Feuer & Flamme

Das Bushfire-Glossar Teil 1: von A wie Aschewolke über B wie Backburning bis G wie Greenies

In einem Waldstück in New South Wales brennt ein geplantes Feuer zwischen Gras und hohen Eukalyptusbäumen.

Während 55 australische Feuerwehrleute in Kalifornien beim Kampf gegen die Flammen halfen, bereitete sich ihre Heimat auf die nächste Feuer-Saison vor: “Get-Ready-Days” klären die Bevölkerung auf, aktive Feuerwehrleute trainieren und schulen den Nachwuchs. Wir unterstützen theoretisch: mit einem Bushfire-Glossar für die wichtigsten Begriffe, Zusammenhänge, Facts & Figures. Von Burn-off über die Royal Commission bis zum Water-bombing

Die Bilder aus Kalifornien sind für Australier*innen ein schmerzhaftes Déjà-vu. Unkontrollierbare Feuer vor orangefarbenem Himmel, Rauch- und Aschewolken, rußverschmierte Feuerwehrfrauen- und männer, die bis zur Erschöpfung gegen Flammen kämpfen, traumatisierte Menschen vor ihren niedergebrannten Häusern, unzählige tote Tiere. Hatten wir im australischen „Black Summer“ alles auch, viel zu viele Wochen lang und bei weitem nicht nur in den Eukalyptuswäldern der Ostküste.

Ebenso bitter vertraut: die täglich neuen Horrorzahlen über verbrannte Flächen, ausgebrochene Feuer, Verletzte, Todesopfer. Die mangelnde Empathie der Regierungschefs ebenso wie die großherzige Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander. Und natürlich die Diskussionen: Wer oder was ist verantwortlich? Welche Rolle spielen Dürren und Klimaerwärmung? Liegt‘s an Brandstiftern, schlechtem Landmanagement oder nachlässiger Prävention? Gab es die Feuer nicht immer schon? Und wie nun weiter?

Dieses Bushfire-Glossar will erklären, zurück- und nach vorne blicken, Fakten und Zahlen nennen – von A bis Z in mehreren Teilen. Die Reihenfolge innerhalb der Buchstaben ist nicht streng alphabetisch, vielmehr inhaltlich begründet. Wenn Sie einen Begriff vermissen oder vorschlagen wollen, melden Sie sich gerne!

Das Foto zeigt Rauchwolken kurz nach Ausbruch der Feuer auf Kangaroo Island in SA
20. Dezember 2019: Von Kangaroo Island ziehen erste Rauchwolken bis aufs Festland. Sie werden über Wochen den Himmel verdunkeln und im 250 Kilometer entfernten Adelaide die Wäsche schwärzen
Katja Trippel

A

Arsonist / Brandstifter: Klar, kriminelle Zündler gibt es auch in Australien. Doch in der Feuersaison 2019/2020 verursachten sie in den am schlimmsten betroffenen Bundesstaaten Victoria und New South Wales nur etwa ein Prozent der Feuer, so recherchierte es die ABC bei Polizei und Feuerwehren. Murdoch-Medien im Chor mit Politiker*innen und anderen Menschen, die die Klimakrise leugnen, wurden dennoch nicht müde zu behaupten, Brandstiftung sei die Hauptursache der Infernos. Die Queensland University of Technology konnte belegen, dass organisierte Bots und Trolls die falschen Vorwürfe in den sozialen Netzwerken verbreiteten.

Aschewolken: 2019/2010 verdunkelten Rauch und Rußpartikel mancherorts tagelang den Himmel – mit gravierenden Folgen für die Atemluft. Am 1. Januar 2020 wurde in Canberra der Grenzwert, ab dem die Luftbelastung als gesundheitsschädlich gilt, um das 25fache übertroffen, selbst in der Küstenstadt Sydney zeigte der Air Quality Index zwischen November und Januar an vielen Tagen mehr als das Zehnfache des Grenzwertes an. Wind wehte die Aschewolken bis Neuseeland und sogar 11.000 Kilometer bis nach Südamerika, wo sie Gletscher schwärzten. Ihre toxischen Partikel können Atemwegserkrankungen wie Asthmaanfälle auslösen und verschlimmern.

