Das Coronavirus als Digitalbotschafter

Wie Tunesien durch die Pandemie einen Digitalisierungsschub erlebt

Digital ist Tunesien schon lange gut aufgestellt – im Privatsektor und an einigen Universitäten. Dort haben unzählige kleine und größere Initiativen in aller Schnelle Bemerkenswertes auf die Beine gestellt, seit die Pandemie Anfang März auch das Mittelmeerland mit seinen gut elf Millionen Einwohnern erreicht hat: Roboter, die den Kontakt zwischen Covid-19-Patienten, Ärzten und den Familien erleichtern, Gesichtsschutzschilder aus 3D-Druckern, die inzwischen erfolgreich exportiert werden, Desinfektionstunnel oder Beatmungsgeräte. Seit Wochenbeginn gibt es sogar eine Tracing-App.

Die Liste ist lang und lässt erahnen, warum tunesische Fachkräfte nicht nur in ihrer Heimat begehrt sind. Dass viele von ihnen in den letzten Jahren ihr Land verlassen haben, weil sie anderswo bessere Chancen sehen, liegt nicht nur an den Gehältern, die zum Beispiel in Europa deutlich höher sind, sondern auch an den schwierigen Startbedingungen in ihrer Heimat. Zwar gibt es seit 2018 mit dem sogenannten Start Up Act ein Gesetz, das besonders junge Firmen in der Digitalwirtschaft fördern soll, doch restriktive Devisenbeschränkungen, ein verfilzter Zoll und eine überbordende, papierlastige Bürokratie machen Unternehmen das Leben oft nach wie vor schwer.

„Covid-19 ist der beste Digitalminister“

Umso überraschender ist es, dass seit dem Beginn der Pandemie nicht nur die Privatwirtschaft, sondern auch die öffentliche Verwaltung digitale Lösungen für Probleme gefunden hat, die teilweise schon seit der Zeit der Diktatur auf dem Tisch liegen. Die Bürokratie töte jeglichen Sinn für Initiativen, so Regierungschef Elyes Fakhfakh in einer Rede vor wenigen Tagen. Die Digitalisierung der Verwaltung sei einer der Prioritäten der kommenden Jahre, kündigte der Premierminister an. Kommt also knapp zehn Jahre nach dem politischen nun auch der digitale Umbruch?

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