E-Tretroller: Viel Lärm um nichts?

Seit Sommer stehen die Elektroflitzer zu Tausenden in den Straßen und sorgen für Aufregung und hitzige Debatten. Ein Gastkommentar des Grünen-Politikers Matthias Gastel

Andrea Reidl Drei rote Elektrotretroller eines Sharing-Anbieters stehen mitten im Weg in der Hamburger Fußgängerzone

Busy Streets - Auf neuen Wegen in die Stadt der Zukunft

Ein Gastkommentar von Matthias Gastel, Bündnis 90/Die Grünen, seit 2013 Mitglied des Bundestags.

Glaubt man den Berichten in den Medien und den öffentlichen Debatten, so könnte man meinen, die kleinen elektrischen Tretroller hätten völlig neue Probleme geschaffen. In Wirklichkeit machen sie aber nur sichtbar, wie ungerecht die Verkehrsräume verteilt sind, wie sehr das Auto die Städte dominiert und wie stark die Verkehrsmoral insgesamt nachgelassen hat.

Es ist jedoch Zeit die Debatte endlich vom Kopf auf die Füße zu stellen. Es stimmt, dass die kleinen elektrischen Tretroller auch auf Strecken genutzt werden, die sich ebenso zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen ließen. Jede zweite Fahrt mit den tonnenschweren Autos fällt übrigens auch in den Bereich der Kurzstrecke. In der Kritik stehen aber die 20 Kilogramm leichten Roller. Dies zeigt einmal mehr: Hier wird eine absurde Diskussion geführt! Dabei ist es doch zunächst erfreulich, dass so viele Menschen offen für neue Mobilitätsangebote jenseits des bedauerlichen Trends zu größeren und schwereren Autos sind. Die E-Tretroller machen zumindest mal ein Angebot, die viel zu hohe Zahl von Kurzstreckenfahrten mit dem Auto zu verringern. Um es in modernen Worten zu beschreiben: Sie bergen disruptives Potential.

Nun wird häufig angeführt, man brauche den E-Tretroller überhaupt nicht, denn schließlich könnten die Leute ja das Fahrrad nutzen. Natürlich wollen auch wir, dass das Fahrrad deutlich häufiger genutzt wird und arbeiten daher seit langem an besseren Bedingungen fürs sichere Radfahren. Wir können aber nicht ignorieren, dass viele Menschen, aus welchen Gründen auch immer, nicht gerne Rad fahren und das Auto nach wie vor vielfach auf Kurzstrecken nutzen. Bei Betrachtung dieser Wirklichkeit ist es politisch klug zweierlei zu tun: Weiter an der Umsetzung einer attraktiven Infrastruktur fürs Radfahren zu arbeiten und zweitens den elektrischen Tretroller als eine weitere Alternative zum Auto zu begreifen und zu stärken.


Mathias Gastel MdB, Buendnis 90/Die Gruenen im Bundestag
Mathias Gastel (Bündnis 90 / Die Grünen) ist seit 2013 Mitglied des Bundestags. Sein Ziel ist die Verkehrswende.
Stefan Kaminski
Ein typisches Bild in der Großstadt: Ein Sharing-Tretroller wurde abgestellt - mitten im Weg. Hier steht er rechts neben einer Fußgängerampel. Links wartet ein mann auf das Grünsignal für Fußgänger.
Ein paar Tausend der E-Kick-Scooter sind in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München unterwegs und stehen dort auch mal im Weg. Aber sind sie angesichts der Zehntausenden von Autos tatsächlich das relevante Problem?
Andrea Reidl

Chancen für die Verkehrswende

Für eine positive Entwicklung sind mehrere Faktoren entscheidend: Die geltenden Verkehrsregeln müssen durchgesetzt werden, um die Sicherheit und die Akzeptanz der Tretroller zu erhöhen. Bessere Informationen für Nutzer*innen, wiederkehrende Verkehrskontrollen und höhere Bußgelder für alle Verkehrsteilnehmer*innen bei Fehlverhalten im Straßenverkehr sind hierfür hilfreich. Die Anbieter von Verleihangeboten sind gefordert auf eine stabilere Bauweise der Gefährte und deren Langlebigkeit zu achten. Ziel muss es sein, dass Verleihangebote auch an den Stadträndern Fuß fassen. Denn die Wahl des geeigneten Verkehrsmittels beginnt vor der Haustür. Unser Vorschlag ist deshalb: Maximalanzahl an E-Scootern nicht nur für Innenstadtbereiche, sondern auch für den Stadtrand. So kann der Elektrotretroller zur echten Alternative zum Auto werden; für diejenigen, die weder zu Fuß gehen noch mit dem Fahrrad fahren wollen. 

Aus ökologischen Gründen spricht vieles für diese Alternative: So lässt es sich mit einer definierten Energiemenge auf dem E-Roller rund vierzigmal weiter fahren als mit einem Auto. Auch die Vermeidung von Lärm, der erheblich geringere Flächenverbrauch und die für andere Verkehrsteilnehmer*innen geringe Wahrscheinlichkeit folgenschwerer Unfälle sprechen für das zweirädrige Gefährt. 

Fazit: Die Verordnung zur Zulassung der E-Tretroller ist gerade erst wenige Monate in Kraft. Wir sollten die bereits erkennbaren realen Probleme, wie die teilweise unzureichende Verkehrsdisziplin angehen und ansonsten die Entwicklung genau im Auge behalten. Nach einem oder zwei Jahren sollte Bilanz gezogen und diskutiert werden, wo möglicherweise im Interesse der Verkehrssicherheit und der Verkehrswende nachgebessert werden muss. Eines ist längst klar: Vielerorts müssen Verkehrsräume neu aufgeteilt werden. Die Ära autogerechter und damit gefährlicher und lauter Städte ist vorbei. Es ist Zeit, für den Fuß- und Radverkehr, die öffentlichen Verkehrsmittel und eben auch den elektrischen Tretroller mehr Platz zu schaffen. 

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Wie menschlich erscheinen Ihnen Radfahrer, fragten australische Psychologen. Die Hälfte der Autofahrer kam nicht mal zwischen die Füße des Homo sapiens.
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Eine Radfahrerin fährt an einer Baustelle vorbei und wird mit wenig Abstand von einem Auto überholt
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Nachhaltig mobil in der lebendigen und lebenswerten Stadt von morgen.