Asthma: Mehr als 400 Menschen starben 2019/2020 infolge der Feuer an Asthma und anderen Atemwegserkrankungen. Über 2,000 mussten im Krankenhaus behandelt werde, 1.300 in Notfallambulanzen, weil sie in der mit Ruß und Aschepartikeln hochbelasteten Luft unter Atemnot litten – so hat es der Fachverband „Asthma Australia“ recherchiert. Viele Asthmatiker flohen über Wochen zu Freunden oder Verwandten in weniger belastete Regionen, um ihr Leben nicht zu gefährden. 

Ein Löschhubschrauber wirft über einem Waldbrand in New South Wales Wasser ab.
Ein Löschhubschrauber wirft über einem Waldbrand in New South Wales Wasser ab. Die Hubschrauber tanken in Seen in der Nähe der Feuer auf, manchmal auch im Meer.
Julica Jungehülsing

B

Backburns: … wird oft verwechselt mit Hazard Reduction Burning. Korrekt ist: Ein Backburn ist ein Gegenfeuer, eine Art Notfall-Feuer, das gelegt wird im Bemühen, ein bereits lodernden Waldbrand zu stoppen. Es soll dem nahenden Feuer die “Nahrung nehmen” und so helfen den Waldbrand zu  bremsen.

Blow-up: Plötzliche Steigerung/Explosion eines Feuergeschehens, was zu einem unkontrollierbaren Feuersturm führen kann.

Bush: Der australische bush ist viel mehr als „Buschland“. Australier*innen nennen gern alles, was außerhalb besiedelter Gebiete liegt, bush, unabhängig davon, ob es sich um Busch- oder Grasland handelt, um Wälder, Forstplantagen oder Nationalparks mit Fauna und Flora von unschätzbarem Wert.

Bushfire: Ist dementsprechend viel mehr als ein „Buschfeuer“. Denn es brennen keine Büsche, wie die deutsche Übersetzung verharmlosend suggeriert, sondern der australische bush. Bushfires sind nie geplant und können sich an "catastrophic fire days" zu wildfires steigern. Der deutsche Begriff lautet: Vegetationsfeuer.

Blitze: Waren laut Ben Shepard, Pressesprecher des Rural Fire Service New South Wales die häufigsten Auslöser der bushfires 2019/2020. Trockenblitze (dry lightnings) haben vor Weihnachten etwa die Feuer auf Kangaroo Island ausgelöst. Trockengewitter ohne Regen sind ein häufiges Wetterphänomen im australischen Sommer, gerade an Tagen mit extremer Hitze..

Black Friday Bushfires: "Es schien, als ob der gesamte Bundesstaat in Flammen stand am Friday, den 13 January 1939." – so beschrieb die Royal Commission das Inferno, das bis zum Black Saturday und Black Summer als eines der schlimmsten der australischen Geschichte galt. 71 Menschen starben, 5.000 Wohnhäuser und andere Gebäude wurden zerstört. Die anschließende Untersuchungskommission veranlasste viele Feuerschutz-Maßnahmen, die zum Teil bis heute gelten.

Black Saturday Bushfires: Mehr als 400 Brände tobten am 7. Februar 2009 im Bundesstaat Victoria, einem weiteren „catastrophic fire day“, viele Feuer brannten mehrere Wochen lang. 173 Menschen starben in diesen Feuern, allein im Ort Kinglake gab es 120 Tote. Über 450.000 Hektar verbrannten, mehr als 2.000 Wohnhäuser wurden zerstört.

Black Summer 2020: Bereits im Juni 2019 – im australischen Winter – warnten Feuerwehrexperten*innen angesichts ungewöhnlicher Dürre vor einer außergewöhnlich gefährlichen Sommersaison – und sollten Recht behalten. Die Feuer begannen ungewöhnlich früh (im September 2019), brannten so zerstörerisch wie nie zuvor und endeten spät (im März 2020). Die Schadensbilanz: 18.6 Millionen Hektar Land, 5.533 Gebäude und Wohnhäuser wurden zerstört. 33 Menschen starben durch die Flammen, darunter neun Feuerwehrleute. "Asthma Australia" schätzt, dass während der Feuer 400 Australier*innen an Asthma starben. Zehntausende erlebten hochdramatische Szenen und litten oder leiden weiterhin unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Wissenschaftler*innen schätzen, dass Hitze und Flammen um die drei Milliarden Tiere töteten, Koalas, Kängurus, kleine Nager, Vögel, vor allem Reptilien. Die englische Wikipedia-Seite hat die Bushfire Season 2019/2020 detailliert aufgearbeitet.

