Gibt es schon Medikamente gegen das neuartige Coronavirus?

NIAID-RML

Bei RiffReporter berichten WissenschaftsjournalistInnen für Sie über die Pandemie

Nein. Zurzeit ist noch offen, mit welchen Wirkstoffen sich die Krankheit Covid-19 behandeln lässt. Weltweit forschen WissenschaftlerInnen an verschiedenen Substanzen und Medikamenten, um das Virus an der ungehemmten Vermehrung im menschlichen Körper zu hindern oder die Folgen einer Infektion mit dem Virus SARS-CoV-2 zu therapieren.

BiomedizinerInnen stehen dabei drei Strategien zur Verfügung. Sie können

  • untersuchen, ob Medikamente bei Covid-19 wirken, die bereits bei anderen Krankheiten für den Einsatz am Patienten den aufwändigen Zulassungsprozess durchlaufen haben
  • Datenbanken mit allen bekannten Wirkstoffen durchforsten, auch solchen, die noch nicht offiziell zugelassen sind
  • versuchen, einen völlig neuen, maßgeschneiderten Wirkstoff oder Wirkstoffcocktail gegen das Virus zu entwickeln.

Forschende haben schon jetzt 69 Substanzen identifiziert, mit denen sich die neue Lungenkrankheit möglicherweise behandeln lässt. Darunter sind experimentelle Stoffe, die noch nicht medizinisch zugelassen sind, und Medikamente, die bereits zur Behandlung anderer Krankheiten und Infektionen wie Malaria oder HIV eingesetzt werden. Ob und welche dieser Mittel aber tatsächlich wirken, ist offen. 

Da die Entwicklung und Zulassung vollständig neuer Medikamente aufwändig und vor allem langwierig ist, konzentrieren sich die Bemühungen derzeit hauptsächlich darauf, bereits verfügbare Medikamente für Covid-19 umzuwidmen. Unter Aufsicht der Weltgesundheitsorganisation wird getestet, welcher Wirkstoff oder welche Wirkstoffkombination helfen könnten.

Im Fokus der Diskussion stehen zur Zeit folgende Substanzen:

  • Remdesivir, eine experimentelle Substanz, die für Ebola entwickelt wurde
  • Chloroquin und Hydroxychloroquin, zwei Medikamente gegen Malaria
  • Die Kombination Lopinavir/Ritonavir, mit der HIV-Infektionen behandelt werden

Remdesivir

Remdesivir wurde zur Behandlung des Ebola-Virus entwickelt, aufgrund mangelnder Wirkung aber nicht zugelassen. Versuche mit Zellkulturen wecken die Hoffnung, dass die Substanz bei Coronaviren erfolgreicher sein könnte. Ob Remdesivir aber tatsächlich gegen das Virus SARS-CoV-2 wirkt oder nicht, müssen klinische Studien erst noch zeigen. Der Wirkstoff hemmt ein wichtiges Enzym des Virus aus der Gruppe der sogenannten RNA-Polymerasen und damit die Vermehrung des Virus in der Lunge. Remdesivir ist bisher nicht zugelassen, wurde aber in Einzelfällen schon zur Behandlung von Covid-19-PatientInnen in kritischer Lage eingesetzt. Ausgerechnet für diese PatientInnen könnte die antivirale Therapie allerdings zu spät kommen, erklärt der Virologe Christian Drosten im NDR. Denn hinter deren schlechtem Zustand steckt häufig nicht mehr nur das Virus, sondern eine Überreaktion des Immunsystems. Dagegen können die antiviralen Medikamente – wenn sie denn funktionieren – nichts ausrichten. 

Chloroquin und Hydroxychloroquin

Chloroquin ist ein Medikament, das zur Behandlung von Malaria und rheumatoider Arthritis eingesetzt wird. Studien an Zellkulturen legen nahe, dass Chloroquin auch gegen Coronaviren wie SARS wirken kann. Der Virologe Christian Drosten sieht jedoch wenig Potenzial für Chloroquin im Kampf gegen Covid-19. Der klinische Nutzen von Chloroquin und dem eng verwandten Hydroxychloroquin zur Behandlung von SARS-CoV-2-Infektionen ist derzeit nicht belegt. Die Mittel können zu schweren Nebenwirkungen führen, darunter irreversible Sehstörungen und Herzschäden. Zudem wird Hydroxychloroquin dringend für die Behandlung von Lupus erythematodes, einer seltenen Autoimmunerkrankung, gebraucht. Wenn es knapp wird, fehlt es diesen PatientInnen.

Kombination von Lopinavir und Ritonavir

Unter dem Handelsnamen Kaletra wird eine Kombination der Wirkstoffe Lopinavir und Ritonavir  als HIV-Medikament vertrieben. Lopinavir hemmt Enzyme, die für den Bau neuer HI-Viren  notwendig sind, und Ritonavior verlängert die Wirkung von Lopinavir. Es ist nicht eindeutig erwiesen, ob das auch bei den beiden früher aufgetretenen Coronaviren der Fall ist, die SARS und MERS ausgelöst haben.

Das Medikament gilt zwar im Allgemeinen als sicher, es gibt aber Warnungen, das Lopinavir/Ritonavir die Leber schädigen könnte. Zudem hat das Präparat bei der Vergabe an schwerkranke Covid-19-PatientInnen in Wuhan keine Wirkung gezeigt. Möglich ist, dass der Einsatz des antiviralen Medikaments zu spät kam. Im Rahmen der WHO-Studie „Solidarity“ soll getestet werden, ob eine Kombination des HIV-Präparats mit dem entzündungsregulierenden Botenstoff Interferon-beta sinnvoll sein kann. Das wäre allerdings nicht ohne Risiko: Bei sehr stark Erkrankten könnte Interferon-beta möglicherweise schwere Gewebeschäden hervorrufen.

Ein beispielloser Wettlauf mit der Zeit

Gesichertes Wissen dazu, welche Stoffe und Medikamente zur Therapie einer Infektion mit SARS-CoV-2 und zur Behandlung der Krankheit Covid-19 geeignet sein können, gibt es also noch nicht.

Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO trotz zunehmend überlasteter Krankenhäuser weltweit Daten sammeln und Medikamente testen will, berichtet Wissenschaftsjournalist Kai Kupferschmidt: „Die Anstrengung, die hinter dem Projekt steht, ist beispiellos, ein Wettlauf mit der Zeit.“ (Anja Krieger)

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