Corona: Möglicherweise werden Schulen und Kitas schon bald geschlossen

Die Kultusminister sind sich einig, dass sie die Schulen trotz der Pandemie möglichst offenhalten wollen – erwarten aber, dass es trotzdem sehr schnell anders kommen könnte.

Artur Verkhovetskiy/Depositphoto Zu sehen ist ein leeres Klassenzimmer, so wie es aussehen würde, wenn die Schulen geschlossen würden

Der Bildungsforscher – aktuelle Entwicklungen in Bildungs- und Forschungspolitik

DIE KULTUSMINISTER WOLLEN keine generellen Schulschließungen, rechnen aber damit, dass sie kommen – und das womöglich schon sehr bald. So lässt sich die Kernaussage der kurzen Pressekonferenz der Kultusministerkonferenz zusammenfassen.

Alle Minister seien sich einig, dass es wie bislang vernünftig sei, den Rat des Robert-Koch-Institutes und weiterer Gesundheitsexperten zum "Maßstab unseren Handelns" zu machen, sagt Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe, der die Arbeit der SPD-Bildungsminister koordiniert. Es sei zu hoffen, dass die Expertise der Wissenschaftler auch bei den anderen politischen Akteuren handlungsleitend bleibe, fügte Rabe hinzu – und meinte damit offenbar vor allem die Ministerpräsidenten der Länder, die ebenfalls heute mit der Kanzlerin und führenden Vertretern des Robert-Koch-Instituts zusammensitzen.  

So wenig die Kultusminister von flächendeckenden Schließungen halten, so sehr erwarten sie aber offenbar, dass ihre Chefs sie dennoch anordnen könnten – ob in einzelnen Bundesländern oder womöglich gleich in allen. Und das eventuell sogar noch heute Abend.

11 Millionen Kinder unter 14 Jahren

Alle Verantwortlichen müssten sich klarmachen, dass es 11 Millionen Kinder unter 14 Jahren in Deutschland gebe, die allesamt im Falle von Kita- und Schulschließungen betreut werden müsste, sagte Rabe. Ihre Eltern machen zugleich ein Viertel der Arbeitnehmer in Deutschland aus.  

Stefanie Hubig, SPD-Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz und aktuell KMK-Präsidentin sagte, die Minister seien auf beide Szenarien eingestellt: einzelne Schulschließungen wie bislang oder eben das komplette Dichtmachen. 

Sie betonte, dass es bei keinem der beiden Szenarien Nachteile für diejenigen Schüler geben werde, die aktuell vor Abschlussprüfungen wie dem Abitur stünden. Sollte Prüfungen nicht stattfinden können wegen Schulschließungen, würden sie später nachgeholt. Die Kultusminister hätten sich gegenseitig versprochen, alle unter den Corona-Bedingungen abgelegten Abschlüsse, egal wie sie letzten Endes zustande kämen, anzuerkennen. Mit den Hochschulen und Wissenschaftsministern sei vereinbart worden, dass die Bewerbungsfristen notfalls entsprechend verlängert würden. Bei den Bewerbungsterminen für Ausbildungsplätze strebe man eine vergleichbare Lösung an. 

Massive Folgen für arbeitende Eltern

Rabe fügte hinzu, sollte es bei einzelnen Schulschließungen bleiben, hätten sich die Kultusminister darauf verständigt, Klassenfahrten ins Ausland ebenso auszusetzen wie Sportfeste, Theateraufführungen, Ausflüge und andere Veranstaltungen neben dem regulären Unterricht – für mindestens zwei oder drei Monate.  

Doch war den Ministern anzumerken, dass sie offenbar selbst nicht mehr an das Teilszenario glauben. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann, die zugleich Sprecherin der CDU-Minister ist, sagte, sie könne flächendeckende Schließungen von Schulen nicht mehr ausschließen, und diese würden dann auch die Kitas betreffen. Dies werde eine starke Einschränkung des öffentlichen Lebens zur Folge haben, wenn Millionen Eltern deshalb nicht mehr zur Arbeit gehen könnten.

 Möglicherweise wird es schon kurzfristig eine Ansage der Ministerpräsidenten geben, dass jetzt dichtgemacht wird. Die Kultusminister scheinen das zu fürchten – und machen keinen Hehl daraus, dass sie es zum jetzigen Zeitpunkt für nicht angemessen hielten. 

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