„Besser, du schiebst jetzt ein Stück“

Radfahren mit kleinen Kindern ist oft anstrengend, aber die Mühe lohnt sich. Eine Kolumne von Andrea Reidl

Andrea Reidl Ein achtjähriges Mädchen fährt auf einem roten Rennrad eine Deichstraße entlang und bläst dabei gegen eine Pusteblume

Busy Streets - Auf neuen Wegen in die Stadt der Zukunft

Wir leben in einer kleinen Stadt an der Grenze zu Hamburg. Die meisten Wege erledigen wir hier mit dem Fahrrad. Vor ein paar Jahren sah ich von weitem meine Tochter auf ihrem Mountainbike durch die Fußgängerzone fahren - freihändig und selbstvergessen. Sie wirkte entspannt. Bis sie unvermittelt ihr Tempo steigerte und schnurstracks auf zwei riesige grüne Müllcontainer zusteuerte. Ich wollte gerade „Halt“ schreien, als sie per Hüftschwung elegant an den Containern vorbeizog. Ich atmete tief durch, verdrehte innerlich die Augen und war froh, dass sie inzwischen elf Jahre alt war und nicht mehr fünf. Damals hatten Mülltonnen sie magisch angezogen. Immer wieder war sie mit ihrem Kinderrädchen mit Karacho mitten in leere schwarze Tonnen gedonnert. Nicht mit Absicht, sie hatte geträumt und ihre Umgebung vergessen.

Keine Frage, für uns als begeisterte Radfahrer war es großartig, als unsere beiden Kleinen endlich auf ihren winzigen Rädchen saßen und wie verrückt in die Pedale traten. Kinder auf Fahrrädern sind Lebensfreude pur. Aber sie sind auch irrwitzig schnell und unberechenbar. Als sie klein waren, scannte ich ständig die Umgebung nach Pkw, die aus Ausfahrten schießen könnten, oder Autotüren, die sich unvermittelt öffneten. 

Außerdem brachten mich die Knirpse mit Lenkerschlenkern, Träumereien und unvermittelten Richtungswechseln zum Schwitzen und oft zum gemeinsamen Schieben. Denn wenn sie mal wieder ohne zu stoppen über Ampeln rasten oder an Kreuzungen nicht nach rechts und links blickten, mussten sie absteigen und eine Weile schieben. Das war lästig, aber lohnte sich: Bereits in der Grundschule waren sie verkehrssicher und konnten in der vierten Klasse allein zu Schule oder Freunden radeln. Die Kommentare anderer Eltern reichten von „Rabenmutter“ bis hin zu „du bist aber mutig“. Ich war beides nicht. Ich wusste: Sie können das.  

Inzwischen sind die beiden täglich auf ihren Rennrädern oder Mountainbikes unterwegs. Also alles richtig gemacht? Mitnichten. Ihnen zuzuschauen ist für mich weiterhin anstrengend. Sie sind zwar prima Radfahrer, aber sie reizen beim Fahren ständig ihre Grenzen aus und die Stadt ist dabei ihr Spielplatz. 

Mein Sohn (17) fährt gerne freihändig, stets am Anschlag, einen kleinen Kopfhörer im Ohr und ohne Helm. Vor einem Jahr traf ich ihn im Regen an der Ampel. Kaum war es grün sah ich nur noch sein Rücklicht. Auf zwei Rädern ist er seit Jahren schneller als ich. Aber an diesem Tag hatte ich so gute Laune, ich wollte ihn unbedingt einholen. Zugegeben, mit meinem Testrad - einem E-Bike mit 20-Zoll-Rädern im Fatbike-Stil - war das aussichtslos. Trotzdem trat ich kräftig in die Pedale. Ich hatte eine Chance: Ich konnte über eine Holzbrücke abkürzen. Ich rechnete mir beste Chancen aus, trat noch stärker in die Pedale, erreichte die Brücke und zasch, lag ich auf den nassen Planken.

Sekunden später stand er vor mir, blickte mich vorwurfsvoll an und fragte: „Hast du dir wehgetan?“ „Geht so“, japste ich. „Die Holzbrücke ist nass total rutschig“, sagte er kopfschüttelnd und fügte grinsend hinzu: „Na ja, wenigstens hast du einen Helm auf.“ Sein Grinsen wurde breiter: „Besser, du schiebst jetzt ein Stück.“ Ich wusste genau, was er meinte, ignorierte ihn, stieg aufs Rad und fuhr ganz langsam, neben ihm, nach Hause. 

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