Die Beobachtung der sichtbaren Unsichtbarkeit

Der Jerusalemer Fotograf Yaakov Israel stellt seine Langzeit-Dokumentation politischer Landschaften im Museum for Islamic Art aus. Von Evelyn Runge

 „Brief aus Jerusalem“, Folge 4, 13.2.2019.

Jerusalem | Über eine steinige Wiese schwenkt der Blick zu einem Haus mit Flachdach, einer Tankstelle, über eine Schnellstraße hinweg einen Berg hinauf, wo eine graue Schlangenlinie zu sehen ist – eine weitere Straße? – nein, eine Mauer, und dahinter: Hochhäuser. Das Diptychon, das der israelische Fotograf Yaakov Israel 2013 aufgenommen hat, trägt als Titel schlicht die Namen der abgebildeten Nachbarschaften: „Isawiya and Shu’afat refugee camp“. Beides sind Teile von Jerusalem, beide gehören zum Stadtgebiet, und dennoch gibt es einen großen Unterschied: Isawiya liegt vor der Mauer, die Israel und die Palästinensischen Autonomiegebiete trennt, und das Flüchtlingslager Shu’afat dahinter.

Dieses Bild begrüßt die Besucher von Yaakov Israels Ausstellung „Legitimacy of Landscape“, die vom 1. Februar bis 27. April 2019 im Museum for Islamic Art in Jerusalem gezeigt wird. In 46 Motiven präsentiert der Fotograf eine Auswahl von Arbeiten, die seit 2002 entstanden sind. Ihr gemeinsames Thema sind Dörfer und Orte in Israel und den Palästinensischen Autonomiegebieten, in denen Araber, Beduinen und Drusen leben – und die meist unsichtbar bleiben, sowohl im Bewusstsein der israelischen Öffentlichkeit, als auch teilweise tatsächlich auf Landkarten.

Genauer Blick auf Details

Yaakov Israels Fotografien saugen die Betrachtenden in sich ein – wenn diese sich darauf einlassen. Aufgenommen wurden sie mit einer 8x10 Inch-Kamera, die Negative im Format 20x25 Zentimeter produziert. Dieses Format erlaubt hyperrealistische Eindrücke, da es mehr aufnimmt als das menschliche Auge. Dies fällt besonders auf in wandfüllenden Vergrößerungen: Im eingangs erwähnten Bild „Isawiya and Shu’afat refugee camp“ sind Solarzellen auf den Dächern zu entdecken, ein mit Steinen beschwertes Wellblechdach, eine Person, die einen Olivenhain betritt, aufgehängte Wäsche, verwehte Plastiktüten zwischen Mohnblüten, Leute, die ein Auto in einem Hinterhof reparieren, in einem anderen Hof lagert Baumaterial. Die Fassaden einiger Häuser enthüllen, dass die Etagen nach und nach gebaut wurden: Für die Erweiterungen wurden unterschiedliche Steine verwendet.

Am Hang zwischen der Autobahn – die zum Toten Meer führt – und der Mauer ducken sich einfache Hütten: Behausungen von Beduinen, die hier mit ihren Herden leben, solange sie nicht vertrieben werden. Die Beduinendörfer bestehen aus Zelten und Hütten, und da sie keine offizielle Baugenehmigung haben, werden sie vom Staat Israel nicht anerkannt und gelten als „unrecognized villages“. Dies bedeutet auch, dass die hier lebenden Menschen nicht mit Elektrizität, Wasser oder Müllabfuhr versorgt werden.

Installation photos of the exhibition: Legitimacy of Landscape at The Museum for Islamic Art in Jerusalem, February 2019
Installation photos of the exhibition: Legitimacy of Landscape at The Museum for Islamic Art in Jerusalem, February 2019
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© Doron Oved
Installation photos of the exhibition: Legitimacy of Landscape at The Museum for Islamic Art in Jerusalem, February 2019
Installation photos of the exhibition: Legitimacy of Landscape at The Museum for Islamic Art in Jerusalem, February 2019
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Installation photos of the exhibition: Legitimacy of Landscape at The Museum for Islamic Art in Jerusalem, February 2019
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Brief aus Jerusalem