Aufstand mit Kultur

Junge Kenianerinnen und Kenianer nutzen die Kultur, um ihre Rechte einzufordern. Sie sind Teil einer Bewegung, die den ganzen Kontinent erfasst hat.

Bettina Rühl Aufnahme einer Tanzgruppe. Ein Mann steht im Vordergrund. Drei weitere in derselben Kleidung weiter hinten. Außerdem sitzen zwei Männer an Trommeln.

Gelächter. Gekicher. Dutzende junge Augenpaare kleben an einem Schüler, der offensichtlich betrunken ist. Er streitet mit seiner Mutter, die sich beschwert, dass er ständig die Schule schwänzt, wobei er behauptet, sich tadellos zu verhalten. Das Ganze ist nur ein Spiel, aufgeführt von Mitgliedern der kenianischen Jugendgruppe „Wasanii Sanaa“, auf deutsch etwa: „Die Kunst der Künstler“. An diesem Morgen spielen sie vor Schülerinnen und Schülern in Kibera, einem der größten Slums in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.  

Zu sehen sind ein Mann und eine Frau. Beide halten ein Mikrofon in der Hand. Der Mann trägt einen grauen Anzug, die Frau ein schwarz-weiß kariertes Kleid.
Die Gruppe "Wasanii Sanaa" führt im Slum Kibera Theaterstücke auf. Thema ist der Alltag in den Slums.
Bettina Rühl

„Unsere Stücke handeln von allem, was zu unserem Alltag im Slum gehört“, erklärt Vincent Odhiambo Omondi, der mittlerweile 28-Jährige Gründer der Gruppe: „Menschenrechtsverletzungen, Drogenmissbrauch, Vergewaltigungen und andere Gewalt gegen Frauen.“ Der Rechtsanwaltsgehilfe und Jurastudent ist in Kibera großgeworden und gründete „Wasanii Sanaa“ 2011. Mit Hilfe der Kultur will er  Männer, Frauen und Kinder in den Slums darüber aufklären, welche Bürgerrechte sie haben, und er will ihnen Selbstbewusstsein vermitteln. Viele Slumbewohner hätten keine Ahnung davon, dass sie sich von der Polizei und anderen Vertretern des Staates nicht alles gefallen lassen müssten. Dabei sind sie besonders vielen Übergriffen durch die Polizei ausgesetzt, weil sie in Kenia einen schlechten Ruf haben und gerne als „Kriminelle“ abgetan werden, weshalb ihnen kein respektvoller Umgang gebühre.

Schon als Kind habe er beobachtet, wie Polizisten die Slumbewohner als eine Art Freiwild behandelt hätten, erzählt Omodi: Sie hätten Geld für tatsächliche oder angebliche Vergehen gefordert und mit Verhaftungen oder Gewalt gedroht, sollten ihre Opfer nicht zahlen. „Ich bin mit dem Gedanken groß geworden, dass ich eines Tages diejenigen verteidigen werde, die ihre Rechte nicht kennen.“ Durch Amnesty International und andere Organisationen wurde Vincent zu einem „paralegal“ ausgebildet, einem Anwaltsgehilfen. Außerdem begann er ein Jurastudium, dass er nach zwei Semestern allerdings auf Eis legen musste, weil er die Universitätsgebühren zur Zeit nicht bezahlen kann. 

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