Ist es wirksam eine Gesichtsmaske zu tragen – und was muss ich dabei beachten?

Was über den Nutzen verschiedener Maskentypen bekannt ist – und wie sie im Kampf gegen das neue Coronavirus helfen könnten

NIAID-RML Aufnahme eines Elektronenmikroskops des neuen Corona-Virus.

Bei RiffReporter berichten WissenschaftsjournalistInnen für Sie über die Pandemie

Kurzantwort

Wer eine Gesichtsmaske trägt, verringert möglicherweise das Risiko, andere Menschen anzustecken. Denn die Tröpfchen und Aerosole (Atemwolken), die beim Sprechen, Husten und Niesen entstehen und das Virus enthalten könnten, fliegen nicht mehr so weit. Wenn viele Menschen Masken tragen und sie richtig handhaben, könnte das die Ausbreitung des Virus verlangsamen. Wissenschaftlich belegt ist das jedoch noch nicht. 

Wenn Sie Alltagsmasken verwenden, ist wichtig:

  • Weiter genügend Abstand zu halten, da die Maske die Träger nicht schützt.
  • Weiter konsequent Hygieneregeln wie Händewaschen zu befolgen.
  • Die Maske über Nase, Mund und Kinn zu ziehen.
  • Beim Tragen nicht an die Maske zu fassen oder sie auf- und abzuziehen.
  • Mehrwegmasken nach jeder Benutzung heiß zu waschen oder zu bügeln.
  • Wegwerfmasken nach einmaliger Nutzung im Restmüll zu entsorgen.

Erklärung

Viele Menschen nutzen jetzt Alltagsmasken (wiederverwendbare Behelfsmasken aus Stoff) oder medizinische Masken wie einen Mund-Nase-Schutz (OP-Maske, einmal verwendbar) für den Einkauf, die Schule, auf der Arbeit und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese Masken sorgen dafür, dass weniger Viren zirkulieren und verlangsamen so die Ausbreitung der Corona-Infektionen. In einigen Ländern wird das Tragen nun für bestimmte Situationen vorgeschrieben oder empfohlen – auch in Deutschland. 

Medizinische Einwegmasken wie OP- und FFP-Masken sind knapp. Wenn alle Gesunden sich damit eindecken, fehlen sie dem medizinischen Personal. In Hongkong und Italien haben Panikkäufe solcher Masken zu Engpässen geführt. In Deutschland besteht die Angst vor einer Verknappung für Arztpraxen und in Krankenhäusern weiterhin, auch wenn sich die Situation insgesamt schon spürbar entspannt hat. Ohne den entsprechenden Schutz der ÄrztInnen und PflegerInnen können Operationen und Krankenpflege eventuell nicht mehr stattfinden – oder das Gesundheitspersonal ist einem noch größeren Infektionsrisiko ausgesetzt als ohnehin schon. Auch in Pflegeeinrichtungen wie Altenheimen und Behindertenwohnheimen werden diese Masken dringend benötigt. 

Welche Masken kann ich im Alltag tragen?

Alltagsmasken können sowohl wiederverwendbare Stoffmasken sein als auch Einmalprodukte, wie Mund-Nase-Schutz oder andere medizinische Masken. Je mehr Menschen solche Masken da tragen, wo die Abstandsregeln schwer einzuhalten sind, desto besser kann es gelingen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Diese Masken schützen also in erster Linie die Gemeinschaft davor, dass die Infektionswelle außer Kontrolle gerät.

Um dieses Ziel zu erreichen, nützen bereits einfache Stoffmasken, auch wenn sie weder den Trägern noch ihrem Umfeld im Einzelfall ausreichenden Schutz vor einer Infektion bieten. Sie sind wiederverwendbar – das spart Geld und vermeidet Müll. Wenn Sie entsprechend ausgerüstet sind, können Sie diese Masken selbst nähen. Viele kleine Stoffläden und Privatpersonen verkaufen solche Masken aber auch, genauso wie einige größere Textilunternehmen. Im Internet finden Sie viele Angebote, falls Sie in Ihrer Stadt nicht fündig werden.

Die WHO empfiehlt, dass Masken mindestens dreilagig sind. Je nachdem, welche Stoffe verwendet werden, kann es schwierig sein zu atmen, je mehr Stofflagen die Maske hat. Hier ist es empfehlenswert zu testen, wie stark das Atmen behindert wird, bevor Sie die Masken kaufen oder fertig nähen. Es gilt jedoch, abhängig vom Material, das verwendet wird: Die Maske sollte aus mindestens drei Stofflagen bestehen. 

Sie können auch Wegwerfmasken verwenden, wenn Sie sie nur einmal tragen. Sie bieten mehr Schutz davor, sich selbst zu infizieren. Dabei hält ein statisch aufgeladenes Vlies kleinste Erreger zuverlässiger davon ab, beim Einatmen in den Körper einzudringen – vorausgesetzt, Sie verwenden diese Masken richtig. Beachten Sie deshalb möglichst die Hinweise im folgenden Abschnitt.

