Sterne haufenweise

Der Sternenhimmel im November. Von Felicitas Mokler

Junge Sterne streunen gerne in Gruppen durchs All. Mal durchqueren sie in kleineren, losen Sternassoziationen mal in größeren Haufen die Milchstraße. Am nordwestlichen Rand des Sternbilds Perseus an der Grenze zu Cassiopeia befinden sich beispielsweise eng bei einander liegend die beiden offenen Sternhaufen h (NGC 869) und Chi (NGC 884) Persei.

Unter guten Sichtbedingungen sind sie bereits mit bloßem Auge als schwache, ineinander fließende Nebelchen zu erkennen. Im Fernglas treten die helleren Sterne vor den leuchtschwächeren, jedoch noch nicht im Einzelnen auflösbaren Haufensternen hervor und bieten einen schmucken Anblick. Durch ein Teleskop mit geringer Vergrößerung erscheinen NGC 869 und NGC 884 wie zwei Häuflein verstreuter Diamanten. Die beiden Sternhaufen bewegen sich mit ähnlichen Geschwindigkeiten von rund 40 Kilometern pro Sekunde auf uns zu – jedoch in sicherem Abstand: NGC 884 ist 7600 Lichtjahre entfernt, NCG 869 6700 Lichtjahre.

Direkt ins Auge stechen am Spätherbsthimmel zudem einige Mitglieder einer loseren Sterngruppierung in der Konstellation Stier: Die Plejaden, auch bekannt als Siebengestirn. Meist sind hier sechs oder sieben helle Sterne zu erkennen, bei optimaler Sicht und mit scharfem Auge berichten manche Amateurastronomen auch von zehn sichtbaren Sternen. Eine gewisse Unsicherheit in der mit bloßem Auge sichtbaren Anzahl rührt übrigens allein von einer physikalischen Besonderheit des siebthellsten Sterns her, der seine Helligkeit in unregelmäßigen Abständen ändert. Allesamt gehören sie einem offenen Sternhaufen mit weit mehr als 1000 Mitgliedern in einer Entfernung von etwa 440 Lichtjahren an.

Solche Sternassoziationen und offene Sternhaufen enthalten verhältnismäßig junge Sterne. Die Plejaden sind etwa 100 Millionen alt, die Sterne der beiden Haufen im Perseus etwa 13 Millionen Jahre. Zum Vergleich: Unsere Sonne leuchtet bereits seit 4,5 Milliarden Jahren.

Die Mitglieder eines Sternhaufens sind gemeinsam aus interstellarer Materie in der Scheibe unserer Heimatgalaxie entstanden. Gigantische Molekülwolken, die mehr als das Tausendfache einer Sonnenmasse enthalten können, brechen zunächst in kleinere Fragmente auf. Die einzelnen Zellen kollabieren dann unter ihrer eigenen Schwerkraft, bis sie in ihrem Innern dicht und heiß genug sind, um Wasserstoff zu verbrennen und so eigens Energie zu erzeugen. Ein Stern ist geboren.

Die Sterne, die aus ein und derselben Mutterwolke hervorgegangen sind, sind für lange Zeit gravitativ aneinander gebunden und ziehen im Formationsflug gemeinsam ihre Bahn innerhalb der Galaxis. Alle Mitglieder einer solchen Gruppe - und das können einige hundert bis 10 000 sein – bewegen sich mit derselben Relativgeschwindigkeit. Diese Kollektivbewegung liefert den Astronomen ein wichtiges Kriterium, um festzustellen, ob ein Stern, der sich rein visuell einem Sternhaufen zuordnen ließe, auch physikalisch tatsächlich dazugehört.

Mit zunehmendem Alter lockert sich jedoch der Sternenverbund aufgrund der Schwerkraftwirkung der galaktischen Umgebung. So werden sich etwa die Plejaden nach weiteren 250 Millionen Jahren voraussichtlich auflösen; danach treiben die Sterne einsam durch das All.

Der Sternenhimmel Anfang November über Frankfurt am Main gegen 22:00 Uhr MEZ.
stellarium/F. Mokler

Position der Sternbilder

Der November bietet mit seinen langen Nächten Zeit für ausgiebige astronomische Beobachtungen, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Zu Beginn der Nacht versinkt der Adler unter dem Westhorizont; Leier und Schwan bewegen sich etwas höher am Himmel nach Nordwesten. Auf der Ekliptik steht im Südwesten der Wassermann, weiter im Süden folgen die Fische. Oberhalb davon steht die markante Herbstkonstellation aus Pegasus und Andromeda, gefolgt von Perseus. Von Osten her klettern die typischen Wintersternbilder herauf: Der Stier mit dem rötlichen Aldebaran, darüber der Fuhrmann mit dem Hauptstern Kapella und auf der Ekliptik ziehen die Zwillinge mit Kastor und Pollux hinterdrein. Tief im Südosten erstreckt sich Eridanus, und im Osten prangt Orion.

Lauf der Planeten

Venus sinkt morgens im Verlauf des Monats immer weiter dem Osthorizont entgegen. Höher über dem Horizont, aber leuchtschwächer steht am Morgenhimmel der rötliche Mars. Dazu gesellt sich am Morgenhimmel noch der Gasriese Jupiter. Der Ringplanet Saturn ist dagegen in der ersten Monatshälfte noch am Abendhimmel zu sehen. Uranus steht in den Fischen und ist unter guten Bedingungen sogar mit bloßem Auge zu erkennen. Neptun im Wassermann lässt sich nur mit Feldstecher oder Teleskop beobachten.

Lauf des Mondes

Am 4. November zeigte sich der Vollmond im Sternbild Walfisch. Der abnehmende Halbmond steht am 10 11.im Krebs. Zu Neumond hält sich der Erdtrabant am 18. des Monats in der Waage auf. Der wieder zunehmende Halbmond befindet sich am 26. November im Wassermann.


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