Das Foto zeigt vier Freiwillige Mitarbeiter der australischen NGO Blaze Aid. Sie helfen Farmern, zerstörte Zäune wieder aufzubauen.
Bereit anzupacken: Freiwillige der Organisation Blaze Aid helfen Farmern beim Wiederaufbau ihrer von Feuern zerstörten Zäune
Katja Trippel


Blaze-Aid: Die Hilfsorganisation versammelt Freiwillige/Volunteers, um Farmer*innen nach einem Feuer zu helfen, ihre Zäune wieder aufzustellen. Gegründet haben sie Kevin und Rhonda Butler, Viehzüchter aus Victoria, die während des Black Saturday Fires 2009 Sorge um ihre 1500 Schafe hatten, weil die Zäune niedergebrannt waren. Im Gegenzug zu ihrem Einsatz können Helfer*innen umsonst campen und werden mit Essen versorgt.

C

Charity: Was wäre Australien ohne seine vielen Charity-Organisationen, Wohltätigkeitsvereine, die in der Not einspringen, wenn der Staat nicht präsent genug ist? Während des Black Summer 2019/2020 organisierten Freiwillige vielerorts die Erstversorgung der Feueropfer mit Unterkünften, Lebensmitteln und psychischer Betreuung, packten bei „Recovery“ Maßnahmen an und sammelten Millionen Dollar an Hilfsgeldern.

Controlled burning: Vor allem in den (im Süden) kühleren Monaten legen Nationalpark-Ranger*innen, Feuerwehren und Behörden gemeinsam Feuer, meist im entzündlichen Unterholz von Wäldern, um die Gefahr großer, unkontrollierbarer Brände später in der Saison zu verhindern. Hazard Reduction Burning ist ein andere Bezeichnung für controlled burning, das Fachleute oft auch prescribed oder planned burning nennen. Das Video aus Südaustralien zeigt, wie aufwändig so eine Maßnahme vorbereitet wird bzw. werden muss, damit nichts schief geht.

Cultural burning: Aborigine-Gruppen haben Feuer in den verschiedenen Regionen und Ökosystemen Australiens seit Jahrtausenden benutzt: Um Ökosysteme gesund zu halten, Jagd zu ermöglichen, Gräser zu kultivieren, Saaten zu stärken oder extreme Feuer zu verhindern, brennen sie u.a. kleine “kalte Feuer”. Victor Steffensen schreibt in seinem neuen, faszinierenden Buch “Fire Country” über dieses Thema. Untertitel: “Wie indigenes Feuermanagement helfen könnte, Australien zu retten.” Inzwischen gibt es in mehreren Regionen Australiens Initiativen, das uralte Wissen der indigenen Gruppen wieder anzuwenden und zu integrieren. Eine davon ist Firesticks. Steffensen schreibt: “Indigenes Feuerwissen basiert auf Land, das Feuer braucht, und Land, das kein Feuer braucht. Selbst Land, in dem wir kein Feuer legen, ist Teil des wichtigen Wissens über Feuermanagement.”

Climate Change/Climate Crisis – Klimawandel/Klimakrise: Der Klimawandel zeigt sich in Australien längst als Klimakrise. Bereits 2009 erklärte ein Regierungsbericht, erarbeitet von Experten*innen des staatlichen Wissenschaftszentrums CSIRO, en détail die Zusammenhänge zwischen steigenden globalen Temperaturen und einem höheren Feuerrisiko in Australien und prognostizierten gefährliche Zeiten. Genauso kam es. 2019/2020 erlebte Australien den bislang heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Vegetation und die Böden waren so ausgedörrt wie selten zuvor – mit entsprechenden Folgen. Auch im Meer sorgte das Hitzejahr für Verwüstungen: Im März 2020 bleichten die Korallen des Great Barrier Reef in Wasser, das bis zu drei Grad wärmer war als im langjährigen Mittel, zum dritten Mal seit 2015 großflächig aus.

