Südafrika hofft auf einen Impfstoff

Die erste COVID-19-Impfstudie in Afrika

DANIEL BORN for WITS UNIVERSITY Shabir Madhi begrüßt einen Teilnehmer der Impfstudie in Johannesburg

Weniger als zweieinhalb Prozent aller klinischen Studien werden auf dem afrikanischen Kontinent durchgeführt. Auch deshalb ist in Südafrika nun von einem „Meilenstein“ die Rede. Ende Juni hat in Johannesburg die erste Covid-19-Impfstudie des Kontinents begonnen. Die Hoffnungen sind groß, aber es gab auch Proteste und Überraschungen.

Sizwe Moloko hatte von einem Freund von der Impfstudie gehört und war sofort bereit mitzumachen. „Ich möchte einfach helfen und meinen Teil dazu beitragen, dass diese Krise bald wieder vorbei ist“, erklärt der 38-Jährige aus Soweto. Er ist einer von über 200 Südafrikanern, denen Ende Juni die erste Dosis im sogenannten ‚Ox1Cov-19 Vaccine VIDA-Trial‘ verabreicht wurde, weitere Probanden werden noch rekrutiert. Ob es der Impfstoff war oder ein Placebo, weiß Moloko jedoch ebenso wenig wie die Wissenschaftler, so wie bei klinischen Doppelblindstudien üblich.

Einer der prominentesten Impfforscher des Landes, Professor Shabir Madhi von der Johannesburger Wits-Universität, hatte persönlich dafür gesorgt, dass Südafrika an dieser klinischen Studie teilnimmt. Das britische Jenner Institut der Universität Oxford hatte den Impfstoff mit dem sperrigen Namen „ChAdOx1 nCoV-19“ entwickelt. „Ich habe den Hauptprüfer angerufen, den ich seit 20 Jahren kenne und gefragt, ob Interesse besteht, diese klinische Studie auch in Südafrika durchzuführen“, erzählt Madhi in einem Interview. „Die kurze Antwort war: Ja.“

Und so wird der Impfstoff nicht nur in Großbritannien, Brasilien und den USA getestet, sondern auch in Südafrika. Kurz umrissen, besteht er aus einem ungefährlichen, sogenannten Vektorvirus, das ein Spike-Protein von SARS-CoV-2 auf der Oberfläche trägt. Das Immunsystem erkennt es und bildet Antikörper. 

Über zweitausend Probanden werden insgesamt für den begonnenen südafrikanischen Teil der Studie benötigt, doch sie werden offenbar schnell gefunden. „Wir sind von der Zahl der Freiwilligen überwältigt“, sagt Dr Clare Cutland, Zweitprüferin dieser Studie und wissenschaftliche Koordinatorin des ‚African Leadership in Vaccine Expertise‘-Konsortiums der Wits-Universität.

Da es bei dieser Studie inmitten der Pandemie und explodierender Infektionszahlen in Südafrika besonders schnell gehen musste, wurden zunächst Teilnehmer*innen früherer klinischer Studien und deren Angehörige informiert. „Die Reaktionen waren regelrecht enthusiastisch“, freut sich Cutland, „Sie haben ihre Schwestern oder Nachbarn mitgebracht. Jede Person, die an unserem Screening teilgenommen hat, wurde von fünf oder sechs anderen begleitet.“

Gesucht: Erwachsene, gesunde Probanden

Sizwe Moloko ist einer von ihnen, und er erfüllt alle Kriterien für eine Teilnahme: Er ist über 18 und jünger als 65 Jahre, gesund, ohne Vorerkrankungen. Nachdem die erste Dosis (Impfstoff oder Placebo) in seinen Arm injiziert wurde, führt er wie alle Probanden eine Woche lang eine Art Tagebuch. Darin trägt er seine Temperatur ein, ob er Fieber hat oder nicht, beantwortet Fragen nach Schmerzen im Bereich der Einstichstelle oder anderen Beschwerden, ob sie schwach oder stark ausgeprägt sind.

Als ich ihn zum ersten Mal anrufe, kann ich ihn kaum verstehen. „Es ist meine Stimme“, krächzt er in die Leitung. „Ich glaube, ich bekomme eine Erkältung.“ Also wünsche ich ihm eine gute Besserung und probiere es ein paar Tage später wieder. Diesmal kann er nur flüstern. Deshalb führen wir das Interview schriftlich, per SMS. „Mein Handy ist einer dieser alten Knochen“, flüstert er noch entschuldigend, weil er keine andere Kommunikationsform anbieten kann.

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