Flucht vor Terroristen in Mosambik

Über die humanitären Konsequenzen des Krieges in Cabo Delgado

Leonie March Ein leeres, halbzerstörtes, verlassenes Gebäude mit der Aufschrift Schulkantine in Mosambik.

Seit 2017 wird Cabo Delgado, eine Provinz im äußersten Norden Mosambiks, die an Tansania grenzt, von Terror erschüttert. Zellen einer islamistische Gruppierung, die sich ‚Ansar al-Sunna‘ nennt, verüben Anschläge auf Regierungsgebäude sowie Einrichtungen internationaler Hilfsorganisationen, liefern sich Kämpfe mit den staatlichen Sicherheitskräften und terrorisieren die Bevölkerung. Sie plündern Dörfer, um die Kämpfer zu ernähren, oder brennen sie nieder, weil sie annehmen, dass die Bewohner sie nicht unterstützen. Es gibt Berichte über Folter, Massaker, Enthauptungen, die Liste der Gräueltaten ist lang.

Über die internationalen Verbindungen dieser Gruppierung, die sich im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben dem Islamischen Staat angeschlossen hat, sowie über ihre Ziele, wie die Errichtung eines Kalifats, sind Experten uneins. Sicher ist, dass die Terroristen in den lokalen Verhältnissen einen fruchtbaren Nährboden gefunden haben: Das bitterarme Cabo Delgado galt lange als Mosambiks vergessene Provinz: Armut, Hunger, Arbeitslosigkeit sind verbreitet, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen wurden vom Staat lange vernachlässigt.

Als Rohstoffe in großem Stil entdeckt wurden, eines der größten Erdgasfelder der Welt und reiche Rubinvorkommen, weckte das natürlich Hoffnungen bei der Bevölkerung, die jedoch enttäuscht wurden. Außerdem fühlen sich insbesondere Muslime in der Provinz von der politischen Teilhabe ausgeschlossen. Das macht es radikalen Predigern leichter, Anhänger zu rekrutieren.

Die Konsequenz ist eine der größten humanitären Krisen seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1992. Schätzungen zufolge sind über 2.000 Menschen getötet worden, über die Hälfte von ihnen Zivilisten, zehntausende sind auf der Flucht. Der bewaffnete Konflikt in Cabo Delgado ist der maßgebliche Grund dafür, dass die Zahl der intern Vertriebenen in Mosambik in den letzten beiden Jahren um ganze 2.700 Prozent gestiegen ist, von 15.000 auf rund 424.000. Diese Zahlen nennt das  ‚Centro de Integridade Publica‘ (CIP), in einer aktuellen Studie.

Edson Cortez ist Direktor des CIP, einer zivilgesellschaftlichen mosambikanischen Organisation, die sich für Transparenz, Integrität und gute Regierungsführung einsetzt. Er ist für diese Studie selbst nach Cabo Delgado gereist, in jene Orte, in denen in den letzten Wochen immer mehr Vertriebene eingetroffen sind. Welchen Eindruck hatten Sie von der Situation vor Ort?

„Wir haben seit 2015 ein CIP-Programm in Cabo Delgado, und im Verlauf dieser fünf Jahre haben sich die Lage dort und der Kontext komplett verändert. Ziel unserer Studie war es, zu verstehen, wie sich der Konflikt konkret, auch politisch, auswirkt, dazu sind wir mehrmals in die Region gereist. Dort haben wir mit Vertrieben gesprochen, die aus den von Terroristen besetzten Distrikten geflohen sind.

Sie erzählen uns, dass es dort unter anderem keine lokalen Behörden mehr gibt, keine Regierungsvertreter oder -einrichtungen. Beamte, Verwaltungsangestellte, Polizisten, Krankenschwestern, Lehrer, alle sind vor dem Krieg geflohen, so wie auch die Bevölkerung. Kaum jemand ist mehr dort. In den letzten paar Wochen sind viele Boote mit Flüchtlingen in der Provinzhauptstadt Pemba eingetroffen, weil die Intensität des Krieges weiter zunimmt.

Die Augenzeugen berichten, dass die Terroristen gut organisiert und ausgestattet seien, mit Waffen und Fahrzeugen. Es seien Autos von geflohenen Geschäftsleuten, aber auch Armeefahrzeuge, die bei Kämpfen gegen das mosambikanische Militär erbeutet wurden. Ein paar Leute erzählten, dass auch Uniformen von Soldaten in die Hände der Aufständischen geraten sind.

Unser Militär hat offensichtlich enorme Schwierigkeiten, sich gegen diese gut organisierten Terrorzellen durchzusetzen. Deshalb hat die Regierung auch ausländische Söldnergruppen zur Unterstützung der Armee angeworben.“

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