Öl-Exploration in einem der wichtigsten Ökosysteme Afrikas?

Umweltschützer sorgen sich um die Zukunft des Okavango Deltas

Leonie March Nilpferde tauchen prustend aus dem Wasser des Flusses auf

Öl- und Gas-Förderung an den Zuflüssen des Okavango-Deltas, einem der bedeutsamsten Feuchtgebiete Afrikas? Was nach einem ökologischen Alptraum klingt, könnte bald Wirklichkeit werden. Im namibischen Teil des Kavango-Beckens sollen noch in diesem Monat Probebohrungen beginnen. Obwohl Umweltschützer und Bürgerinitiativen über mangelnde Transparenz, dubiose Genehmigungsverfahren und gravierende Widersprüche klagen.

Langsam regt sich Widerstand in Namibia - langsam, mit Verzögerung. Denn die Pläne der Firma Reconaissance Energy Africa Ltd, kurz ReconAfrica, zur Öl- und Gasexploration im Kavango-Becken existieren schon seit 2015. Doch offenbar bekamen Umweltorganisationen und Aktivisten davon lange nichts mit. Viele sind erst durch Berichte in den lokalen Medien darauf aufmerksam geworden, die das Thema ebenfalls erst vergleichsweise spät aufgriffen.

Wann er davon erfahren habe? Auf die Frage bewegt sich John Kasaona in seinem Bürostuhl, als sei der urplötzlich unbequem geworden. „Erst vor ein paar Monaten“, gibt er zu. Dabei gehört Kasaona zu den bekanntesten Umweltschützern Namibias, als Sohn eines Wilderers, der zum Tierschützer wurde. Er ist der Direktor der Organisation ‚Integrated Rural Development and Nature Conservation‘ (IRDNC), die sich seit Jahren für eine Entwicklung ländlicher Regionen im Einklang mit der Natur stark macht.

Probebohrungen sollen schon in diesem Monat beginnen

Sorge und ein gewisser Unglauben schwingen in seiner Stimme mit, als wir uns in der namibischen Hauptstadt Windhoek treffen. Er kann es nicht fassen, dass die Probebohrungen zur Öl- und Gas-Exploration bereits in diesem Monat beginnen sollen.  „Die Genehmigung für ein Projekt dieser Größenordnung kann nicht einfach so durchgepeitscht werden“, betont Kasaona.

„Solche Genehmigungen müssen detailliert geprüft und alle gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren eingehalten werden. Dazu gehören auch Konsultationen: Die Dorfgemeinschaften müssen ebenso angehört werden, wie die zuständigen Behörden und Regierungsorgane. Auch nationale Konsultationen wären sinnvoll, denn schließlich hat ein solches Projekt Auswirkungen auf ganz Namibia.“

Ist es zu spät für Beschwerden?

Doch derartige Konsultationen haben offenbar nicht in diesem Maß stattgefunden. So beklagen etwa Landwirte der betroffenen Region Kavango East in einem Artikel der namibischen Zeitung ‚New Era‘, dass sie nicht gehört worden seien. Sie fordern Teilnehmerlisten der Informationsveranstaltungen, die nach Angaben des Ölkonzerns und der Regierung stattgefunden haben sollen.

Doch mit dieser Forderung beißen sie offenbar auf Granit: Die Zeitung zitiert den Gouverneur der Provinz, Bonifatius Wakudumo, mit den Worten: Es sei zu spät für Beschwerden, die Öl-Exploration werde in Kürze beginnen.

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