So verwenden Sie Gesichtsmasken richtig

Bevor Sie Ihre Maske aufsetzen, sollten Sie sich die Hände desinfizieren oder mit Seife waschen. Die Maske sollte möglichst eng am Gesicht anliegen und Nase, Mund und Kinn bedecken. Drücken Sie die Maske fest an Nasenrücken und Jochbein an und sorgen Sie dafür, dass der Spalt zwischen Maske und Wangen nicht zu groß ist. Eventuell müssen Sie das Gummiband oder die Bindebänder kürzen oder fester anziehen. Es kann auch sein, dass eine anders geschnittene Stoffmaske besser zu Ihrer Gesichtsform passt. Am besten, Sie probieren verschiedene Modelle aus, um die beste Form zu finden. Es ist empfehlenswert, mehrere Masken zu besitzen, damit Sie immer rechtzeitig die Maske wechseln können – besonders, wenn Sie längere Zeit unterwegs sind.

Bei handgefertigten Stoffmasken ist ein eingenähter oder eingesteckter Nasenbügel sinnvoll. Das kann ein Blumendraht sein (Vorsicht: Verletzungsgefahr), ein Pfeifenputzer oder auch ein Verschluss, den Sie von Tee-, Toast- oder Müslipackungen nehmen können. Dieser Bügel ist besonders sinnvoll, wenn Sie eine Brille tragen. Denn Brillen beschlagen leicht durch die warme Atemluft, wenn der Spalt neben der Nase recht groß ist. Gegen das Beschlagen hilft auch, wenn Sie eine Maske nehmen, die Sie so weit hoch ziehen können, dass die Brille auf dem Stoffrand sitzt. Wichtig ist aber, dass die Maske Ihre Sicht nicht beeinträchtigt. Setzen Sie zuerst die Maske und danach die Brille auf.

Wenn Sie den richtigen Sitz für Ihre Maske gefunden haben, sollten Sie anschließend die Maske nicht mehr berühren. Das ist leichter gesagt als getan, weil Nasen dazu neigen, unter der Maske zu jucken. Trotzdem: Es ist wichtig, dass Sie Erreger, die sich möglicherweise auf Ihren Händen befinden, nicht direkt auf den Stoff auftragen, der vor Nase und Mund gespannt ist. Dieser Teil der Maske sollte so sauber wie möglich bleiben.

Abstand halten bleibt wichtig – auch mit Maske

Es spricht viel dafür, dass möglichst viele Menschen eine einfache, nicht-medizinische Gesichtsmaske tragen – auch wenn wissenschaftliche Belege noch erbracht werden müssen. Dabei bleibt es weiter wichtig, andere Schutzmaßnahmen beizubehalten: Vermeiden Sie Kontakte und waschen Sie sich häufig und gründlich die Hände. 

Wenn Sie die Maske abnehmen, sollten Sie sie nur an den Tragebändern berühren und die Außenseite aufeinanderfalten, sodass Sie diese Seite möglichst nicht berühren müssen. Am besten stecken Sie die Maske in eine kleine Tüte und zu Hause direkt in die Waschmaschine. Waschen Sie die Maske bei mindestens 60 Grad und verwenden Sie dafür unbedingt Waschmittel. Denn Seife zerstört die Virenhülle und macht das Virus unschädlich. Sie können Ihre Maske auch einige Minuten lang möglichst heiß bügeln oder bei 100 Grad für 20 bis 30 Minuten im Backofen erhitzen. Wenn Ihre Maske einen Metallbügel hat, bitte wenn möglich vor dem Waschen in der Maschine herausnehmen und die Maske nicht in die Mikrowelle geben.

Nach dem Abnehmen sollten Sie sich sofort die Hände waschen oder desinfizieren, damit Erreger, die sich außen an der Maske befinden, nicht über Ihre Hände auf Ihre Schleimhäute oder in Ihre Atemwege gelangen. Falls das Händereinigen nicht sofort möglich ist, sollten Sie die Maske so lange auflassen, bis Sie eine Gelegenheit dazu haben.

Also: Nicht zwischendurch die Maske unters Kinn ziehen oder abnehmen. Tragen Sie die Maske durchgehend oder ersetzen Sie sie durch eine frische, wenn Sie sichergehen möchten, dass Sie sich nicht selbst gefährden. Wechseln Sie die Maske, sobald Sie durch Ihre Atemluft feucht geworden ist. Das bedeutet auch, dass Sie zum Beispiel für längere Einkäufe Ersatzmasken dabeihaben müssen. Wenn Sie eine Wegwerfmaske verwenden, sollten Sie sie nach dem Abziehen sofort in einen Mülleimer werfen – am besten einen mit Deckel.

