50 Menschen - 50 Geschichten

Wer sind eigentlich unsere #50survivors? Wo wohnen sie, wie alt sind sie, was machen sie? Hier stellen wir sie vor

Ein Beitrag des Projekts #50survivors

Unser Versprechen: Wir schreiben nicht über das Virus, wir zeichnen keine Infektionskurven und nehmen keine Podcasts mit Virologen auf. Das machen andere Journalist*innen nämlich schon sehr gut. Unser Ziel ist ein anderes: Wir wollen die Menschen zu Wort kommen lassen, die an Covid-19 erkrankt waren, sie nach ihren Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen fragen. Hier schreiben wir ihre Antworten auf.

Am Anfang unserer Dialog-Recherche stand die Herausforderung: Um 50 ehemaligen Corona-Patienten eine Stimme zu geben, mussten wir sie erstmal finden und davon überzeugen, mitzumachen. Also fragten wir uns: Wer kennt Menschen, die sich mit Corona infiziert hatten? Familie, Freunde, Bekannte oder Kollegen? Sie alle trugen die Frage für uns weiter. Wir blätterten außerdem durch Zeitungen, sichteten Postings in sozialen Netzwerken und starteten Aufrufe in Facebook-Gruppen und Foren für Corona-Infizierte. Und dann war die Liste plötzlich voll. Wir hatten Namen und eMail-Adressen von #50survivors.

Sie heißen Thomas, Dana, Uwe oder Karin. Manche treten mit ihrem echten Namen auf, andere wünschten sich ein Pseudonym, weil sie anonym bleiben wollen. Die 50 Teilnehmenden unserer Dialog-Recherche sind zwischen neun und 75 Jahre alt und wohnen in der Schweiz, Österreich, Italien, Großbritannien und Deutschland. Aus fast jedem Bundesland ist ein Survivor dabei.

Silas studiert, Kira arbeitet als Ärztin, Frank ist Hundetrainer, Lasse Redenschreiber, andere arbeiten als Fitnesstrainerin oder Ingenieur. Viele haben Familie und Kinder. Sie alle reden via Telegram oder eMail seit vier Wochen mit uns – über ihre Erkrankung, die Symptome, über die Reaktionen ihres Umfelds auf ihre Erkrankung, über Politik, Träume, Sorgen und Ängste. Ihre Antworten zeigen uns einen Ausschnitt aus der Wirklichkeit: Was es wirklich bedeutet, Covid-19 überstanden zu haben. Die Dauer und die Verläufe der Erkrankung sind so vielfältig wie die #50survivors selbst.

Da sind zum Beispiel:

Heinz-Günther aus Braunschweig: Bin Pensionär. 44 Tage krank insgesamt. Davon: 10 Tage im Haus ohne Test und Kenntnis, 3 Tage im Krankenhaus im 4-Bett-Zimmer, bis das positive Ergebnis kam. Dann 11 Tage im künstlichen Koma mit Intubierung. Dann 3 Wochen Intensivstation. //
Josef aus Erkelenz: Ich wohne in Erkelenz (Landkreis Heinsberg 😏) und bin tätig als Bankkaufmann im Privatkundenbereich. Die Bank hat recht frühzeitig und konsequent Maßnahmen gegen Corona ergriffen (Home Office, Split-Teams), die glücklicherweise dazu geführt haben, dass aufgrund meiner Erkrankung die Filiale nicht in Quarantäne geschickt werden musste. Ich hatte an 3 Abenden VOR dem Test Fieber, ca. 38,4°C, Schüttelfrost, Hals- und Kopfschmerzen. Während der Quarantäne hatte ich keine Symptome mehr. //
Sara aus London: Ich bin Head of PR & Communications bei einer Nationalen Tourismusorganisation. Ich arbeite in London. Ich bin heute, nach 13 Wochen, erst ca. 85 Prozent genesen - es dauert ewig bei mir. //
Thomas aus Hamburg: Ich bin Grafik-Designer in einer eigenen kleinen Agentur, gemeinsam mit zwei Partnern. Mein Wohnort ist Hamburg. Von den ersten Symptomen Anfang März bis zu deren fast völligem Abklingen war ich ca. 5 bis 6 Wochen krank. Die Symptome reichten von Kopfschmerzen über Kratzen im Hals, starken Husten mit Atemproblemen und lang anhaltendem Fieber bis hin zu Schwäche, Appetitlosigkeit (8 Kilo Gewichtsverlust), Schwindel, Kreislaufproblemen und sogar Wahrnehmungsstörungen. // 
Emanuela aus Bozen, Italien: Ich bin Assistenzärztin in der Inneren Medizin. Mit Sicherheit habe ich mich bei der Arbeit angesteckt, weil meine Patienten keine Schutzmitteln tragen mussten. Ich war ungefähr 10 Tage lang krank. Als Symptome hatte ich Anosmie und Ageusie, das heißt, dass ich nichts riechen oder schmecken konnte, sonst nichts. //
Frank aus Nürnberg: Ich bin eigentlich Dipl. Immobilienwirt, arbeite aber nicht mehr in diesem Beruf. Momentan pflege ich zusammen mit meiner Mutter meinen Vater und arbeite als Coach für verhaltensauffällige Hunde. Mir selber geht's richtig gut, ich hatte eigentlich nie wirklich Symptome. Lediglich der Geruchs- und Geschmackssinn waren mehrere Wochen lang stark beeinträchtigt. Aber das empfand ich nicht als dramatisch. //
Ramona aus Willstädt: Ich habe mich bei der Arbeit angesteckt. Ich bin Altenpflegerin im ambulanten Dienst. Insgesamt war ich nur zwei Tage krank, hatte aber schon zwei Tage zuvor Geruch- und Geschmacksverlust. Ich war in den Tagen sehr schlapp, müde, habe kaum gegessen und getrunken, war aber nicht in Krankenhaus. Sonstige Symptome blieben mir zum Glück erspart. //
Silas aus Durmersheim: Ich bin Student in Karlsruhe. Ich habe "nur" einen meiner Freunde angesteckt. In den ersten Tagen hab ich mir viele Sorgen gemacht, vor allem da ich kurz vorher meine Oma besucht habe. Doch da ich mich sofort mit Auftreten der Symptome selbst unter Quarantäne gesetzt habe, war ich einigermaßen guten Gewissens niemanden angesteckt zu haben. //

