Naturgewalt Mensch?

Ein Blick auf die globalisierte Welt des Anthropozän. Von Tina Gotthardt und Benjamin Hennig

AnthropozänReporter – Expeditionen in unsere neue Erdepoche

Der Einfluss des Menschen auf seine Umwelt ist so bedeutsam, dass die Menschheit zur treibenden Kraft im globalen Umweltwandel geworden ist. Dadurch befindet sich der Mensch auf Augenhöhe mit anderen Naturgewalten, die in der Erdgeschichte die Umwelt geprägt haben. Unser Einfluss auf Tier- und Pflanzenwelt, Wasser, Luft und Erde ist nicht zu unterschätzen – so lautet die naturwissenschaftliche Hypothese des Anthropozäns.

Es ist diese schnelle Entwicklung unseres Einflusses auf die Umwelt, die Naturwissenschaftler wie zum Beispiel Paul Crutzen schon vor 20 Jahren dazu veranlasst hat, diese sehr junge Periode in der Erdgeschichte inoffiziell als Anthropozän zu bezeichnen. Eine Arbeitsgruppe der International Union of Geologic Sciences (IUGS) hat unlängst vorgeschlagen, diese Begriff zu formalisieren, also in die Lehrbücher der Geologie einzutragen. Eine abschließende offizielle Anerkennung wird vorbereitet und zugleich kontrovers diskutiert.

Unabhängig vom akademischen Diskurs und der Kritik an der geologischen Gültigkeit dieser Idee ist es vielfach belegt, dass der Einfluss der menschlichen Bevölkerung und der wirtschaftlichen Entwicklung im Rahmen von Industrialisierung und Globalisierungsprozessen die natürliche Umwelt ebenso beeinflussen, wie eben diese Umwelt Jahrtausende zuvor die Existenz des menschlichen Lebens bestimmt hat. Unsere Beziehung mit der natürlichen Umwelt und unsere Einflussnahme auf sie ist nun eine gegen- und wechselseitige.

Unsere Worldmapper-Landkarte zum Anthropozän zeigt die Menschenwelt. In diesem Bevölkerungskartogramm nehmen die am dichtesten besiedelten Landflächen der Erde den größten Raum ein, während die weniger besiedelten Gebiete proportional kleiner dargestellt sind. Darauf projiziert wurden dann wichtige Dimensionen menschlichen Handelns. Die so entstandene Karte zeigt einen „Planeten der Menschen“, statt wie üblich eine Welt der Landmassenverteilung. Ein wesentlicher Teil menschlichen Handelns wird durch die wichtigsten Kommunikations- und Transportinfrastrukturverbindungen sichtbar, die diesen Planeten der Menschheit im 21. Jahrhundert prägen.

Deshalb liegt ein besonderer Schwerpunkt dieser Weltkarte des Anthropozän auf dem dicht geknüpften Netz der mannigfaltigen Verbindungen innerhalb der am dichtest besiedelten Regionen.

Die einzelnen Elemente, die in der Karte dargestellt sind, zeigen:

  • bebaute Gebiete und die Lichtverschmutzung (weiße/gelbe Gebiete über Land)
  • Straßen (grün)
  • Eisenbahnlinien (orange)
  • Schifffahrtsrouten (weiße/blaue Bereiche auf dem Meer)
  • Pipelines (rot)
  • Übertragungsleitungen (blau)
  • Unterwasserkabel (gelbe Linien über dem Meer).
Bevölkerungskartogramm das die Landoberfläche der Erde proportional zur Verteilung der Weltbevölkerung darstellt. Darauf abgebildet sind mehrere Eben menschlicher Nutzung und Interaktion, wie Schiffsverbindungen, Straßen, Pipelines oder bebaute Gebiete.
Die Welt des Anthropozän

Anstatt nur ein Bild von dicht bebauten Gebieten mit einer Vielzahl von Infrastrukturverbindungen zu sein, zeigt diese Karte neu entstehende Muster: Die Lichtverschmutzung in den am hellsten erscheinenden Städten, in denen zentrale globalen Verbindungen zusammenlaufen, dominiert in den wohlhabenderen Teilen der Welt, wie Westeuropa und Nordamerika. Darüber hinaus sind Gebiete, wie der Osten der Vereinigten Staaten, durch ein komplexes Netz aller anderen in der Karte dargestellten Elemente geprägt. 

Der afrikanische Kontinent hingegen zeigt bedeutend weniger Kommunikationsverbindungen und wenige Eisenbahnstrecken als viele andere Teile der Welt. Ähnliche Muster zeigen auch die Schifffahrtsrouten, die einen Hinweis auf die ungleiche Vernetzung globaler Handelsrouten und die ungleiche Verteilung und Nutzung von Ressourcen haben.

Das menschliche Handeln und seine Auswirkung betreffen den gesamten Planeten. Für einen großen Teil der Weltbevölkerung hingegen ist der Planet weit weniger ein globales Dorf als eine Einbahnstraße, die die Ressourcen wie Öl oder Gas und andere Rohstoffe in jene konsumierenden Regionen lenkt, die somit die eigentlichen Zentren des Anthropozäns darstellen.

