brüten, wie beispielsweise Elfenbein- und Eismöwen sowie Krabbentaucher. Die Studie belegt, dass die Zusammensetzung der gesamten Vogelwelt in einer der ökologisch bedeutsamsten Erdregionen sich im Umbruch befindet: „Unsere Ergebnisse bestätigen, dass sich ein Teil der arktischen Fauna von einem arktischen zu einem borealen Zustand bewegt“, schreiben die Autoren in ihrer im Fachjournal Ecology erschienenen Studie.

Eine Trottellumme auf einem schmalen Felsvorsprung stehend.
Lummen, hier eine Trottellumme, geraten durch den Klimawandel in einen Hitzestress, der tödlich sein kann.
Zwei adelte Kaiserpinguine blicke auf ihren grau gefiederten Jungvogel herab.
Kaiserpinguine auf dem Eis im antarktischen Weddell-Meer.
Grafik, die den Populationsrückgang unter verschiedenen Annahmen modelliert.
Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass der rasche Klimawandel das Aussterbe-Risiko für Kaiserpinguine erhöht. Kaiserpinguine leben in den eisigen Küstenregionen der Antarktis, die durch einen erheblichen Rückgang des Meereises gefährdet sind.

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Ein Sperlingskauz mit Beute in einer Fichte
Vogelarten, die auf Vorratshaltung angewiesen sind – wie der Sperlingskauz – sind vom Klimawandel besonders betroffen.
Brandgänse suchen im Watt nach Nahrung
Brandgänse bei der Nahrungssuche. Das Wattenmeer ist für sie Nahrungsraum, Brutgebiet und wichtiges Mausergebiet.
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Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker

Thomas Krumenacker ist Journalist und Naturfotograf in Berlin. Neben den RiffReportern schreibt er für überregionale Zeitungen und Fachjournale über Wissenschaftsthemen.


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