Climate Change Denial – Klimawandel-Leugnung: Den menschgemachten Klimawandel zu leugnen, seine Folgen zu verharmlosen oder schlicht nicht zu verstehen, ist unter Aussies fast genauso stark verbreitet wie unter Amis. Laut des Digital Media Reports der University of Canberra, die Anfang 2020 exakt 2131 repräsentativ gewählte Australier*innen befragte, glauben acht Prozent nicht an die globale Erderwärmung – ihr Anteil ist mehr als doppelt so hoch als im Rest der Welt. Generell gilt: Jüngere wissen genauer Bescheid über Ursache und Folgen der Klimakrise als Ältere, Frauen mehr als Männer, Städter*innen mehr als Landbewohner*innen und Leser*innen diverser Medien mehr als diejenigen, die nur Murdoch-Medien konsumieren. Ganz vorne unter den Wissenschafts-Ignoranten: Prime Minister Scott Morrison, dessen Kohle-freundliche Energiepolitik den Klimawandel stetig anfeuert.

Contained Fire: Meist eine gute Nachricht, denn contained heißt: Ein Feuer ist weitgehend gelöscht oder zumindest unter Kontrolle.

Das Foto zeigt eine schwarzverbrannte Weide in Lobethal, Südaustralien. Dort hat es Ende Dezember 2019 katastrophal gebrannt.
Verkohlte Weide, verbrannte Zäune: Zwei Wochen nach den Feuern Ende 2019 in Lobethal, Südaustralien, ist die Landschaft schwarz
Katja Trippel

D

Drought – Dürre: Wenn über mindestens drei Monate unüblich wenig bis kein Regen fällt und wegen der Hitze zu viel Rest-Feuchtigkeit aus dem Boden verdunstet, sprechen Meteorologen*innen in Australien von einer Dürre. Sie können auch Jahre andauern. Für den Kontinent sind Dürren nichts Unbekanntes, doch im 21 Jahrhundert häufen sie sich: Die Dürren, die in einigen Regionen von 2007 bis 2012 dauerten, und von 2017 bis 2019, gelten als die schlimmsten in jüngerer Vergangenheit. Brechen Feuer aus, wirken Dürren wie Brandbeschleuniger.

E

Extreme Fire Day: Auch Dangerous Fire Day oder Catastrophic Fire Day genannt: Das sind Tage, an denen Temperaturen um die 40 Grad, starke Winde und große Trockenheit ein brandgefährliches Trio bilden. Das Betreten von staatlichen Schutz- und Waldgebieten ist dann meist verboten, wer es dennoch tut, riskiert nicht nur harte Strafen, sondern auch sein Leben sowie das anderer. Jede Art von Flammen außerhalb von Gebäuden - also zb auch Camping-Kocher - sind dann verboten, ebenso der Betrieb von landwirtschaftlichem Gerät, das Funken verursachen könnte.

Escape Route: Viele Ortschaften haben ein Fluchtwege-System entwickelt, über das man im Fall eines Feuers an einen sicheren Ort flüchten kann.

Evakuierung: Wenn Feuerwehr oder Behörden die Evakuierung befehlen, heißt das: Wir können eure Sicherheit nicht mehr gewährleisten. Wer trotzdem bleibt, tut dies auf eigene Gefahr.

F

Feuerwehren: In Australien gibt es ausser den Berufsfeuerwehren, die sich das Jahr über um Hausbrände, aber auch um Straßenunfälle kümmern, die unvergleichbar größere Organisation der Freiwilligen Feuerwehren. Sie haben in jedem  Bundesland andere Namen (zum Beispiel der RFS, Rural Fire Service in New South Wales oder der CFS, Country Fire Service in Südaustralien) und unterschiedliche Organisationsstrukturen. Gemeinsam ist ihnen: Sie sind in hunderte Brigaden mit Tausenden von Freiwilligen unterteilt, finanzieren ihre Fahrzeuge und Ausrüstung durch staatliche Unterstützung und Spenden aus der Bevölkerung. Nach den extremen Feuern in der 2019/2020-Saison wurde über die Situation vor allem der selbständigen Freiwilligen gestritten, die oft wochenlang keine Einkünfte hatten, weil sie statt zu arbeiten Feuer löschten. Premierminister Scott Morrison sagte daraufhin zu, selbständigen Feuerwehrfrauen und -männern 300 AUS-Dollar pro Einsatztag anzubieten. Bis May 2020 hatte die Regierung insgesamt 10,7 Millionen AUS-Dollar (6,2 Millionen Euro) an Kompensation gezahlt.

