Radfahren: Unterwegs im Schwarm

Eine Kolumne von Andrea Reidl

Andrea Reidl Ein Pulk Radfahrern und eine Rikscha queren eine Kreuzung in Amsterdam

Busy Streets - Auf neuen Wegen in die Stadt der Zukunft

„Radfahren in Amsterdam, finde ich gar nicht so entspannt“, erzählte mir kürzlich eine Freundin. Ihr ist es dort zu eng und zu wuselig. Sie ist Rennradfahrerin, lebt in Berlin und fährt dort auf der Straße. Dabei fühlt sie sich wohl. Jede Stadt hat ihren eigenen Takt, in dem sie ihre Radler/innen durch die Straßen schickt. In der Hauptstadt ist der Rhythmus schneller, härter und erinnert an die synthetischen Technobeats der Clubs.

In Amsterdam dagegen scheint Bob Marley den Menschen leise „Jamming’“ ins Ohr zu summen. Sein Hit aus den 1970ern heißt so viel wie „gemeinsam feiern oder zusammenkommen“. Radfahren ist in Amsterdam ein Gruppenerlebnis. Die Kunst besteht darin, Teil des Schwarms zu werden. 

Das klingt einfach. Ist es aber gar nicht. Ich brauche dafür immer eine Ewigkeit. Besonders, wenn ich zur Rush Hour am Amsterdamer Hauptbahnhof ankomme. Auf dem breiten Radweg schwirren die Pendler im Pulk so dicht auf ihren Rädern aneinander vorbei, biegen ein und ab, dass ich immer auf einen Zusammenstoß warte. 

Aber das Gewirr hat System. Wie Synchronschwimmer gleiten die Radfahrer dort durch die Stadt, verändern an den Kurven und Kreuzungen ihre Formation und umschiffen elegant jedes Hindernis - also mich. Ich bleibe ein Fremdkörper, reagiere immer einen Tick zu spät, jamme nicht, sondern bin eher im Technobeat unterwegs - quasi als Einzelkämpfer. 

Dabei lohnt es sich, Teil des Schwarms zu werden. Fische und Vögel wissen das. Sie schützen sich in Gruppen vor ihren Fressfeinden wie Haien oder Greifvögeln. Das gilt auch für Radfahrer. Dutzende von ihnen werden beim Abbiegen selten übersehen. Dagegen verschwimmt die Silhouette einzelner Radler/innen leicht im Seitenspiegel eines Autos. Deshalb gilt: Verlasse niemals deine Gruppe.

Meiner Tochter fällt das leichter als mir. Vor ein paar Jahren waren wir beide in Utrecht. Kaum angekommen, stiegen wir auf die gelbblauen Leihräder. Sie fuhr voran. Mitten durch die fremde Stadt. Ich war entspannt, bis mir plötzlich auffiel: SIE TRÄGt KEINEN HELM. Mir wurde heiß. Gerade wollte ich ihr hinterher rufen, als mich der Schwarm erfasste: Alte, Junge und Kinder auf Rädern. Ein junges Mädchen stand auf dem Gepäckträger ihres Vaters. Beide lachten. Niemand trug einen Helm. Ich atmete durch. Ich hatte es vergessen: Radfahren ist nicht gefährlich. Infrastruktur ist gefährlich. Aber nicht hier. Hier hatten wir in den Fahrradstraßen Vorfahrt. Die Autofahrer waren tatsächlich nur Gäste und die Kreuzungen waren übersichtlich. Alles war gut. Weiter vorne verschwand meine Tochter gerade mit dem Schwarm um eine Kurve. „Jamming“, säuselte mir Marley ins Ohr. Ich hatte verstanden und radelte ihr im Schwarm hinterher. Endlich.

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