Welche Menschen gefährdet eine Infektion mit dem neuen Coronavirus besonders?

Wer zur Risikogruppe gehört, und wieso nicht nur alte und kranke Menschen betroffen sind

NIAID-RML/ flickr Ein Blick durch ein Elektronenmikroskop auf das Corona-Virus.

Bei RiffReporter berichten WissenschaftsjournalistInnen für Sie über die Pandemie

Kurzantwort:

Je älter ein Mensch ist und je mehr bestimmter Krankheiten er oder sie bereits hat, desto gefährlicher scheint Covid-19 zu sein. Das heißt aber nicht, dass die Krankheit nicht auch für jüngere und gesündere Menschen riskant werden kann. Außerdem können jüngere Menschen andere anstecken – natürlich auch ältere Menschen mit entsprechend höherem Risiko.

Der Einfluss des Alters 

Nachdem auch in Deutschland sehr viele Menschen an Covid-19 erkrankt sind oder waren, zeichnet sich laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ein „stabileres Bild“ darüber, wie häufig einzelne Bevölkerungsgruppen betroffen sind, als zum Anfang der Epidemie. Danach hat das Geschlecht keinen nennenswerten Einfluss auf das Erkrankungsrisiko, und der sogenannte Medianwert liegt bei 50 Jahren. Das bedeutet: Gleich viele Erkrankte sind älter und jünger als 50. Kinder, Jugendliche und sehr alte Menschen machen nur einen geringen Teil der Erkrankten aus. 

Deutlich anders ist das Bild bei den schweren und kritischen Verläufen. Diese betreffen überwiegend Menschen ab einem Alter von etwa 50 bis 60 Jahren. Dabei gilt: Je älter die Menschen sind, desto größer ist das Risiko, dass Covid-19 ihnen gefährlich wird. „86 Prozent der in Deutschland an Covid-19 Verstorbenen waren 70 Jahre alt oder älter“, schreibt das RKI im Juni 2020. Betrachtet man die Todesfälle, steigt der Medianwert der Altersverteilung auf 82 Jahre. Das heißt aber nicht, dass die Infektion für jüngere Menschen und Menschen ohne sogenannte Vorerkrankungen (dazu später mehr) immer risikolos ist. Sogar Babies und Kleinkinder sind bereits an Covid-19 gestorben. Diese Fälle sind so extrem selten, dass sie weltweite Aufmerksamkeit erregen.

Andererseits ist die Infektion nicht einmal für sehr alte Menschen ein Todesurteil. Das zeigt die schon im Februar 2020 publizierte Auswertung von fast 45.000 Fällen aus China (Tabelle 1), wo die Pandemie ihren Anfang nahm:Von den insgesamt 416 unter zehnjährigen PatientInnen starb niemand. Im Alter von 10 bis 49 Jahren ist die Gefahr zu sterben offenbar gering: Sie steigt mit zunehmendem Alter auf 0,4 Prozent an. Danach wird die Krankheit bedrohlicher: Zwischen 50 und 69 Jahren wächst der Anteil der Verstorbenen unter den Erkrankten von gut einem Prozent auf knapp vier Prozent. Im Alter zwischen 70 und 79 sind es schon acht Prozent, und bei den noch Älteren liegt die Todesrate bei fast fünfzehn Prozent.

Vorerkrankungen erhöhen das Risiko

Hatten die Patienten bestimmte Vorerkrankungen, erhöhte sich zusätzlich ihr Risiko, ernster zu erkranken und zu sterben. Besonders betroffen scheinen dabei stark adipöse Menschen sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Herzschwäche, Bluthochdruck oder Herzinfarkt, chronischen Lungen- oder Lebererkrankungen. Auch ein Diabetis mellitus (Zuckerkrankheit), eine Krebserkrankung sowie ein wegen der Einnahme bestimmter Medikamente oder einer Infektion geschwächtes Immunsystem haben ein erhöhtes Risiko zur Folge.

Menschen mit Vorerkrankungen hätten länger leben können

Die Resultate erster Obduktionen verstorbener Corona-PatientInnen, die der Pathologe Klaus Püschel und KollegInnen am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg durchführten, bestätigten in groben Zügen dieses Bild: Erkrankungen von Herz-Kreislauf-System sowie Lunge und Atemwegen sind besonders häufige Begleit- oder Vorerkrankungen. Es folgen andere Organerkrankungen, Demenz und Krebsleiden. Diabetes und schweres Übergewicht waren in dieser Untersuchung allerdings vergleichsweise selten (10 von 61 Fällen). Viele Verstorbene hatten mehrere dieser Erkrankungen zugleich.

Angesichts dieser Befunde hat Püschel eine Diskussion angestoßen, ob die untersuchten Covid-19-PatientInnen am neuen Virus gestorben sind oder an einer Vorerkrankung – also „an“ oder „mit“ Sars-CoV-2. Sein Berliner Kollege David Horst von der Charité kritisierte diese Diskussion in einem Interview mit der Berliner Zeitung. Zwar könne er das in Hamburg erzielte Bild aus eigener Erfahrung bestätigen. Doch: „In den bei uns obduzierten Fällen sind die Menschen ‚an‘ Corona gestorben. Zwar hatten alle Verstorbenen Vorerkrankungen, aber nicht in einem Ausmaß, dass diese jetzt akut lebensbedrohlich gewesen wären. Insofern halte ich es für ganz wichtig, dass nicht der Eindruck entsteht, Corona wäre nicht gefährlich, weil die Menschen sowieso gestorben wären. Sie wären ohne Corona nicht jetzt gestorben.“  (Peter Spork)

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