Eine Weiche, die nur geradeaus zeigt

Was passiert, wenn ein FH-Student nach dem Bachelor an die Uni wechseln will – und warum viele Hochschulen offenbar Bologna missverstanden haben. Von BildungsForscher Jan-Martin Wiarda

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19. Januar 2017

Es war eines der großen Versprechen der Bologna-Studienreform: Künftig spielt es keine Rolle mehr, wo jemand seinen Bachelor gemacht hat, ob nun an einer Fachhochschule oder Universität. Solange er die Leistung bringt, stehen ihm für den Master alle Türen offen. Vor Bologna war die Welt feinsäuberlich in Diplom (FH) und in Diplom (Uni) unterteilt. Und heute? Ja, heute, dachte Christian Schäfer, dürfte es doch eigentlich kein Problem mehr sein, wenn man mit einem FH-Bachelor an die Uni will.

Was dann passierte, berichte ich in der ZEIT von heute. Von den Absagen, die Schäfer erhielt trotz seines Einser-Abschlusses an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin, von Uni-Professoren, die ihm schrieben, es reiche nicht, "die Namen der Module zu nehmen und die Punkte zusammenzuzählen". Frei nach dem Motto: Nur weil deine FH behauptet, dass du etwas gemacht hast, muss ich das ja nicht glauben.

Dass Christian Schäfer, der in Wirklichkeit anders heißt, kein Einzelfall ist, bestätigten mir während meiner Recherche viele Gesprächspartner. Das Problem: Es gibt dazu keine Statistiken, und die Betroffenen gehen selten den Weg an die Öffentlichkeit – was verständlich ist, bleibt der Makel allzu oft am Ende doch an ihnen hängen. "Ich höre immer wieder von solchen Fällen«, sagt Andreas Zaby, Präsident von Schäfers ehemaliger Hochschule HWR und zugleich Vorstandsvorsitzender der UAS7, einem Verbund von sieben Fachhochschulen aus ganz Deutschland.

Eigentlich war der Übergang von Bachelor zum Master als eine Art Rangierbahnhof gedacht – mit Gleisen in alle Richtungen, national, international, fächer- und institutionenübergreifend. Das war das Neue, das Faszinierende. Was die Hochschulen in Deutschland daraus gemacht haben: Eine Weiche, die fast immer nur geradeaus zeigt. Dass es in vielen Fällen zu einer „fachlich-inhaltlichen Ablehnung“ komme, liege an der „zunehmenden Spezialisierungen der Studiengänge an unterschiedlichen Hochschulen“, bestätigt Stefanie Terp, die Sprecherin der Technischen Universität Berlin. Vor allem in den technischen Fächern planen die Hochschulen das Studium vom ersten Semester im Bachelor bis zur Masterarbeit durch.

Womit das Problem womöglich noch grundsätzlicher ist und nicht nur den Übergang von FH zu Uni betrifft, sondern ganz allgemein den Übergang von Hochschule zu Hochschule.

"Der Master muss als Regelabschluss für Karrieren in Wissenschaft und Wirtschaft gelten", hat der heutige Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, schon gefordert, als er noch Präsident des TU9-Verbunds technischer Universitäten war. Wer zwischendurch raus will, hat eine Problem. Und wer rein will, ebenso. Von Hippler stammt übrigens auch der Satz, draußen im Rest der Welt verstünden sie nicht, „wieso der Dipl.-Ing. im Zuge von Bologna einfach über Bord geworfen worden ist.“

Mehr zur Geschichte von Christian Schäfer und was am Ende aus ihm geworden ist, lesen Sie in den ZEIT Chancen. 

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