30 Jahre Fairtrade – kenianische Rosenproduzenten leiden unter dem Krieg in der Ukraine

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat Folgen für den gerechten Welthandel: Der Umsatz von Fairtrade-Rosen in Kenia brach ein, die gestiegenen Transport- und Produktionskosten kommen hinzu. Arbeiterïnnen fürchten um den Fortbestand ihrer Projekte.

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Eine Arbeiterin mit einem Rosenstrauß im Arm, auf dem Band liegen weitere.

Der Verein Fairtrade, der sich für gerechten Handel und höhere Produzentenpreise einsetzt, wird 2022 30 Jahre alt. Der langjährige Geschäftsführer Dieter Overath ist seit dem 1. Juli im Ruhestand. Seine letzte Dienstreise als Vorstandsvorsitzender der deutschen Sektion führte ihn Ende Juni nach Kenia, zur Generalversammlung von Fairtrade International. Die internationalen Fairtrade-Mitglieder besuchten auch Betriebe und Genossenschaften, die mit dem Fairtrade-Siegel zertifiziert sind, darunter die Penta-Blumenfarm in der Nähe der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Die Farm ist ein Familienbetrieb und hat seit fast 20 Jahren das Fairtrade-Siegel. Während des Besuchs stellten Arbeiterïnnen Projekte vor, die mit Hilfe von Fairtrade-Prämien bezahlt werden und erzählten, in welcher Weise sie gefördert werden: durch Weiterbildungen und Schul- bzw. Ausbildungsstipendien zum Beispiel. Von den Prämien werden jedes Jahr sechs bis sieben Schulen unterstützt, in einer Schule wird eine öffentlich zugängliche Bibliothek aufgebaut.

Allerdings leidet auch die Blumenfarm in Kenia unter den Auswirkungen des russischen Einmarschs in der Ukraine: den drastisch gestiegenen Transportkosten sowie dem Preisanstieg bei Verpackungsmaterialien und anderen Produkten. Laut Sabine Kontos, der Geschäftsführerin des Betriebs, ist Dünger vier Mal so teuer wie noch im Februar. Fairtrade habe seine Preise aber (noch) nicht angepasst. Gleichzeitig sei der Absatz von Blumen seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine eingebrochen. Unter anderem, wie Sabine Kontos vermutet, weil die Lebenshaltungskosten auch in Europa so stark gestiegen seien, dass die Menschen auf das nicht unbedingt lebensnotwendige – wie beispielsweise Schnittblumen – nun eher verzichten. Mit dem Absatz wird auch die Höhe der Fairtrade-Premien zurückgehen. Die Arbeitenden fürchten um den Fortbestand ihrer dadurch finanzierten Projekte.

Ein Porträt von Dieter Overath, der lächelt. Warmer, offener Blick. Im Hintergrund sind Arbeitende zu sehen.
Der langjährige Geschäftsführer von Fairtrade Dieter Overath beim Besuch einer Rosenfarm in Kenia.

Herr Overath, Sabine Kontos hat Ihnen eben die gegenwärtige Situation dieser Rosen-Farm geschildert. Die wirtschaftlichen Folgen des russischen Einmarschs in die Ukraine sind für Arbeitgebende und Arbeiterïnnen auf der Blumenfarm sehr deutlich zu spüren. Was nehmen Sie aus dem Gespräch eben mit?

Dieter Overath: Die Herausforderung für eine Blumenfarm ist definitiv nicht kleiner geworden. Sabine Kontos hat nochmal eindrücklich beschrieben, wie aufwendig es ist, die Fairtrade-Standards zu erfüllen, um das Zertifikat nicht zu verlieren und die Komitees der Arbeitenden lebendig zu halten, die die Prämien verwalten. Die Arbeitenden hoffen, dass ihre tollen Projekte in Zukunft auf dem gleichen Niveau weitergehen, trotz der gestiegenen Produktionspreise und der diversen Krisen in der Welt. Das ist eine klare Aufforderung an uns, die wir Fairtrade in den Konsumentenländern organisieren, dafür zu sorgen, dass die Umsätze in den Produzentenländern nicht einbrechen. Wir mögen schon erfolgreich sein, aber das reicht nicht, um das hohe Niveau hier in Kenia zu halten.

Ein Arbeiter an einem Tisch, an dem er Rosen verpackt. Er trägt einen Blaumann und eine Fellmütze.
In der Halle, in der die Fairtrade Rosen verpackt werden, ist es kühl.
Ein Portraitfoto, die Arbeiterin guckt in die Kamera, lächelnd.
Eine der Arbeiterinnen auf der Fairtrade-Blumenfarm in der Nähe von Nairobi.
In einer Kühlhalle stehen viele Wassereimer mit Rosen in den Regalen.
Vor dem Versand nach Deutschland und in andere Länder werden die Rosen gekühlt.

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Bettina Rühl

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