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Redaktioneller Hinweis: Die Informationen, aus denen diese Karte in der neuen Kartogrammdarstellung entwickelt wurde, wurden in Zusammenarbeit mit Globaïa erstellt, einer Organisation, die das Bewusstsein für die globalen Veränderungen, die das Anthropozän kennzeichnen, schärfen möchte. 

  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Im Schutz der toten Krone

Gerhard Richter schreibt auf seiner Schreibmaschine im Geäst eines umgestürzten Baumes und entdeckt einen alten Frieden und eine neue Uhr.

Gerhard Richter sitzt an seinem Klappschreibtisch neben einem umgestürzten toten Baum.
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Wohlstandsbauch aus Müll

Was passiert da, wo Müllautos 20 Jahre lang ihre stinkende Fracht abgekippt haben? Fieldwriter Gerhard Richter erkundet eine Deponie.

  1. Anthropozän
  2. Fluss
  3. Geschichte

Expedition am Mississippi: Jeder Paddelschlag eine Erkenntnis

Der längste Fluss der USA ist ein Paradebeispiel für das Anthropozän. Er hat Land und Leute geprägt – und sie ihn. Studierende haben den Fluss bei einem „River-Semester“ erkundet. Flussreporterin Ilse Huber war dabei.

  1. Anthropozän
  2. Artenschutz
  3. Flüsse

Expedition am Mississippi: Alligatorensuche in einer einmaligen Landschaft

Flussreporterin unterwegs: Einst wurden die Reptilien erbarmungslos gejagt. Jetzt sind sie zwar vor dem Aussterben gerettet, aber auf den Menschen angewiesen

Das Bild stellt einen Abschnitt des Mississippi-Flusses dar. Im Zentrum Wasser, rechts und links Galeriewälder, die einen tristen Eindruck machen. Das Bild zeigt das Gebiet, in dem die Expeditionsteilnehmer nach Eiern von Alligatoren gesucht haben.
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Denkmal aus Vollmond und Beton

Fieldwriter Gerhard Richter schreibt im Vollmond über ein verlassenes Sägewerk und wie die Natur es zurückerobert

Fieldwriter Gerhard Richter schreibt nachts bei Vollmond, wie sich die Natur ein verlassenes Sägewerk zurückerobert
  1. Anthropozän

Reise ins Anthropozän: Dirk Steffens erklärt im ZDF die neue Erdepoche des Menschen

Die jeweils 45 Minuten langen Folgen heißen „Erde“, „Wasser“, „Luft“. „Erde“ beschäftigt sich damit, wie der Mensch sich an der Oberfläche des Planeten zu schaffen macht. Es geht um die Geschichte des Ackerbaus, darum, wie mit der Landwirtschaft auch Staaten entstanden, um die folgenschwere Entdeckung des Kunstdüngers, die Verlagerung des Lebens vom Land in die Städte, das Insektensterben, Indoor-Farmen.

Das Bild zeigt eine Tagebaugrube, aus der eine Straße herausführt. Auf dieser Straße fahren in einer langen Kette Lastwagen, die Material abtransportieren. Das Bild symbolisiert Umwelteingriffe des Menschen.
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Birken, Stille, Knall

Fieldwriter Gerhard Richter tippt in einer erschütterten Landschaft und spürt das Echo des Krieges.

Auf dem Sandweg ins munitionsverseuchte Bombodrom sitzt Fieldwriter Gerhard Richter am Klappschreibtisch und schreibt. Daneben ein Warnschild Lebensgefahr Kampfmittel
  1. Anthropozän
  2. Natur
  3. Selbstversuch

Werde Erde

Fieldwriter Gerhard Richter sitzt auf einem Grab, aber sein Körper sträubt sich. Warum will er nicht zu Erde werden?

Fieldwriter Gerhard Richter sitzt mit seinem Klappschreibtisch auf einem Friedhof neben Gräbern
  1. Anthropozän
  2. Gemeinwohl-Ökonomie

Der Traum von einer ethischen Marktwirtschaft, die unseren Planeten erhält

Aktivisten der Gemeinwohl-Ökonomie diskutierten an der Hochschule Bremen mit Wissenschaftlern über ihre Idee für eine bessere Zukunft – die ihrer Meinung nach eine Alternative zu Kapitalismus und Kommunismus ist.

Erde rieselt durch zwei Hände. Die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung propagiert Ideen zu einem sorgsameren Umgang mit der Erde.
  1. Anthropozän
  2. Artenschutz
  3. Natur

Mittwoch auf einsamer Insel

Ein extremer Standort fördert gewagte Gedanken. Fieldwriter Gerhard Richter besiedelt eine Verkehrsinsel und fordert eine Bremspflicht für Insekten.

Auf einer Verkehrsinsel steht ein Klappschreibtisch, an dem Fieldwriter Gerhard Richter an einem Mittwoch sitzt und tippt. Autos fahren um ihn herum
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