Das Foto zeigt zwei Feuerwehrmänner des Country Fire Service von Südaustralien
Gefeiert als Helden nach einer Horror-Saison: Feuerwehrleute des Country Fire Service von Südaustralien
Katja Trippel

Fuel: Auf deutsch bezeichnet fuel lebendes oder totes Pflanzenmaterial, das sich entzünden kann: Gras, vertrocknete Blätter, Reisig, abgestorbene Äste und anderen Brennstoff. Über die Frage wieviel “fuel” vor der Feuersaison wo von wem wie zu beseitigen ist bzw. nicht genug beseitigt wurde (z.B. durch kleinflächiges Zusammenrechen oder großflächigere mit burn-offs), tobte im Sommer 2019/2020 (wie derzeit in Kalifornien) eine Art Stellvertreterkrieg. Natur- und Waldschützern*innen wurde vorgeworfen, diese verhindert zu haben – meist zu Unrecht. Siehe dazu Greenies. (Auch gern benützt sind die Begriffe Available fuel, Coarse fuel, Dead fuel, Elevated dead fuel, Fine fuel, Ladder fuels, Surface fuels, and Total fine fuel)

Fitzsimmons, Shane: Nervenstarker, ehemaliger Chef des Rural Fire Service von New South Wales, der sich während der Feuersaison 2019/2020 durch seinen engagierten Einsatz großes Ansehen erarbeitet hat. Im Mai 2020 wechselte er zur neu gegründeten Resilience Agency, die sich um die Herausforderungen der Corona-Pandemie kümmert.

Feuer-Ökologie: Viele Ökosysteme in Australien (wie in Kalifornien, Südeuropa und anderswo) brauchen regelmäßig Feuer, um fortzubestehen – darin sind sich Naturwissenschaftler und Aboriginal-Feuerexperten einig. Klassische Hartlaubwälder und Regionen mit mediterraner Vegetation brennen auch ohne menschliches Zutun im Durchschnitt alle 10 bis 50 Jahre, zum Beispiel nach Blitzeinschlag. Und die Samen einiger Eukalyptusarten platzen nur durch Rauch oder Hitze auf, ohne können sie sich nicht vermehren. Das Feuer sei ein Freund, der helfe die Balance zwischen den verschiedenen Pflanzen und Bäumen in der Region zu erhalten, sagt Noel Butler vom Nuragunya-Zentrum in New South Wales, das über Lebensweise und Kultur der Aborigines informiert.

Extrem heiße Feuer, wie sie im australischen Sommer 2019/2020 vielerorts tobten, wirken allerdings selbst auf diese feuer-adaptierten Pflanzenspezies – so genannte Pyrophyten – und die Ökotope, in denen sie wachsen, zerstörerisch. Die Flammen lodern bis in die Baumkronen, ihre Hitze verbrennt den Boden viele Zentimeter tief mitsamt dortiger Lebewesen, Samen und Nährstoffe. Die Waldbrand-Folgevegetation setzt sich meist anders zusammen; je nach Feuerintensität dominieren neue Arten, andere verschwinden. Ähnlich ist es für Tiere: Vor kleinen Feuern können sie flüchten oder sich verstecken, zum Beispiel in Erdhöhlen oder Wasserlöchern. Bei extremen Feuern haben vor allem Bodentiere (Frösche, Echsen, Nager, kleine Beuteltiere) sehr geringe Überlebenschancen, größeren Tieren, etwa den Koalas, fehlt nach den Flammen das Futter.

Wie sich die betroffenen Ökosysteme nach den 2019/2020 Feuern erholen, werden Biogeografiker*innen und Biologen*innen in den kommenden Jahren aufmerksam studieren. 

Feuer-Monitoring: Satellitenbilder, Beobachtungstürme, Feuerwächter*innen: Kaum ein Feuer brennt in Australien (und weltweit) mehr unbeobachtet. Über...