Tipps zur Verwendung von Alltagsmasken im Überblick

  • Halten Sie weiter Abstand zu anderen Menschen
  • Schaffen Sie sich mehrere Masken zum Wechseln an
  • Stellen Sie sicher, dass die Maske möglichst eng anliegt
  • Reinigen Sie Ihre Hände immer vor und nach dem Tragen
  • Berühren Sie die Maske nie während des Tragens
  • Waschen Sie Stoffmasken nach jeder Nutzung
  • Entsorgen Sie Einmalmasken sicher und sofort nach Nutzung

Masken für erkrankte und schutzbedürftige Menschen

Wenn Sie selbst mit dem neuen Coronavirus infiziert sind, sollten Sie sich in Quarantäne begeben, also gar nicht mehr das Haus verlassen. Was Sie genau beachten müssen, erfahren Sie von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und dem zuständigen Gesundheitsamt. Wenn Sie infiziert sind und Kontakt zu anderen nicht vermeiden können – zum Beispiel, weil Sie Pflege benötigen –  empfiehlt das Robert-Koch-Institut, eine OP-Maske zu tragen. 

Sollten Sie einer Risikogruppe angehören, möchten Sie sicher versuchen, sich so gut wie möglich vor einer Ansteckung mit dem Sars-CoV-2-Virus und anderen Erregern zu schützen. In diesem Fall sind Masken sinnvoll, die zu einer höheren Schutzklasse gehören als OP-Masken. Diese Masken gibt es mit und ohne Atemventil. Wenn Sie selbst erkrankt sind oder sein könnten – was nicht auszuschließen ist ohne negativen Corona-Test – sollten Sie auf keinen Fall eine Maske mit Atemventil tragen. Denn durch das Ventil dringt Ihre möglicherweise kontaminierte Atemluft ungehindert nach draußen und wird zudem verwirbelt. Das gefährdet Ihr Umfeld. Deshalb sind Masken mit Atemventil ungeeignet als Alltagsmaske. Nur medizinisches Personal, die an Covid-19 erkrankte Menschen versorgen, sollten diese Masken nutzen.

FFP-Masken ohne Ventil bieten sowohl einen guten Schutz vor Infektionen für den Träger selbst als auch für das Umfeld. Sie halten einen Großteil der Tröpfchen beim Sprechen, Husten und Niesen zurück. Infizierte sind bereits ansteckend, bevor sie es selbst merken, also bevor Symptome auftreten. Aus diesem Grund ist es für Menschen, die einer Risikogruppe angehören, empfehlenswert, FFP-Masken im Alltag zu tragen – immer dann, wenn sie das Haus verlassen.

Trotz Tragepflicht – Diskussion über Schutz der Masken hält an

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse, wie effektiv Alltagsmasken gesunde Menschen vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen, weil die dazu notwendigen Studien noch ausstehen. Aus Studien mit anderen Erregern von Atemwegserkrankungen lässt sich allerdings schließen, dass Alltagsmasken einen gewissen Schutz für die Trägerin und den Träger bieten und die Verbreitung der Erkrankung bremsen können. 

Eine kleine Laborstudie mit vier Probanden fand heraus, dass weder Stoffmasken noch OP-Masken die Viruskonzentration in der Umgebung von mit Corona infizierten hustenden und niesenden Menschen effektiv reduzieren konnten. Inwieweit diese kleine Laborstudie auf den Alltag übertragbar ist, bleibt fraglich. Dennoch: Wie hoch die Viruskonzentration in Atemwolken (Aerosol) ist und wie lange sich das Virus dort halten kann, muss erst noch erforscht werden. 

Wenn Sie eine Maske tragen oder tragen müssen, beachten Sie die Hinweise zur richtigen Benutzung in diesem Artikel. Sie könnten sonst Gefahr laufen, das eigene Infektionsrisiko sogar zu vergrößern. 

Der Generaldirektor der chinesischen Infektionsschutzbehörde CCDC sagte im Interview mit dem Fachblatt Science, der große Fehler in den USA und in Europa sei seiner Meinung nach, dass die Leute keine Masken getragen hätten. Zuvor hatte schon der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt die Bevölkerung zum Anfertigen und Tragen von Gesichtsmasken aufgerufen. Auch das Robert-Koch-Institut empfiehlt das Maskentragen im Alltag. Dieser Empfehlung schloss sich die Bundesregierung am 16. April 2020 an. Anschließend begannen die meisten Bundesländer damit, Alltagsmasken zur Pflicht zu machen – allerdings unterschiedlich geregelt.

Fazit

Trotz fehlendem Nachweis, dass Alltagsmasken die Träger und Kontaktpersonen zuverlässig vor einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus schützen, spricht wenig dagegen, sie zu tragen – vor allem in Situationen, in denen es schwer fällt, genügend Abstand zu anderen einzuhalten, wie beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Für diese Situationen besteht in den meisten Bundesländern eine Pflicht für Alltagsmasken.

Das Ziel der Maskenpflicht ist nicht, einzelne Infektionen garantiert zu verhindern, sondern die Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung zu verlangsamen. So soll erreicht werden, dass das Infektionsgeschehen nicht wieder außer Kontrolle gerät. Damit das gelingt und Sie sich beim Maskentragen nicht selbst gefährden, haben wir Ihnen in diesem Artikel eine Reihe von Tipps zusammengestellt. Weiterhin gilt: Bleiben Sie zuhause, halten Sie Abstand, waschen Sie die Hände regelmäßig gründlich mit Seife, und husten und niesen Sie in die Armbeuge. (Silke Jäger)

Letzte Aktualisierung am: 10.06.2020

Zusätzliche Quellen:

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