Johannesburg – Stadt der Einwanderer

Migrations-Geschichte beim Dinner

Leonie March Schliessfächer im Tresorraum

Johannesburg ist eine Stadt der Migranten. Einwanderer aus allen Teilen der Welt haben die „Stadt des Goldes“ mit aufgebaut und geprägt – auch kulinarisch. Bei einem Dinner in der Innenstadt werden teils unbekannte Kapitel dieser Geschichte erzählt. Das ist auch ein wichtiges Signal in Zeiten fremdenfeindlicher Gewalt.

Ein Beitrag von Leonie March aus dem Online-​Magazin Afrika-​Reporter.

Es ist schon dunkel in Downtown Johannesburg. Eine Zeit, in der viele Einwohner die Innenstadt eher meiden. Früher war sie eine No-Go-Area, bis heute ist der Ruf nicht gerade großartig. Der Anblick von verwahrlosten Straßenzügen und Junkies, die sich auch bei Tag auf dem Bürgersteig einen Schuss setzen, Nachrichten von Überfällen und Autodiebstählen wirken abschreckend. Glaubt man populistisch-fremdenfeindlichen Parolen, dann sind „die Ausländer“ daran schuld und nicht etwa die haarsträubende Misswirtschaft der eigenen Regierung.

Fremdenfeindliche Populisten

So wiederholte etwa Johannesburgs ehemaliger Bürgermeister Herman Mashaba, 80 Prozent der Innenstadt-Bewohner seien illegale Einwanderer. Das ist falsch, wie Studien belegen, fiel aber auf fruchtbaren Boden bei all den Südafrikanern, die einen Sündenbock für ihre Misere suchen: : Armut, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Drogen. Nicht zum ersten Mal eskalierte Anfang September vor diesem Hintergrund die fremdenfeindliche Gewalt, bewaffnete Mobs zogen durch die Straßen, plünderten Geschäfte, prügelten und töteten.

Downtown Johannesburg
Downtown Johannesburg
Leonie March

Es sei zynisch, dass die Vorfahren dieser Bürger, die die Stadt für sich zurück erkämpfen wollen, oftmals erst nach jenen der Migranten nach Johannesburg gezogen seien, sagt Gerald Garner, der an diesem Abend auf dem Gandhi-Platz auf seine Gäste wartet. „Johannesburg ist eine Stadt der Migranten. Doch diese Geschichte ist in Vergessenheit geraten.“ Das will er ändern. Garner hat mehrere Bücher über Johannesburg verfasst und das Unternehmen ‚Joburg Places‘ gegründet.

Kulinarische Migrationsgeschichte

Er führt Touristen wie Südafrikaner durch die Innenstadt, lässt sie hinter die chaotischen Fassaden von Vierteln wie ‚Little Ethiopia‘ schauen und veranstaltet ‚Storytelling Dinners‘, bei denen er die Migrationsgeschichte seiner multikulturellen Heimatstadt erzählt und kulinarisch auf der Zunge zergehen lässt. Nach und nach trudeln seine Gäste ein, wie von ihm empfohlen mit Taxen und Uber, denn er ist zwar ein glühender Fan seiner Heimatstadt, aber nicht naiv. Er begrüßt sie wie alte Freunde und führt sie in ein eher unscheinbares Gebäude, das sich jedoch als kleine Sensation entpuppt. Eine verwinkelte Kellertreppe führt hinab zur ‚Zwipi-Underground-Bar‘.

Zwipi-Underground-Bar
Zwipi-Underground-Bar
Leonie March

Mit einem Aperitif in der Hand werden die Gäste zu ihren Tischen gebracht. Liebevoll eingedeckt, mit Lichterketten geschmückt - hinter massiven Stahltüren. Denn das Dinner findet in historischen Tresorräumen statt. „Dieses Gebäude war mal eine Bank, 1904 erbaut, und der Tresor sieht noch ziemlich genau so aus, wie damals“, erzählt Garner.

