Stufen in der Wildnis

Der Ngorongoro-Krater in Tansania gilt als unberührte Natur. Unter deutscher Kolonialherrschaft war das anders. Von Bernhard Gißibl

Dunbars/Shutterstock Elefant vor Bergwand.

23. Februar 2017

In Deutschland ist die Kolonialgeschichte derzeit gleich mehrfach Thema. Am Deutschen Historischen Museum in Berlin läuft noch bis Mai 2017 eine große Ausstellung mit dem Titel "Deutscher Kolonialismus". Und erst im Januar haben Nachkommen von zwei namibischen Volksgruppen, den Hereros und Namas, in New York eine Sammelklage gegen die Bundesregierung eingereicht. Wie präsent die Kolonialzeit heute noch ist, das ist auch das Thema des Historikers Bernhard Gißibl vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz. In seinem Buch "The Nature of German Imperialism" legt er am Beispiel Tansanias die kolonialen Wurzeln des afrikanischen Naturschutzes offen. Auch das ist ein aktuelles Thema, wie das laufende Verfahren bei der OECD um Naturschutzpraktiken des Worldwide Fund for Nature (WWF) in Afrika zeigt. 

RiffReporter veröffentlicht einen übersetzten und überarbeiteten Auszug aus Gißibls Buch, der zu einem wichtigen, aber vergessenen Schauplatz deutscher Kolonialgeschichte führt.


Die Caldera von Ngorongoro ist von bewaldeten Höhenzügen eingeschlossen. Sie beherbergt auf nur 250 Quadratkilometern fruchtbaren Graslands eine beeindruckende Zahl und Vielfalt der afrikanischen Fauna. Löwen und Gnus, Zebras und verschiedene Antilopenarten, Elefanten, Flusspferde, Flamingos und vereinzelt sogar Nashörner leben auf engstem Raum zusammen, weshalb Ngorongoro in einschlägigen Reiseführern gerne als achtes Weltwunder oder als ein riesiger natürlicher Zoo bezeichnet wird.

Der Kessel gehört zu den weltweit bekanntesten Wildnisgebieten Afrikas; zusammen mit dem benachbarten Serengeti-Nationalpark und dem Selous Game Reserve im Süden Tansanias gehört Ngorongoro zu den UNESCO-Welterbestätten des ostafrikanischen Landes. Jedes Jahr besuchen Hunderttausende Touristen den Krater, weil er ihnen eine spektakuläre Safari in einer geologisch einmaligen Umgebung verspricht. Im November 2004 war ich einer dieser Besucher. Zugleich war meine Safari eine Reise in die deutsche Geschichte des Ngorongoro-Kraters.

Um die Mittagszeit kam ich zusammen mit meinem Fahrer und Führer Joseph am Tor der Ngorongoro Conservation Area (NCA) an. Auf der Route von dort in das Innere des Kessels ist nichts dem Zufall überlassen – entlang des Weges wird für den Besucher die Wildnis ebenso inszeniert wie das Heldentum ihres Schutzes.

Eine staubige Straße und viele Windungen erlauben nur langsame Fahrt. Das steigert die Spannung auf den Blick vom Kraterrand, den man nach einer endlos scheinenden dreiviertel Stunde endlich erreicht. Hier, am sogenannten Heroes’ Point, genießen Besucher endlich den erhabenen Blick über die stille Weite des Kraters. 600 Meter tiefer auf dem Boden des Kessels ist die Savannenfauna zu erkennen, ganz klein als Hunderte von schwarzen Punkten, die sich über die Grasfläche und die spärlichen Wälder verteilen. Ein kurzes Stück weiter am Kraterrand erinnert seit 1981 ein Denkmal an die Wissenschaftler, Jagdaufseher und Parkranger, die für den Naturschutz in Tansania ihr Leben gelassen haben. Etwas weiter entlang des Schotterweges kommt man zu einer steinernen Pyramide – ein weiteres Naturschutzdenkmal, das erstmals auf den deutschen Anteil an der Geschichte des Kraters hinweist.

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Nick Fox/Shutterstock
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Dr. Bernhard Gißibl

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