Sind Menschen, die Covid-19 überstanden haben, immun gegen das neuartige Coronavirus?

NIAID-RML

Bei RiffReporter berichten WissenschaftsjournalistInnen für Sie über die Pandemie

Die Frage, ob Menschen nach einer überstandenen Infektion mit dem neuartigen Coronavirus immun dagegen sind, ist aus mehreren Gründen wichtig: Wenn wir Antikörper gegen einen Erreger gebildet haben, sind wir für eine bestimmte Zeit vor ihm geschützt.

Das würde es in der aktuellen Situation Menschen erlauben, die soziale Isolation zu beenden und wieder normal zu arbeiten. Besonders wichtig ist dies für Ärzte und Gesundheitspersonal in Kliniken, wo immunisierte Menschen für den Dienst an Akutpatienten eingeteilt werden könnten, um MitarbeiterInnen zu schützen, die noch nicht erkrankt sind. 

Die Kenntnis darüber, was für eine Immunantwort man braucht, um nicht infiziert zu werden, ist auch wichtig für die Entwicklung eines Impfstoffes, damit man weiß, nach welchen Immunantworten man beim Testen von Impfstoffkandidaten suchen muss.

Eine zusätzliche Bedeutung bekommt diese Frage, weil Antikörper aus dem Blut von Menschen, die eine Infektion überstanden haben, Erkrankten verabreicht werden können, um ihr Immunsystem zu unterstützen. Diese Therapieform ist bewährt. Über Blutspenden könnten Menschen, die Covid-19 überstanden haben, also akut Erkrankten helfen. 

Das Immunsystem reagiert auf SARS-CoV-2 wie auf verwandte Erreger: Es bildet in enger Taktung spezielle Immunkörper aus, die eine körpereigene Abwehrlinie aufbauen und dem Körper helfen, sich an den Erreger zu erinnern. Darauf bauen auch die Antikörper-Tests auf, die in Entwicklung sind.

Eine länger anhaltende Immunität wird allerdings dann verhindert, wenn der Erreger schnell mutiert, denn dann erkennt das Immunsystem den ursprünglichen Erreger eventuell nicht mehr. Wissenschaftler, die SARS-CoV-2 untersuchen, sind deshalb vorerst erleichtert, dass das Virus eher stabil zu sein scheint, was die Erfolgschancen für das Immunsystem und auch für die Impfstoffentwicklung erhöht. 

Wie lange eine überstandene Infektion allerdings vor einer weiteren Infektion schützt, ist unklar: Eine Studie, in der Rhesusaffen mit SARS-CoV-2 infiziert wurden, zeigte zwar, dass die Tiere vier Wochen nach der Erstinfektion vor weiterer Infektion geschützt zu sein schienen. Ob der Schutz länger anhält, ließ die Studie allerdings offen. Saisonale Coronaviren, die Erkältungen verursachen, scheinen nur für kurze Zeit immun zu machen, so dass man sich nach einem Jahr wieder anstecken kann. Beim enger verwandten Erreger SARS-CoV, der die SARS Epidemie im Jahre 2003 auslöste, gibt es oft deutlich länger spezifische Antikörper. Aber es ist unklar, wie lange dies auch vor Infektion schützt. (Andreas von Bubnoff)

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