Was bringt 2021 für den afrikanischen Kontinent?

Mit welchen Hoffnungen und Befürchtungen Bürger:innen in unterschiedlichen Ländern Afrikas auf das neue Jahr schauen

Leonie March Collage mit Portraits der Afrikaner:innen, die in dem Artikel zu Wort kommen

Das Krisenjahr 2020 ist zu Ende - doch viele Krisen werden sich 2021 fortsetzen, wenn nicht sogar verstärken. Corona, heißt es häufig, wirke wie ein Brennglas, das Probleme verdeutliche und vergrößere. Das ist auf dem afrikanischen Kontinent vielleicht noch klarer geworden als in Europa. Und Corona ist noch nicht unter Kontrolle – die zweite Welle rollt auch in afrikanischen Staaten an.

Wir haben Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und aus verschiedenen Ländern Afrikas zum Jahreswechsel nach ihren Erwartungen und Befürchtungen gefragt, danach, mit welchen Gefühlen sie ins neue Jahr 2021 starten.

Geantwortet haben – in alphabetischer Reihenfolge – eine politische Aktivistin in Uganda, eine tunesische Historikerin, ein Arzt in Somalia, ein namibischer Lodge-Manager, ein arbeitsloser Animateur in Kenia, ein algerischer Filmregisseur, ein Kulturaktivist in Simbabwe, eine marokkanische Journalistin und ein südafrikanischer Grundschullehrer.

Die Collage zeigt die Portraits der Afrikaner:innen, die in dem Artikel zu Wort kommen.
Afrikaner:innen blicken 2021 mit Sorge entgegen
Leonie March

Maria Alesi, Uganda

Bis September 2020 war die 29-jährige Maria Alesi als Programmkoordinatorin der Friedrich-Ebert-Stiftung für das „Young Leaders Forum“ verantwortlich. Dann gab sie ihre Stelle auf, weil sie sich politisch engagieren wollte. Keine ungefährliche Entscheidung, denn im Vorfeld der für Mitte Januar geplanten Wahlen gehen Sicherheitskräfte mit aller Härte gegen Kritiker vor.

Portrait der politischen Aktivistin Maria Alesi
Maria Alesi, Uganda
Bwette Photography

„Wenn ich an das neue Jahr denke, habe ich mehr Angst, als dass ich optimistisch wäre. Ich fürchte um das Leben der Uganderinnen und Ugander. Und das nicht nur wegen der anstehenden Wahlen, sondern auch wegen der Corona-Pandemie. Trotz aller Sorge ist ein Teil von mir optimistisch, denn es heißt, dass die Lage immer erst sehr, sehr schlecht werden muss, ehe sie besser werden kann.

Gibt es etwas, worauf ich hoffe? Ich hoffe auf ein freies Land, in dem die Menschen das Beste aus sich machen können, weil sie Zugang haben zu den Möglichkeiten, die ihnen und ihren Fähigkeiten entsprechen. Ich hoffe, dass durch die nächste Wahl Politikerinnen und Politiker an die Macht kommen, die ihr Wort halten. Wir können uns dessen keineswegs sicher sein. Es könnte auch sein, dass wir zwar einen politischen Wechsel bekommen, aber alles noch schlimmer wird.

Ich hoffe, dass wir nicht nur in Uganda sondern weltweit eine aufrichtige Debatte darüber beginnen, was eine repräsentative Demokratie unter den gegebenen Umständen bedeutet. Denn einige von unseren Problemen hat Uganda nicht allein, sie könnten sich nach den nächsten Wahlen ebenso in Kenia oder der Demokratischen Republik Kongo oder Burundi stellen.

Viele dieser Schwierigkeiten sind Folgen unserer kolonialen Geschichte und der ungleichen Machtverteilung in der Welt. Wir müssten endlich darüber debattieren, wie repräsentative Demokratien aussehen können in einer Welt, die sehr rassistisch, traditionell und frauenfeindlich ist.“

Kmar Bendana, Tunesien

Die Historikerin Kmar Bendana hat bis zu ihrer Emeritierung als Professorin für Zeitgeschichte an der Universität von La Manouba in Tunis gelehrt. Sie beschäftigt sich mit der kulturellen und intellektuellen Geschichte des zeitgenössischen Tunesien, die auch im Mittelpunkt ihres Blogs steht. Ein zentrales Thema dabei: die Revolution vor zehn Jahren und ihre Folgen.

Portrait der tunesischen Historikerin Kmar Bendana
Kmar Bendana, Tunesien
Sarah Mersch

„Zunächst einmal sollten wir Corona zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, wie wir leben und zusammenleben. Wir sollten uns den Schwächsten im System zuwenden. Ich denke, was wir brauchen, ist zum Beispiel, dass das Internet nicht so sehr auf Amazon, auf den Kommerz ausgerichtet wird, sondern um Menschen näher zusammenzubringen. 

Ich hoffe, dass wir 2021, wenn wir Corona hinter uns haben, die uns zur Verfügung stehenden Mittel für die Schwächsten nutzen, für die, die es am meisten brauchen. Daran arbeite ich mit meiner Universität, im Rahmen unserer beschränkten Möglichkeiten. Ich möchte, dass das Internet für Länder wie meines genutzt wird - also für arme Länder, in denen junge Menschen quasi geparkt sind, in denen sie nicht reisen können.

Und ich möchte, dass unsere Student:innen weniger isoliert sein werden als früher und sich mehr auf Wissen und Lernen konzentrieren können. Denn es ist erschreckend zu sehen, dass Studierende aus der westlichen, freien Welt haben können, was sie wollen, aber unsere eigenen Student:innen nicht, die gerade weil es das Internet gibt, den Wunsch, aber nicht die Mittel haben, es den anderen gleichzutun.

Ich erwarte vom Jahr 2021 und von Corona auch, dass wir darüber nachdenken, wie wir erreichen können, dass es in Lehre und Forschung ein bisschen weniger Ungleichheit zwischen unseren Wissenssystemen gibt.“

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