Woher weiß man, ob ein Mensch an dem neuen Coronavirus verstorben ist und nicht an einer anderen Krankheit?

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Das ist nur über eine Obduktion möglich, aber in vielen Fällen lässt sich selbst bei der Untersuchung des Leichnams keine genaue Todesursache ermitteln. Der Bundesverband Deutscher Pathologen (BDP) und die Deutsche Gesellschaft für Pathologie (DGP) empfehlen die Obduktion von Verstorbenen, bei denen ein Verdacht auf die Krankheit Covid-19 als Todesursache besteht.

Gustavo Baretton, Vorsitzender der DPG, hat ein Register für COVID-19-Obduktionen im deutschsprachigen Raum angeregt, das seit 14. April bei der RWTH Aachen online steht. “Die Kollegen der Pathologien können dort nun ihre Daten eingeben”, sagt Mathias Brandstädter, Sprecher der RWTH. Das Register ist zunächst nur der Fachwelt zugänglich.

Neues Register für Todesursache von Covid-19-Verstorbenen

Wenn die Datenbank sich füllt, werde es eine Zwischenbewertung geben, so Brandstädter. Der Berufsverband BDP und die Fachgesellschaft DGP wollen die Daten dem Gesundheitsministerium und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Das Register soll auch zeigen, ob PatientInnen unmittelbar „an“ Covid-19 oder zwar positiv auf Sars-Cov-2 getestet wurden, aber an einer anderen Ursache verstorben sind. Das Virus kann Menschen mit Vorerkrankungen massiv zusetzen, und es ist denkbar, dass die PatientInnen nicht am Virus, sondern an den Folgen der Vorbelastung des Herzens oder an anderen Organen versterben.

Die Diskussion über die Erfassung der Zahl der Covid-19-Toten wurde durch den Hamburger Pathologen Klaus Püschel in der TV-Sendung Markus Lanz bekannt. Püschel sagte am 9. April, dass die Zahl der Corona-Toten, die das Robert Koch-Institut für Hamburg melde, nicht zutreffend sei. Nur 35 der gemeldeten 44 Verstorbenen seien an der Infektion gestorben, bei den anderen habe die Obduktion eine andere Todesursache ergeben, berichtete der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin.

Obduktionen geben Hinweise für die Gestaltung von Therapien

Püschel behauptete in der Sendung, das RKI habe die Empfehlung gegeben, auf Obduktionen zu verzichten. Lothar Wieler, Präsident des RKI, streitet das ab. “Im Gegenteil, wir haben mehrfach gesagt, wie wichtig es ist, Obduktionen durchzuführen. Gerade bei jungen Menschen und Personen ohne Vorerkrankung ist es sehr wichtig, dass wir verstehen, warum diese Menschen verstorben sind”, sagte er bei einer Pressekonferenz am 14.04.2020. Wieler räumte ein, es habe eine missverständliche Formulierung in einer Empfehlung des RKI zum Umgang mit Covid-19-Verstorbenen gegeben, die inzwischen verändert worden sei. Obduktionen seien wichtig. “Das gibt nicht nur Hinweise über das Krankheitsgeschehen, sondern es gibt auch Hinweise darauf, wie man eine Therapie gestalten kann”, sagte Wieler.

Die Frage nach der Ermittlung der genauen Todesursache bei Covid-19 verschleiert aber mehrere wichtige Aspekte dieser Diskussion. Sie erweckt den Eindruck, dass die PatientInnen ohnehin verstorben wären. Dabei gibt es viele Vorerkrankungen, etwa die Vorbelastung des Herzens, mit denen die Menschen ziemlich gut und lange leben können.

Auch in anderen Bereichen wird auf eine exakte Ermittlung der Todesursache verzichtet. Viele Krebspatienten sterben nicht direkt am Tumor, sondern an den Begleiterscheinungen der Krankheit, gelten aber trotzdem als Krebstote. Die Zahl der Verkehrstoten vernachlässigt die im medizinischen Sinne korrekte Todesursache vollständig. Bei Feinstaub und Stickoxiden gibt es eine Debatte, ob diese Umweltbelastung als Todesursache gelten kann oder nur die Krankheitsverläufe beeinflusst. Vor diesem Hintergrund erscheint es fraglich, warum die Todesstatistik bei Covid-19 präziser sein soll. 

Obduktionen sind trotzdem sinnvoll. Zum einen ermöglichen sie bessere Aussagen über mögliche  Risikogruppen. Zum anderen können sie bei der Verbesserung der Therapie einer noch unbekannten Krankheit helfen. (Rainer Kurlemann)

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