So unterschiedlich die #50survivors auch sind, eins haben sie gemeinsam: Sie freuen sich darüber, dass sie endlich nach ihren Erlebnissen gefragt werden:

Peggy aus Appenweier/Urloffen: Guten Morgen, leider habe ich von der Krankenkasse überhaupt nichts gehört. Ich habe insgesamt den Eindruck, dass es sowohl Ärzte als auch Krankenkassen sowie Gesundheitsämter nicht wirklich interessiert, wie es einem geht. Die einzigen, die überhaupt fragen, das seid wirklich ihr. //
Jennifer aus Nußbach bei Oberkirch: Hallo, ich kann nur sagen, dass es mir Spaß macht, hier mitzumachen. Es ist schön zu wissen, dass sich Leute interessieren, wie die Zeit mit Corona so war und es nicht nur als kleine Grippe, die ja halb so schlimm war, abtun, was ich oft erlebt habe. //
Micha aus Roßdorf: Hi! Ich hoffe, meine Antworten sind ausführlich genug für Eure Zwecke. Falls Ihr etwas genauer wissen wollt, fragt gerne nach. Die Reflektion auf Basis der Fragen ist interessant. Manche Fragen habe ich mir selber so noch gar nicht gestellt. Das ist gut. //
Dana aus Köln: Es ist einfach, eure Fragen zu beantworten. Ich finde es gut, dass mehr Aufklärung stattfinden soll, ihr tragt dazu bei. //
Claudia aus Friedberg: Ich freue mich in jedem Fall dabei sein zu dürfen, denn Ungetestete werden meist nicht wirklich ernst genommen. Man wird schräg angeschaut, als ob man sich was einbildet oder sich wichtig machen möchte. //
Maren aus Finnentrop: Ich finde es ganz cool! Warte schon immer auf eure Fragen!  //

Ein Gespräch mit 50 Leuten wagen. Das ist unser Experiment. Wir sind damit noch nicht am Ende. (Es ist einfach zu spannend.)

Was tun wir?

Im Dialog-Projekt #50survivors stellen wir 50 Covid19-Überlebenden über Wochen hinweg Fragen, jede Woche zu einem bestimmten Thema. Zu Beginn haben wir nach der Ansteckung gefragt, fortsetzen werden wir mit Fragen wie “Was hat sich seit der Erkrankung verändert?” oder “Welche Menschen wissen von der Erkrankung?”.

Wie genau die Ansteckung erfolgen kann, wie man sich selbst am besten schützt und welche Gefahr man als Infizierter für andere ist: All das erklären versierte WissenschaftsjournalistInnen HIER ausführlich bei Riffreporter. Und warum manche Corona-Infizierte eine große Zahl von Menschen anstecken, wird HIER fundiert erläutert.

Sie haben Fragen, Ideen oder sind selbst betroffen von Covid-19? Dann schreiben Sie uns gern an [email protected] HIER finden Sie ausführlichere Informationen zu unserem Projekt, in dem wir über einige Wochen das Leben von 50 Menschen mitverfolgen, die an Covid-19 erkrankt waren. Die Texte der Teilnehmenden korrigieren wir orthografisch und behalten uns vor, sie stellenweise zu kürzen. Doch in ihre Art des Erzählens greifen wir nicht ein. Alle eigenen Beiträge haben wir sorgfältig auf ihre Präzision, Relevanz und Richtigkeit geprüft. Sie ersetzen aber nicht eine ärztliche Einschätzung und Beratung.

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