Dinner hinter Stahltüren

„Wir haben ihn so erhalten, damit auch Sie das Gefühl haben, einen vergessenen Tresor zu entdecken, der 40 Jahre lang nicht genutzt worden ist.“ Neugierig betrachten die Gäste Schweißspuren an einer Stahltür und einen schmalen Raum mit Schließfächern, bevor sie sich um ihren Gastgeber versammeln.

Dinner im Tresor
Dinner im Tresor
Leonie March

„Wie viele von Ihnen wurden in Johannesburg geboren?“, fragt er in die, schon rein äußerlich, multikulturelle Runde. Nur drei der rund zwanzig, überwiegend südafrikanischen, Gäste heben die Hand. Mehr als der Durchschnitt bei unseren Dinnern, bemerkt Garner. Am Ende des Abends würden sie mehr über die Stadt wissen, als die meisten anderen, die hier leben, über Einwanderer aus allen Teilen der Welt, die die Stadt mit ihren heute über 5,5 Millionen Bürgern aufgebaut haben und prägen. Anspruch auf Vollständigkeit erhebe er nicht, sagt Garner, dessen eigene Vorfahren aus England und Deutschland stammen: „Wenn ich von allen Migranten-Gruppen erzählen würde, wären wir hier für mindestens drei Wochen und würden hunderte Gänge verspeisen.“

Junge Metropole auf uraltem Land

Sehr viel sei in vergleichsweise kurzer Zeit passiert. 1886 gegründet, ist Johannesburg eine der jüngsten Millionenmetropolen der Welt. Gleichzeitig liegt sie in einer uralten Gegend, nur rund 40 Kilometer von diesem Bankgebäude liegt die ‚Wiege der Menschheit‘. Es ist ein Mythos, dass hier niemand gelebt hat, bevor Gold entdeckt wurde. Garner erzählt von Tswana-Siedlungen, von abtrünnigen Zulu-Kriegern und von Buren, die sich in der Gegend als Farmer ansiedelten. Letztere brachten ihre Sklaven aus den damaligen holländischen Kolonien in Südostasien mit, die sogenannten Cape Malay. An sie erinnert eine der beiden Vorspeisen: Butternut Suppe, indonesisch angehaucht, mild gewürzt. Ein vermeintlich südafrikanischer Klassiker. Aber wie passt die zweite Vorspeise, chinesische Teigtaschen, zu Johannesburg?

Chinesische Teigtaschen
Chinesische Teigtaschen
Leonie March
RiffReporter fördern

Tauchen Sie ein! Mit ihrem Kauf unterstützen Sie neue Recherchen der Autorinnen und Autoren zu Themen, die Sie interessieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,
um diesen RiffReporter-Beitrag lesen zu können, müssen Sie ihn zuvor kaufen. Damit Ihnen der Kauf-Dialog angezeigt wird, dürfen Sie sich aber nicht in einem Reader-Modus befinden, wie ihn beispielsweise der Firefox-Browser oder Safari bieten. Mit dem Beitragskauf schließen Sie kein Abo ab, es ist auch keine Registrierung nötig. Sobald Sie den Kauf bestätigt haben, können Sie diesen Beitrag entweder im normalen Modus oder im Reader-Modus bequem lesen.

Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Lqnjax dfl Rngbkz
Leonie March
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Jcbfzt Srnnxh
Leonie March
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Wgksw zac Mdajlub
Leonie March
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Wccvwvkp Mmmfbgg Hznkbgvz
Leonie March
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Ndxwrtr
Leonie March
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
Acbyyxe
Leonie March
Dieser Beitrag ist kostenpflichtig und wird nach dem Kauf entschlüsselt.
QydkdwqWbgg
Leonie March

Das war ein Artikel des Online-Magazins „Afrika-​​Reporter“ - eine Übersicht unserer Beiträge finden Sie hier. Wir freuen uns über Ihre Unterstützung für unsere Recherchen, über Leser und Abonnent*innen. Herzlichen Dank!

Flatrate ab 8 € RiffReporter unterstützen
Afrika-Reporter