... Feuer-Warn-Apps kann jede*r übers Internet neue sowie schon länger lodernde Feuer verfolgen und ggf. Vorkehrungen treffen. Apps wie “Fires Near Me” in New South Wales, “VIC Fires” in Victoria oder “Alert SA” in Südaustralien sind praktisch, um das Geschehen zu beobachten. In der NSW-App lässt sich auch eine Warn-Zone markieren, so dass man automatisch SMS-Nachrichten von den Behörden bekommt, wenn sich die Situation in der eigenen Umgebung verändert oder ein neues Feuer ausgebrochen ist.

Blick auf eine Stück Buschland mit dutzenden weiß blühenden Stängeln der Grassbäume: Xanthorrhoea Australis blühen im Jahr nach einem Waldbrand häufig besonders üppig und zahlreich.
Blüten der Grassbäume - Xanthorrhoea Australis blühen im Jahr nach einem Waldbrand häufig besonders üppig und zahlreich.
Julica Jungehülsing

G

Grass Tree: Grasbäume - Xanthorrhoea - sind der Inbegriff des australischen Busches: Sie sind schön, uralt, widerstandsfähig, gedeihen auf nährstoffarmen Böden und reagieren auf Waldbrände mit üppigen Blüten. Alle 66 Grasbaumarten sind in Australien endemisch, die kleinste Art wird etwa einen Meter hoch, andere erreichen eine Höhe von bis zu sechs Metern, die meisten Arten wachsen extrem langsam, sind dafür aber langlebig: einige werden auf ein Alter von 350 bis 450 Jahren geschätzt.

Xanthorrhöen sind einkeimblättrig. Einige bilden einen "Stamm" aus alten Blattbasen, die übereinander gestapelt und durch ein natürliches Harz zusammengehalten werden. Die sehr häufig vorkommende Art Xanthorrohea australis braucht Jahre, ehe sie zum ersten Mal blüht und zeigt ihren weiß blühenden Stengel dann auch nicht jedes Jahr. Nach einem Waldbrand jedoch blühen diese Grasbäume extrem zahlreich. Die Blüten zieren eine speerähnliche Ähre, die bis zu zwei Meter hoch werden kann.

Grass Fire: Grasbrände können sich – vor allem an Tagen mit extremer Feuergefahr – besonders rasch entzünden und sind extrem gefährlich, da sie sich mit Geschwindigkeiten von bis 25 km pro Stunde ausbreiten können, über kurze Entfernungen sogar noch schneller. Gras ist ein feiner Brennstoff, der schneller als Buschland oder Wald in Flammen aufgeht. Grasfeuer erzeugen weniger Glut als Waldbrände, verursachen aber dennoch eine hohe Strahlungswärme. Und viel Rauch.

Greenies: Eine herablassende Bezeichnung für Australier*innen, die Umwelt- und Naturschutz und Klimawandel ernst nehmen. Das können Mitglieder, Unterstützer oder Wähler der politischen Partei Australian Greens kurz oft The Greens genannt sein. Es können aber auch Menschen sein, die sich ohne parteipolitischen Hintergrund im privaten oder öffentlichen Bereich für die Reinhaltung der Meere stark machen, das Great Barrier Riff retten wollen oder gegen Verpackungsüberschuss agieren. In den Murdoch-Medien werden "Greenies" reflexartig für eigentlich alles verantwortlich gemacht, was ein beschleunigtes, wirtschaftliches Wachstum aufhalten oder den Ausbau fossiler Energien bremsen könnte. Im Falle von Waldbränden läuft alle Jahre wieder eine Kampagne gegen Greenies, die vermeintlich Hazard Reduction Burns verhindern. Dieser Vorwurf wird ebenso regelmäßig von den Feuerbehörden dementiert.


Das Bild zeigt drei ältere Australierinnen, die mit ihren grünen T-Shirts und Plakaten bei der ersten Demo von Fridays for Future in Adelaide für mehr Klimaschutz demonstrieren.
Es gibt sie: Australier*innen, die Maßnahmen gegen die Klimakrise einfordern, hier bei der ersten Fridays For Future Demo in Adelaide 2020
Katja Trippel
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