Silberschimmer am Horizont

Der Sternenhimmel im Juli. Von Felicitas Mokler

Benjamin Knispel, bknispel.de

In manchen klaren Sommernächten hebt sich vor dem fast dunklen Himmel ein silbrig-heller Schimmer am Nordhorizont ab. Diese zirrenartig geformten, leuchtenden Nachtwolken treten in der späten Abend- oder der frühen Morgendämmerung auf. In diesen Tagen lassen sie sich vor allem von Mittel- und Norddeutschland aus beobachten. Erstmals bewusst wahrgenommen haben Beobachter dieses Himmelsphänomen in den Jahren nach dem Vulkanausbruch von Krakatau in Indonesien 1883. Als Astronomen und Atmosphärenforscher schließlich begannen, gezielt nach leuchtenden Nachtwolken Ausschau zu halten, stellte sich heraus, dass dieses Phänomen auch völlig unabhängig von Vulkanausbrüchen auftrat, und zwar gewöhnlich in den Sommermonaten bevorzugt zwischen Mitte Juni und August.

Leuchtende Nachtwolken entstehen in der Atmosphärenschicht zwischen Mesosphäre und Thermosphäre, der so genannten Mesopause, in einer Höhe von ungefähr 80 Kilometern. Sie bestehen aus kleinsten Eiskristallen bis etwa 100 Nanometer Größe, die das Sonnenlicht streuen.

Damit sich die Eiskristalle in solchen atmosphärischen Höhen und damit geringen Gasdichten überhaupt bilden können, muss es besonders kalt sein. Tatsächlich erreicht der Temperaturverlauf der irdischen Lufthülle in der oberen Mesosphäre seinen Tiefpunkt . Gerade in den Sommermonaten können dies in den Polarregionen weniger als minus 130 Grad Celsius sein. Zwar wärmt sich die Luft am Boden im Sommer durch die intensivere Sonneneinstrahlung stärker auf. Dadurch steigt sie aber auch in größere Höhen auf, die Luftmassen dehnen sich dabei stärker aus und kühlen auch stärker ab.

Zudem sind zur Kristallbildung Kondensationskeime in Form von Aerosolen oder winzigen Staubpartikeln nötig. Ob Vulkanausbrüche überhaupt dazu beitragen können, ist nicht ganz klar. Denn die bei diesen Eruptionen frei gesetzten Teilchen halten sich eher in der Stratosphäre, also einer Luftschicht unterhalb der Mesosphäre, auf.

Diese Aufnahme leuchtender Nachtwolken gelang Benjamin Knispel am frühen Morgen des 3. Juli um 3:26 Uhr in der Nähe von Hannover.
Benjamin Knispel, bknispel.de

Allerdings verglühen in derselben Höhe, in der auch die die leuchtenden Nachtwolken entstehen, Meteoroide, kleine Sandkörnchen und Kieselsteinchen aus dem All, und werden als Meteore oder Sternschnuppen sichtbar. Übrig bleiben feine Staubteilchen. Heute geht man davon aus, dass sie eine dauerhafte Quelle für die Kondensationskeime in diesen Atmosphärenschichten liefern.

Vor allem bieten leuchtende Nachtwolken in den skandinavischen Ländern ein besonderes hübsches Himmelsschauspiel. Gelegentlich reißen Teile dieser polaren Wolkenstrukturen ab und driften in südlichere Regionen. Die in unseren geografischen Breiten derzeit sichtbaren leuchtenden Nachtwolken dürften aber eigenständig entstehen.

Befindet sich die Sonne etwa zwischen 6 und 16 Grad unter dem Horizont, erreichen ihre Strahlen noch die dünnen Eiswolken in 80 Kilometer über der Erdoberfläche und werden von diesen reflektiert. Ihre bläuliche Farbe erhalten die leuchtenden Nachtwolken, weil die Eiskristalle blaues Licht stärker streuen. Zudem absorbiert die Ozonschicht in der Stratosphäre den orangefarbenen und teilweise auch den roten und gelben Anteil des Lichts. Gewöhnliche Wolken, die bis maximal 13 Kilometer reichen, erscheinen nachts dagegen dunkel.

Position der Sternbilder

Die Nächte im Juli sind zwar noch kurz, aber meist angenehm warm und laden zu ausgiebigen Himmelsspaziergängen ein. Im Westen geht bereits bei Einbruch der Nacht der Löwe unter. Auf der Ekliptik ziehen die Jungfrau mit dem Hauptstern Spika und die Waage hinterher. Höher im Süden erstreckt sich großflächig der Schlangenträger, oberhalb davon befindet sich Herkules im Zenit. Weiter östlich breitet sich das Sommerdreieck mit den hellen Sternen Vega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler aus. Im Nordosten steigt bereits der markante Pegasus mit Andromeda empor.

Der Sternenhimmel am 4. Juli gegen 23:00h MESZ über Frankfurt am Main.
stellarium/F. Mokler

Lauf der Planeten

Venus ist ab den frühen Morgenstunden im Osten zu sehen. Der Gasriese Jupiter erstrahlt noch am Abend bis in die erste Nachthälfte im Südwesten. Der Ringplanet Saturn lässt sich fast die ganze Nacht hindurch beobachten. Uranus in den Fischen und Neptun im Wassermann lassen sich nur mit einem Teleskop auffinden.

Lauf des Mondes

Am 1. Juli stand der zunehmende Halbmond im Sternbild Jungfrau. Der Vollmond befindet sich am 9.7. zwischen Schild und Schütze. Am 16.7. hält sich der wieder abnehmende Halbmond in den Fischen auf, und zu Neumond tritt der Erdtrabant am 23.7. in den Krebs über. Am 30 Juli steht der wieder zunehmende Halbmond in der Jungfrau.