Verkehr: Hallo Zukunft!

Ausstellung „Der mobile Mensch“ im Universum Bremen

Andrea Reidl Es sieht aus wie ein Fahrkartenautomat, es ist aber Teil des Mobilität-Spiels im Universum Bremen. Hier entscheiden die Gäste mit welchem Fahrzeug verschiedene Wege in der Stadt zurückgelegt werden sollen

Busy Streets - Auf neuen Wegen in die Stadt der Zukunft

„Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd.“ Dieses Zitat von Kaiser Wilhelm II prangt in der Ausstellung „Der mobile Mensch - Deine Wege, deine Entscheidungen, deine Zukunft“ mit vielen anderen Zitaten an der Wand. Die Ausstellung im Bremer „Universum“ informiert über Alternativen zur Mobilität und regt vor allem dazu an, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Denn viele Städte und Kommunen arbeiten bereits heute daran, dass viel weniger Wege und Kilometer mit dem eigenen Pkw zurückgelegt werden.  

Das Herzstück von „Der mobile Mensch“ ist ein digitales Spiel. Um mitzumachen zu können, müssen die Besucher/innen sich zunächst einchecken wie in einem Hotel. Der Computer fragt, woher man kommt und wie man angereist ist. Die Angaben werden umgehend erfasst und in einem bunten Schaubild angezeigt. Das verdeutlicht: Verkehr ist nicht abstrakt, sondern setzten sich aus vielen individuellen Entscheidungen zusammen. An diesem Tag waren bislang 58 Prozent der Besucher/innen mit dem Auto angereist, acht Prozent zu Fuß gekommen und sieben Prozent mit dem Fahrrad.

An den folgenden Stationen werden Kinder und Erwachsene zum Mobilitätsmanager der fiktiven Stadt Brematopia. Sie müssen den Verkehr in der Stadt lenken, aber immer wieder auch kleine lebensnahe Entscheidungen treffen. Beispielsweise ob sie die Wasserkiste vom Supermarkt mit dem Lastenrad selbst nach Hause schaffen oder ob sie lieber einen Lieferdienst beauftragen.  

Das ist eine der Stärken der Ausstellung. Sie regt dazu an innezuhalten und kurz über die vielen Entscheidungen rund um den Verkehr nachzudenken, die im Alltag spontan getroffen werden. Am Ende jeden Spiels erhalten die Teilnehmer ein kurzes Feedback, wie klimafreundlich die Entscheidungen tatsächlich waren - und was in Bezug auf Klima und Stauvermeidung besser gewesen wäre.

Neben vielen Informationen über Alternativen zum eigenen Auto verdeutlichen die acht Stationen, dass Faktoren wie Sicherheit, Verfügbarkeit oder Flexibilität die tägliche Verkehrsmittelwahl maßgeblich beeinflussen. Sie zeigen zudem, welchen Einfluss unsere Werte oder unsere Ansprüche bei diesen Entscheidungen haben.

Unsere Wertvorstellungen spiegeln sich auch in unserem Freizeit- und Urlaubsverhalten wider. Die Deutschen sind berühmt für ihre Lust am Reisen. Gleichzeitig findet ein Großteil der Bevölkerung mehr Klimaschutz wichtig. Beides in Einklang zu bringen ist gar nicht so einfach. Rund fünf Prozent aller klimaschädlichen Emissionen weltweit entstehen durch den Tourismus.

Wie viel CO2 jeder Urlaub produziert, illustriert eine Schautafel mit den ökologischen Reise-Fußabdrücken fünf verschiedener Reiseziele - von dem Strandurlaub auf Mallorca (1222 kg CO2Emissionen) über den Familienurlaub auf Rügen (258kg CO2) bis zum All-inclusive-Urlaub in Mexiko (7218 kg CO2).

Die Ausstellungsmacher/innen schaffen es immer wieder, die Auswirkungen des eigenen Verhalten im Alltag sichtbar zu machen und Alternativen aufzuzeigen. Auch beim Dauerbrenner Elterntaxi. Viele Schulen beklagen, dass Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis ans Schultor bringen. Damit steigern sie nicht nur den Verkehr direkt vor der Schule, sie behindern auch die Kinder, die zu Fuß gehen oder mit dem Rad kommen. Um das Problem zu verringern, richten einige Schulen Treffpunkte an Haltestellen oder anderen zentralen Stellen ein. Dort sollen die Schüler/innnen aufeinander warten, um dann den restlichen Schulweg gemeinsam zurücklegen.

Die fünf Fußabdrücke zeigen wie viel CO2 bei jedem Urlaubsziel produziert werden. Mit 7218 kg CO2 ist der all-inclusive-Urlaub in Mexiko der Spitzenreiter
Rund fünf Prozent aller klimaschädlichen Emissionen weltweit entstehen durch den Tourismus.
Andrea Reidl / Universum Bremen

Viele Menschen entscheiden gewohnheitsmäßig und unbewusst, wie sie unterwegs sind. Für andere ist ihr Fahrzeug ein Statement für Wohlstand, Status, Vernunft oder Umweltbewusstsein. Das wird an den verschiedenen Stationen deutlich. Allerdings ist eine klare Botschaft der Kuratoren: „Diese Vorstellungen können sich wandeln. Im Laufe deines Lebens, aber einfach auch, weil die Welt sich weiterdreht - und die Mobilität mit ihr.“

Der über 100 Jahre alte Ausspruch von Kaiser Wilhelm II. ist heute wahrscheinlich so aktuell wie nie zuvor. Pferde werden die Audis, BMWs und Opels in den Straßen sicherlich nicht mehr ersetzen, aber die Ausstellung im Universum Bremen zeigt: Die heute vielfach absurd scheinende Idee, vom privaten Auto Abschied zu nehmen, ist näher als viele annehmen. Die Zeit des privaten Automobils neigt sich langsam dem Ende zu.

„Der mobile Mensch - Deine Wege, deine Entscheidungen, deine Zukunft“ lohnt sich für Erwachsene und Kinder ab etwa zwölf Jahre. Sie ist noch bis Ende August 2020 im Universum Bremen. 


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Nachhaltig mobil in der lebendigen und lebenswerten Stadt von morgen.